Orte der DDR

Staatsoper Unter den Linden

Die im Jahr 1742 errichtete Staatsoper Unter den Linden erfreut sich heute großer Beliebtheit und ist eines der führenden Opernensembles weltweit. Doch was genau macht die Oper so besonders und welche Rolle spielte sie in der DDR. von Maximilian Schönbeck (01.09.2020)
Außenansicht Gebäude Staatsoper Unter den Linden in Berlin

Staatsoper Unter den Linden – ©Marcus Ebener

Ist die Staatsoper Unter den Linden die beste Oper der Welt? Diese Frage würden viele Opernfans aus Berlin mit  »ja« beantworten. Berlin bietet neben der Staatsoper noch weitere staatlich finanzierte Opernhäuser, wie z.B. die Deutsche Oper und die Komische Oper. Die Deutsche Oper war in West-Berlin (BRD), die Komische Oper und die Staatsoper gehörten zu Ost-Berlin (DDR). Durch die Teilung besitzt Berlin somit mehr Musiktheater als beispielsweise Madrid, Rom und London. Die Staatsoper Unter den Linden wurde bereits 1742 eröffnet und ist somit älter als das Brandenburger Tor.

Die Geschichte der Staatsoper Unter den Linden ab 1945

Nachdem das Haus 1945 fast völlig zerstört war, wurde es zwischen 1951 bis 1955 unter dem Architekten Richard Paulick wieder aufgebaut. Am 4. September 1955 fand die feierliche Wiedereröffnung statt. Der damalige Kulturminister der DDR, Johannes R. Becher, sagte: »Berlin – die Hauptstadt unseres Vaterlandes – hat wieder seine Staatsoper. […] Wir sind überzeugt, dass das Haus, das wir in dieser Stunde der Öffentlichkeit übergeben, ein gesamtdeutsches Anliegen ist.« (Quelle) Doch noch vor der Eröffnung kam es zu einem kulturpolitischen Konflikt: Die goldene Inschrift am Eingang »König Friedrich, Apoll und den Musen« wurde durch »Deutsche Staatsoper« ersetzt. Daraufhin schrieb der ehemalige Dirigent der Staatsoper Erich Kleiber, der aufgrund der Nationalsozialist*innen 1934 nach Süd-Amerika floh, dem Intendanten: »Für mich ist dieser Vorfall ein trauriges, aber sicheres Symptom, dass, wie im Jahr 1934, Politik und Propaganda vor der Tür dieses ‚Tempels‘ nicht haltmachen werden.« (Quelle) Nachdem er aufgrund der Nationalsozialist*innen im gleichen Jahr Deutschland verließ, entschied er sich 1955 dagegen, als Dirigent zurückzukehren.

Der Mauerbau 1961 und damit die Trennung von West- und Ostberlin stellte die Staatsoper vor personelle Probleme. Um diese zu beheben, wurden Musiker*innen aus anderen deutschen Orchestern, Absolvent*innen von Musik- und Ballettschulen sowie Solist*innen aus Osteuropa eingestellt. Es gelang, den international guten Ruf weiterhin zu halten und ein breit gefächertes Repertoire an klassischen und romantischen Werken sowie Opern- und Ballettaufführungen anzubieten. Der Preis für Eintrittskarten lag bei maximal 12 DDR-Mark, was im Vergleich zu anderen kulturellen Angeboten, wie z.B. Kinokarten für 5 DDR-Mark, relativ teuer war.

 

Saalansicht Staatsoper Unter den Linden Berlin

Saalansicht Staatsoper Unter den Linden – ©Marcus Ebener

Die Staatsoper unter zwei Diktaturen

Die Staatsoper wurde ein halbes Jahrhundert von Diktaturen geprägt. Im dritten Reich wurden jüdische Musiker*innen und Sänger*innen von der Arbeit am Haus gedrängt. In der DDR wurden sie überwacht und ausgeschlossen, wenn sie sich nicht an die politischen Strukturen anpassten. So war auch die Staatsoper nicht frei vom Einfluss des Ministeriums für Staatssicherheit.

War ein*e Künstler*in nicht auf Parteilinie, wurde diese*r eventuell ausgeschlossen oder auf »Parteikurs« gebracht. Ein besonderes Augenmerk wurde auf Tänzer*innen, die im Ausland auftraten, geachtet, da dort ein hohes Risiko auf »Republikflucht« bestand. Es entstand ein enges Netz von Informant*innen. Diese reichten von Besucher*innen bis hoch zur Intendanz. Diese Strukturen wurden bereits wissenschaftlich erforscht. So wertete beispielsweise der Historiker Ralf Stabel alte Stasiunterlagen aus und fasste sie im Buch: »IM ,Tänzer‘ – Der Tanz und die Staatssicherheit« zusammen.

Die Entwicklung der Staatsoper Unter den Linden heute

Heute, 30 Jahre nach dem Ende der DDR, bietet das Opernhaus ein vielfältiges Programm für Jung und Alt an. Es reicht von Orchesterstücken, über Ballett- und Tanzaufführungen, bis hin zu Chorauftritten. Neben zahlreichen Programmen für Erwachsene wird auch die »Junge Staatsoper« angeboten, bei dem Jugendliche ihr eigenes Programm auf der Bühne präsentieren. Für die ganz Kleinen gibt es hingegen regelmäßig zur Weihnachtszeit zahlreiche Kinderkonzerte.

Seit 2000 ist der Dirigent Daniel Barenboim Generalmusikdirektor auf Lebenszeit und somit künstlerischer Leiter des Orchesters. Als solcher verantwortet er das Repertoire.

Dies beinhaltet klassische und romantische Werke sowie moderne Stücke. Spätestens seit den Sanierungsarbeiten (2010 bis 2017) wird die historische Architektur mit modernster Bühnentechnik kombiniert.

Wer lieber klassische Musik ohne Gesang mag, kann als Alternative die Staatskapelle besuchen. Diese residiert seit 1742 in der Staatsoper.  Die Staatskapelle gehört zu den führenden Orchestern der Welt und hat Gastauftritte in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika. Zu den Aufführungen gehören unter anderem Sinfonien von Schumann oder Beethoven.

 

Apollosaal Staatsoper Unter den Linden Berlin

Apollosaal Staatsoper Unter den Linden – ©Marcus Ebener

Aufgrund der zentralen Lage im Zentrum von Berlin lässt sich ein Besuch der Oper gut mit anderen Aktivitäten verknüpfen.  Man kann beispielsweise die Berliner Luft im Lustgarten genießen, ein Kaffee im »Café Einstein« trinken oder der Museumsinsel einen Besuch abstatten.

Im Jahr 2018 kamen 235.000 Besucher*innen in die Oper zu rund 300 Veranstaltungen. Nach einer mehrmonatigen COVID-19-Zwangspause ist die Staatsoper Unter den Linden zurück mit dem aktuellen Spielplan.

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