Geschichte

Die Aktivistenbewegung in der DDR

Um die Produktivität der Industrie und Wirtschaft in den Anfangsjahren nach dem Krieg zu steigern, musste die Staatsführung ungewöhnliche Wege einschlagen. Als Vorbild zur Steigerung der Produktivität, ohne große Investitionen zu tätigen, diente die sowjetische Stachanow Bewegung aus den 1930er Jahren. von Jörn Kleinhardt (05.02.2015)

Um die Produktivität der Industrie und Wirtschaft in den Anfangsjahren nach dem Krieg zu steigern, musste die Staatsführung ungewöhnliche Wege einschlagen. Durch Kriegsschäden und Demontagen hatten viele Industriestandorte einen Großteil ihrer Substanz verloren. Viele vor allem männliche Arbeitskräfte befanden sich noch in Kriegsgefangenschaft. Großzügige Investitionen der sowjetischen Besatzer in die ostdeutsche Infrastruktur waren ausgeschlossen. So galt es das Beste aus den vorhandenen Mitteln zu machen. Als Vorbild zur Steigerung der Produktivität, ohne große Investitionen zu tätigen, diente die sowjetische Stachanow Bewegung aus den 1930er Jahren.

Am 13. Oktober 1948 förderte der damals 43 jährige Bergmann Adolf Hennecke in einer gut vorbereiteten Schicht im VEB Steinkohlenwerk Karl Liebknecht 24,4 Kubikmeter Kohle. Die seinerzeit übliche Tagesnorm von 6,3 Kubikmeter Kohle wurde somit um ein vielfaches überboten. Diese Hochleistungsschicht des Bergmanns wurde von staatlicher Seite initiiert, zum Auslöser der Hennecke Bewegung. Unter manchen Kollegen hingegen galt er als „Normbrecher“, da sie allgemeine Erhöhungen der Arbeitsnorm aufgrund seiner „Normübererfüllung“ befürchteten. Adolf Hennecke wurde für seine Schicht mit eine Geldprämie von 50 Mark, 3 Schachteln Zigaretten, 1,5 Kilogramm Fettzulage und einer Flasche Branntwein belohnt. Von Staatsseite wurde er mit verschiedenen Auszeichnungen wie dem Vaterländischen Verdienstorden, dem Nationalpreis der DDR I. Klasse und dem Karl Marx Orden geehrt. Als einfacher Bergmann musste er nicht mehr arbeiten, 1950 bekam er einen Sitz in der Volkskammer, danach arbeitete er in der Staatlichen Plankommission der DDR. Bis zu seinem Tod im Jahr 1975 war er Mitglied im Zentralkomitee der SED.

Der 13. Oktober wurde in der noch jungen DDR zum „Jahrestag der bahnbrechenden Tat Adolf Henneckes“stilisiert und fortan als Tag der Aktivisten gefeiert. Am 1. Jahrestag im Oktober 1949 wurden durch den FDGB insgesamt 25000 Aktivisten und Neuerer mit Orden und Geldprämien ausgezeichnet.

Das Wandbild aus unserer Sammlung stammt aus dieser Anfangszeit der Aktivistenbewegung. Dargestellt ist ein Mann mittleren Alters welcher eine rote Fahne trägt. Das Bild entspricht dem Selbstverständnis und dem propagiertem Kunststil des „Sozialistischen Realismus“ nach sowjetischen Vorbild. Auf der Fahne ist am oberen Rand das Wort „Siegerbetrieb“, am unteren Rand die Worte „im Wettbewerb“ zu erkennen. An seiner Arbeitsjacke ist links auf Brusthöhe ein Orden „Aktivist des Fünfjahrplans“ zu sehen. Der Slogan „Ruhm und Ehre unseren Aktivisten“ entspricht dem Duktus der frühen Nachkriegszeit. Darunter befindet sich das Datum 13. Oktober 1951, dem dritten Tag der Aktivisten. Mittig unterhalb des Leitspruches ist das Symbol des FDGB abgebildet. Das Spruchband mit Leitspruch und Datum wir durch zwei Ähren flankiert. Das Bild ist in Holz gerahmt und verfügt zum Schutz vor mechanischer Einwirkung über eine Glasscheibe. Rückseitig ist ein massiver Metallhaken zur Hängung angebracht.

Zusätzlich zu dem Wandbild der Aktivistenbewegung möchte ich Ihnen noch einen Orden „Aktivist des Fünfjahrplans“ aus dem Jahr 1955 vorstellen. Eine leicht abgewandelte Form des Ordens trägt der Aktivist auf dem oben vorgestellten Bild.  Der Orden zeigt mittig eine große Fünf. Im Hintergrund sind Hammer und Zirkel, flankiert von 2 Ähren zu sehen. Darunter steht in Großbuchstaben Aktivist. Auf der Rückseite des Ordens steht „Auf sozialistische Art zu leben, erfordert auf sozialistische Art zu arbeiten“. Die obere Spange des Ordens enthält die Jahreszahl der Verleihung, bei unserem Exemplar 1955.

Wurden Sie damals auch als Aktivist oder Neuerer ausgezeichnet? Was haben Sie dafür geleistet? Ich würde mich über Ihre Erfahrungen und Geschichten zum Thema Aktivistenbewegung sehr freuen.

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