Kaffee Mix und die Kaffeekrise

Eines der aufsehenerregendsten Produkte der DDR war der Kaffee Mix. In diesem Blogbeitrag schauen wir die Geschichte der Kaffeeersatzprodukte genauer an. von Jörn Kleinhardt (03.08.2017)

Tradition aus Magdeburg

Kaffee war von Anfang an Mangelware in der DDR. Der Bedarf an Kaffee wurde zunächst teilweise durch die Sowjetunion gedeckt, aber ab 1954 fiel diese Versorgungsquelle weg. Nun musste die DDR Kaffee selbst herstellen. In einer Produktionsanlage in Magdeburg wurden ab 1957 Kaffeebohnen geröstet und neue Methoden für die Herstellung von Kaffee entwickelt. Diese Anlage wurde bereits 1908 eingerichtet und von der Firma „Kathreiner’s Malzkaffeefabriken“ betrieben. Nach dem Krieg wurden die Besitzer enteignet und die Farbik 1947 vom Verband der Konsumgenossenschaften übernommen. Der dort hergestellte Kaffee wurde zusammen mit anderen bekannten Kaffeesorten der DDR, wie zum Beispiel „Mona“ und „Rondo“, unter der Dachmarke „Röstfein“ vertrieben. Kaffee blieb allerdings eine Mangelware und dementsprechend teuer. Diese Packung „Mona“ Bohnenkaffee von 1989 aus unsere Sammlung kostete zehn Mark für nur 125 Gramm. Diese hohen Preise hielten jedoch DDR-Bürger kaum vom Kaffeekonsum ab. In den 1970er wurden 3,3 Milliarden Mark pro Jahr von den Bürgern für ihr geliebtes Heißgetränk ausgegeben.

"Erichs Krönung"

In den 1970er verschlechterte sich die Versorgungslage bei Kaffee. Eine Kaffeekrise, ausgelöst durch eine Fehlernte in Brasilien, führte zu enormen Preissteigerungen auf dem Weltmarkt. Durch die steigenden Ölpreise, die nun auch die DDR zu spüren bekam, mussten die Kosten für den Import von Konsumgütern reduziert werden. Die scheinbare Lösung des Problems kam in einer silberfarbenen Packung daher: Der „Kaffee Mix“ wurde eingeführt. „Kaffee Mix“, der im Volksmund bald „Erichs Krönung“ hieß, enthielt nur 51 % Kaffeepulver. 49 % bestanden aus einer Mischung verschiedener Surrogate. Die Mischung verstopfte nicht nur viele Kaffeemaschinen, sondern traf auch nicht den Geschmack der DDR-Bürger. Die DDR-Regierung hatte nicht mit einem derartigen Proteststurm gerechnet, doch die Bürger setzten sich durch. So schnell wie er eingeführt wurde, verschwand Erichs Krönung wieder aus den Regalen.

Neue Versorgungsquelle

Ab 1978 verbesserte sich die Versorgungslage und die Preise sanken wieder. Allerdings gab es nach wie vor Probleme für die DDR, da die notwendigen Devisen für den Kauf der Kaffeebohnen knapp waren. Die Regierung wollte eine nachhaltige Lösung, also wurden in den 1980er Plantagenanlagen in der Volksrepublik Vietnam aufgebaut. Die Ironie der Geschichte war, dass der erste Kaffee aus Vietnam erst 1991 geerntet wurde und die DDR nicht mehr davon profitieren konnte. Für Vietnam hat sich das DDR-Engagement ausgezahlt, der Staat ist mittlerweile der zweitgrößte Kaffeeexporteur der Welt.

 

Text von Rebecca Hall

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