Geschichte

„Antiimperialistische Solidarität“ – Entwicklungshelfer der DDR in Asien

Nachdem wir letzte Woche über die Entwicklungshilfe der DDR in Afrika berichtet haben, widmen wir uns heute der Entwicklungshilfe und der „Antiimperialistischen Solidarität“ auf dem asiatischen Kontinent. von Jörn Kleinhardt (14.01.2016)

Nachdem wir letzte Woche über die Entwicklungshilfe der DDR in Afrika berichtet haben, widmen wir uns heute der Entwicklungshilfe und der „Antiimperialistischen Solidarität“ auf dem asiatischen Kontinent. Analog zur historischen Entwicklung in Afrika erlangten viele asiatische Staaten nach der Beendigung des Kolonialismus die Unabhängigkeit und suchten ihren Platz im bereits bestehenden Blocksystem. Andere Länder wie beispielsweise Vietnam wurden infolge des entstandenen Machtvakuums, durch Abzug der ehemaligen Kolonialherren aus Frankreich, zweigeteilt und jeweils von den schon existierenden Bündnissystemen unterstützt. Der Norden Vietnams (Demokratische Republik Vietnam mit der Hauptstadt Hanoi) stand bis Mitte der 1960er Jahre unter kommunistischer Herrschaft, demgegenüber stand der südliche Teil Vietnams (Republik Vietnam mit der Hauptstadt Saigon) unter der Kontrolle des westlichen Bündnisses. Aus dieser ohnehin schon brisanten Situation entwickelte sich ab 1964 ein Bürgerkrieg, der sich schnell zu einem Stellvertreterkrieg unter Beteiligung der USA und der Sowjetunion ausweitete. Nachdem der Krieg nach über einem Jahrzehnt durch die bedingungslose Kapitulation Südvietnams beendet wurde, erfolgte am 2. Juli 1976 die Wiedervereinigung des Landes als Sozialistische Republik Vietnam.

Mit der Normalisierung der Verhältnisse im kriegsgebeutelten Land, intensivierte sich auch die Zusammenarbeit zwischen der DDR und dem sozialistischen Vietnam. Auch zuvor gab es allerdings schon finanzielle Unterstützung durch die DDR unter Federführung des Solidaritätskomitees der DDR“. In unserer Sammlung befindet sich ein Lesezeichen „Strom für Vietnam“ welches für eine kleine Geldspende ausgegeben wurde. Damit sicherte man die Bereitstellung von Strom für Vietnam finanziell ab und finanzierte den Aufbau des kleinen Landes über Spenden der DDR-Bevölkerung. Das Lesezeichen wurde ab 1967 an die Spender vergeben.

Nachdem die Kaffeekrise die DDR ab 1977 einholte, suchten die verantwortlichen Genossen händeringend nach kostengünstigen Alternativen zur Beschaffung der wertvollen braunen Bohne. Aufgrund des subtropischen Klimas und der Höhenbeschaffenheit des kleinen asiatischen Landes, wurde Vietnam ausgewählt um die Versorgungsprobleme mit Kaffee in der DDR zu lösen. Ziel der DDR war es den Kaffee in Eigenregie in Vietnam anzubauen, um unabhängig von Weltmarktpreisen ein festes Kontingent an Kaffee für die eigene Bevölkerung bereitstellen zu können. Die notwendige Logistik wie Maschinen, Unterkünfte oder Straßen mussten ab den 1980er Jahren, unter Aufsicht von Experten aus der DDR, vor Ort aufgebaut werden. Wie auch in den afrikanischen Ländern mussten vietnamesische Arbeitskräfte zuvor langwierig ausgebildet werden. Dies geschah ab den 1970er Jahren zunächst in der DDR, nach Fertigstellung der ersten Ausbildungsstätten in Vietnam verlagerte sich die Ausbildung der Fachkräfte nach Asien. Das Projekt machte in den folgenden Jahren solide Fortschritte und stand am Ende der 1980er Jahre kurz davor Früchte zu tragen. Doch die weltpolitischen Ereignisse machten der DDR einen Strich durch die Rechnung. Die erste Kaffee-Ernte in Vietnam erfolgte 1991, zu diesem Zeitpunkt existierte die DDR schon über ein Jahr nicht mehr. Das DDR-Engagement und das Experiment mit der braunen Bohne haben sich für das kleine asiatische Land als nachhaltig erwiesen. Heutzutage gilt Vietnam als zweitgrößter Kaffeeexporteur der Welt.

Auch anderweitig wurde mit dem kleinen Vietnam kooperiert. Unzählige Vertragsarbeiter wurden zur Unterstützung der DDR-Wirtschaft rekrutiert und prägten besonders in den 1980er Jahren das Bild in vielen Betrieben und im öffentlichen Raum großer Städte. In geringen Mengen wurden auch Konsumgüter aus Vietnam importiert. In unserer Sammlung befindet sich eine Dose aus eingefärbtem und verflochtenem Seegras, welche in den 1980er Jahren in der DDR verkauft wurde. Hergestellt wurde das Behältnis durch die Firma „Hang Coi Seagrass Products Vietnam“, den Transport in die DDR übernahm die Firma „Artexport“. Auch andere, meistens kleine Produkte aus Vietnam waren in der DDR geläufig. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die kleinen rundlichen Dosen mit Pfefferminzbalsam aus vietnamesischer Produktion? Diese wurden damals oft auf lokalen Märkten verkauft.

Natürlich wurden in Asien nicht nur Vietnam sondern auch andere Länder wie Laos, Kambodscha oder Nordkorea unterstützt. Allerdings in weit geringerem Umfang und teilweise erst ab Mitte der 1980er Jahre, daher beschränkt sich der Erfolg des DDR-Engagements in Asien eher auf Vietnam. 

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