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10 Kinderspiele, mit denen in der DDR gespielt wurde

In der DDR wurde viel und gern gespielt, Brett-, Karten oder Gesellschaftsspiele hatten oft, neben dem spielerischen Unterhaltungswert, einen pädagogischen Charakter. Diese Auflistung umfasst zehn Spiele, die in der DDR weit verbreitet waren und heute teilweise wieder im Handel erhältlich sind. von Jörn Kleinhardt (06.05.2020)

1. Der bunte Würfel

Das Brettspiel »Der bunte Würfel« ist eines der DDR-Kinderspiele, die auch heute wieder als Neuauflage hergestellt und vertrieben werden. Das Brettspiel richtet sich an die ganz Kleinen ab einem Alter von 4 Jahren und kann mit 2 bis 4 Personen gespielt werden. Hergestellt wurde das Spiel im Spielewerk Karl-Marx-Stadt. Der Holzwürfel ist mit verschiedenen Bildern versehen, sodass das Spiel sich vor allem für Kinder eignet die noch nicht zählen können. Der Würfel aus DDR-Zeiten war mit sechs Bildern versehen; einem Pilz, einem Ball, einer Blume, einer Schnecke, einem Stern und einem Schmetterling. Die neue Auflage des Spiels kommt mit vier Bildern aus; einem Haus, einer Blume, einem Ball und einem Baum. Ziel ist es, ähnlich wie beim Spiel »Mensch ärger dich nicht«, alle vier Spielfiguren einer Farbe in das Haus zu bekommen.

DDR-Kinderspiel Der bunte Würfel

2. Würfellotto

Nach einem ähnlichen Prinzip wie »Der bunte Würfel« funktioniert das Spiel »Würfellotto“« Dieses Spiel wurde vom VEB Verpackungsmittelkombinat Ehrenfriedersdorf, einem Kombinatsbetrieb des Spielwerk Karl-Marx-Stadt (SPIKA) hergestellt. Auch hier wird ein Würfel mit Bildern benutzt, zusätzlich gibt es noch zahlreiche, reich bebilderte Motivkarten. Pädagogisches Ziel des Spiels ist es, Zusammenhänge verschiedener Objekte zu erkennen und zu verstehen. Das Spiel wurde ab den 1960er-Jahren produziert und richtete sich vornehmlich an Vorschulkinder.

DDR-Kinderspiel Würfellotto

3. Sandmann, lieber Sandmann

Die durch Funk und Fernsehen bekannten Figuren aus dem Märchenwald, rund um den Sandmann, bekamen natürlich auch in der DDR ein eigenes Spiel. Hergestellt im Jahr 1972 im VEB Verpackungsmittelkombinat Ehrenfriedersdorf, einem Kombinatsbetrieb des Spielwerk Karl-Marx-Stadt (SPIKA), verfügt das Spiel über 6 Figuren sowie einen normalen Würfel. Ziel ist es, die Spielfigur über die Ziellinie zu bringen, wobei es immer wieder »Hindernisse« auf dem Spielbrett gibt. Der kurzweilige Spaß rund um das Sandmännchen richtet sich an Kinder ab 6 Jahren. Dieses Brettspiel wird aufgrund seiner Popularität auch heute wieder produziert.

DDR-Kinderspiel Sandmann lieber Sandmann

4. Electric Quiz »Prüfe dich selbst«

Im VEB PIKO Elektrik Meiningen wurde ab den frühen 1970er-Jahren das Electric Quiz »Prüfe dich selbst« produziert. Das Spiel verfügt über zwei Kontaktstecker und gelochte Quizbögen. Ziel ist es durch Kontakt auf Frage und die richtige Antwort eine kleine, batteriebetriebene Glühbirne zum Leuchten zu bringen. Die thematische Vielfalt der Quizbögen war sehr groß, neben naturkundlichen Fragen, wurden auch politische oder geschichtliche Ereignisse abgefragt. Es war sogar möglich, neue Quizbögen zum Spiel dazuzukaufen, um das Ratespiel über Jahre aktuell zu halten und verschiedene Alters- und Zielgruppen anzusprechen. Durch die individuellen Anpassungsmöglichkeiten und den hohen Lernfaktor, war das Spiel sehr beliebt und wurde bis 1990 in Meiningen produziert.

DDR-Kinderspiel Electric Quiz

5. Vero Contruc Baukästen

Ab 1972 kamen verschiedene Baukästen aus dem VEB VERO Olbernhau unter dem Namen »Construc« in den Handel. Diese Baukästen bestanden aus verschiedenen elektromechanischen Bauteilen und einfachen Baueelementen und richteten sich an kleine Tüftler und Tüftlerinnen ab 5 Jahren. Mit ihnen war es möglich beispielsweise kleine funktionsfähige Ampeln, Kräne, Windmühlen oder Bagger zu bauen. Beispielhaft herausgesucht haben wir hier den »Construc 500«-Bausatz mit welchem man eine funktionsfähige Ampelanlage aufbauen kann. Der technische Baukasten für Kinder ab 7 Jahren wurde für 16,50 Mark im Handel angeboten und ergänzt die bereits bestehenden Kästen der Serie sinnvoll. Die »Construc«-Serie vermittelte spielerisch allgemein-technisches Grundwissen und wurde bis in die Wendezeit produziert.

DDR-Kinderspiel Vero Construc 500

6. Schwedisches Steckhalma

Das 1883 vom amerikanischen Chirurgen George Howard Monks erfundene Brettspielklassiker »Halma« erfreute sich auch in der DDR großer Beliebtheit und wurde in verschiedenen Versionen als klassisches Halma-Brettspiel oder als Steckhalma vertrieben. Ab Anfang der 1960er-Jahre gab es zusätzlich eine kleine »Reiseversion« welche man als »Schwedisches Steckhalma« oder »Solo-Halma« in den Handel brachte. Im Gegensatz zum klassischen Spiel, kann dieses Halma auch alleine gespielt werden. Unser Exemplar stammt aus dem Jahr 1965 und wurde im VEB Papier- und Pappenverarbeitung Olbernhau (ab 1972 VEB VERO Olbernhau) hergestellt. Der Verkaufspreis betrug angesichts der Größe niedrige 1,50 Mark. Das kleine Steckhalma wurde über mehrere Jahrzehnte bis 1990 in Olbernhau produziert und erfreute Generationen von begeisterten Halmaspielern und -spielerinnen.

DDR-Kinderspiel Schwedisches Steckhalma

7. Das Flohspiel im Kunststoffpilz

Als Teil der Konsumgüterproduktion wurde ab den späten 1970er-Jahren »Das Flohspiel im Kunststoffpilz« vom VEB Elektro-Haushaltgeräte Dresden hergestellt. Das kleine Spiel aus Plastik sollte die motorischen Fähigkeiten fördern, denn das Ziel war es, geschickt die kleinen Kunststoffplättchen in die Öffnung des Pilzes zu schnippen. Gewonnen hat, wer zuerst alle seine Plättchen im Pilz versenkt hat. Simpel aber kurzweilig! Das einfache Geschicklichkeitsspiel richtete sich an Spielkinder jeder Altersklasse und wurde für faire 1,20 Mark verkauft.

DDR-Kinderspiel Flohspiel

8. Logic Trainer

Als direkte Kopie des 1970 erfundenen Logikspiels »Mastermind«, wurde ab Mitte der 1970er-Jahre das Spiel »Logic Trainer« im VEB Plasticart Zschopau produziert. Ziel des Spiels für 2 Spieler ist es schnellstmöglich eine Farbkombination zu erraten. Die dafür benutzten bunten Plastikstifte werden dafür einfach auf das Spielbrett gesteckt, insgesamt hat man sieben Versuche, die korrekte Kombination zu erraten. Das Logikspiel richtet sich an Kinder ab 8 Jahre, eine Runde dauert ca. 20 Minuten. »Mastermind« wird bis zum heutigen Tag produziert und erfreut sich weltweiter Beliebtheit. Die Produktion in der DDR endete allerdings im Jahr 1990.

DDR-Kinderspiel Logic Trainer

9. Quartettspiel »Völker ferner Länder«

Die Spielkartenherstellung in Altenburg blickt mittlerweile auf eine fast 200 Jahre alte Tradition zurück, erstmals wurden dort bereits im Jahr 1832 Spielkarten industriell hergestellt. Zu DDR-Zeiten war der VEB Altenburger Spielkartenfabrik für die Produktion zuständig. Neben klassischen Kartenspielen wie beispielsweise Skat wurden dort auch zahlreiche Quartettspiele produziert. Beispielhaft haben wir das Quartett »Völker ferner Länder« aus dem Jahr 1963 ausgewählt, welches spielerisch geografische und ethnologische Grundkenntnisse vermittelt. Verlegt wurde das Spiel vom Lederbogen Verlag im damaligen Karl-Marx-Stadt. Die zahlreichen Illustrationen zeichnete der Leipziger Künstler Rudolf Engel-Hardt.

Auch heutzutage werden in Altenburg noch Kartenspiele produziert, pro Jahr verlassen annähernd 40 Millionen Decks das Werk, was die heutige Firma »Spielkartenfabrik Altenburg GmbH« zum Marktführer in Deutschland macht.

DDR-Quartett Kartenspiel Völker ferner Länder

10. Der kleine Grossblock-Baumeister

Der Baukasten mit dem klangvollen Namen »Der kleine Grossblock-Baumeister« wurde bereits ab Anfang der 1960er-Jahre produziert und im Design über die Jahre bis 1990 angepasst und weiterhin hergestellt. Unser Exemplar stammt aus dem VEB Kombinat Chemisch-technische Erzeugnisse Gotha, Betriebsteil Waltershausen und wurde dort 1988 produziert. Der mehrsprachige Aufdruck gibt Auskunft darüber, dass diese Baukästen auch für den Export infrage kamen. Auf dem heimischen Markt wurde der Baukasten Typ 2 für 9,15 Mark verkauft. Der Name des Spielzeugs ist Programm, hiermit konnte man verschiedene Bauten in Plattenbauweise nachbauen und eigene Kreationen schaffen. Zur Verfügung standen dafür insgesamt sechs verschiedene aber untereinander kompatible Bausätze.

Der kleine Grossblock Baumeister DDR-Kinderspiel

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