Erichs Lampenladen im Herzen Berlins

Am 23. April 1976 wurde im Herzen von Ost-Berlin feierlich der Palast der Republik eröffnet. Das imposante Gebäude wurde in knapp dreijähriger Bauzeit auf dem historischen Areal in Berlin-Mitte errichtet, welches direkt neben der Museumsinsel bis 1950 das Berliner Stadtschloss beherbergte. Internen Aufstellungen des damaligen Ministers für Bauwesens Wolfgang Junker zufolge soll der Bau ungefähr 800 Millionen Mark gekostet haben.
von Jörn Kleinhardt (30.07.2015)

Am 23. April 1976 wurde im Herzen von Ost-Berlin feierlich der Palast der Republik eröffnet. Das imposante Gebäude wurde in knapp dreijähriger Bauzeit auf dem historischen Areal in Berlin-Mitte errichtet, welches direkt neben der Museumsinsel bis 1950 das Berliner Stadtschloss beherbergte. Internen Aufstellungen des damaligen Ministers für Bauwesens Wolfgang Junker zufolge soll der Bau ungefähr 800 Millionen Mark gekostet haben.

Das Gebäude war als ein Haus für das Volk konzipiert. Neben diversen Veranstaltungsräumen, einer Bowlingbahn, verschiedenen gastronomischen Einrichtungen, Galerien und einem Theater, diente der kleine Saal des Palastes als Sitz der Volkskammer. Auch im großen Saal, der je nach Veranstaltung Platz für bis zu 4500 Leute bot und über moderne Bühnen- und Tontechnik verfügte, fanden mehrere Parteitage der Einheitspartei (SED) statt. Im Kontrast dazu gab es dort auch verschiedene TV-Aufzeichnungen von Shows wie dem beliebten „Ein Kessel Buntes“ oder Konzertauftritten von nationalen und internationalen Musikern wie Udo Lindenberg, Santana, Harry Belafonte oder den in der DDR sehr beliebten Bands Puhdys und Karat.

Mit dem vielfältigen Kulturangebot im Palast suggerierte die DDR-Führung eine gewisse Weltoffenheit. Im Volksmund nannte man den Palast aufgrund seiner aufwendig gestalteten Foyers auch „Erichs Lampenladen“. Die offiziellen Feierlichkeiten zum 40. Republikgeburtstag im Oktober 1989 fanden im Palast statt, während sich außerhalb auf der Nordseite des Areals  eine große Protestdemonstration formierte, die im Laufe des Abends bis in den Prenzlauer Berg zur Gethsemane- Kirche marschierte. Einheiten der Volkspolizei und Staatssicherheit versuchten den Demonstrationszug gewaltsam aufzulösen. Die Bilder des Abends gingen dank der am Jubiläumstag zahlreich anwesenden internationalen Pressevertreter um die Welt.

Im Zuge der Wiedervereinigung wurde der Palast wegen Asbestverseuchung geschlossen, das überdimensional große Staatswappen der DDR aus Bronze wurde entfernt. Nach einer Teilsanierung in den 1990er Jahren erfolgte der Abriss des ehemaligen Prunkbaus bis 2008. Der Abriss des Gebäudes wurde seinerzeit von heftigen Protesten begleitet. Auf dem Areal, welches nur einen Steinwurf von unserem Museum entfernt ist, wird momentan das Humboldt Forum gebaut.

In unserer Sammlung befinden sich zahlreiche Objekte aus dem Palast der Republik, welche eindrucksvoll die damalige Zeit dokumentieren. In unserer Ausstellung befinden sich einige Fenster des Gebäudes, welche für den einprägsamen bronzenen Look des Gebäudes stehen. Sehr interessant sind auch die Ruhlaer Uhren für die Erbauer des Palastes. Diese Sonderserien aus der Thüringer Traditionsschmiede wurden exklusiv als Danksagung für einen Großteil der beteiligten Bauarbeiter angefertigt. In die Bodenplatte der Uhren wurde der Zeitraum des Baus eingraviert, zusätzlich befand sich eine Widmung an die Bauarbeiter im Inneren des Schmucketuis. Unser Exemplar ist den weiblichen Erbauerinnen gewidmet. Für die Männer gab es selbstverständlich eine Herrenarmbanduhr von Ruhla.

Wenn Sie noch Objekte oder eine nette Anekdote zu Ihrem Palastbesuch haben und diese mit uns teilen möchten wären wir sehr erfreut!

 

Mehr zum Thema

Tickets ohne Warteschlange ab € 5,50   Jetzt kaufen