Geschichte der Kosmetika und Körperpflegemittel der DDR

Von Florena zu Nivea

Selbst in einem so einfachen Ding, wie einer Hautcreme, kann sich eine bedeutende Geschichte verbergen. In diesem Blogbeitrag schauen wir uns Produkte der Dachmarke „Florena“ genauer an. von Jörn Kleinhardt (27.07.2017)

Waldheim, 1862

„Florena“-Produkte waren zu DDR-Zeiten so beliebt, dass der eigentliche Markenname als Oberbegriff für die Kosmetik und Körperpflegemittel des „VEB Rosodont Werks Waldheim“ diente. Bereits im Jahr 1862 gegründet und mit Sitz im sächsischen Waldheim, existierte der Betrieb damals als „Waldheimer Parfümerie und Toilettenseifenfabrik“ und stellte eine breite Auswahl von Produkten zur Verfügung. Im Jahr 1920 erfolgte die patentamtliche Anmeldung des Namens „Florena“. In der Nachkriegszeit wurde die Firma enteignet und in volkseigenen Besitz umgewandelt.

Ein süßer Begleiter

1957 erschien die einzige Kinderzahnpasta der DDR, „Putzi“. Das Produkt wurde ebenfalls unter der Dachmarke „Florena“ vertrieben, allerdings im „VEB Elbe Chemie“ in Dresden produziert. „Putzi“ war aufgrund des süßen Geschmacks bei vielen Kindern sehr beliebt. Zunächst in vielen Geschmackrichtungen erhältlich, wurde die Zahnpasta ab den 1960ern nur noch in der fruchtigen Geschmacksrichtung hergestellt. Grund dafür war, dass die süßen Sorten oftmals gegessen wurden, anstatt sich damit die Zähne zu putzen. Die beliebte Zahncreme überdauerte die Wiedervereinigung und existiert bis heute.

Action für die Jugend

„Action“, eine weitere Produktlinie der Marke, war vor allem bei vielen Jugendlichen beliebt. Das 1985 erschienene Sortiment umfasste diverse Kosmetika, darunter Lippenstift oder Shampoo. Die leuchtend rosafarbene Verpackung war ein Eyecatcher im typischen Design dieser Zeit. Mit dem modernen Produktdesign wurde den Jugendlichen ein zeitgemäßes Produkt und eine Alternative zu den Westprodukten angeboten.

Kosmetischer Konkurrenzkampf

Bereits ab den 1950ern wurde hier das bekanntestes Produkt produziert: die „Florena“-Hautcreme. Sie stand in direkter Konkurrenz zu der im Westen beliebten „Nivea“-Hautcreme. Optisch wurde selbst die markante blau-weiße Blechdose in Anlehnung an die „Nivea“ gestaltet. Ab dem Jahr 1989 kam es zur kuriosen „Vereinigung“ der beiden Konkurrenzprodukte, da „Nivea“ aufgrund der kostengünstigen Produktionsmöglichkeiten nun ebenfalls in Waldheim hergestellt wurde. Das Werk wurde somit Teil der Gestattungsproduktion.

Die Tradition der Kosmetikherstellung in Waldheim besteht bis heute fort. „Florena“ wird weiterhin in Waldheim hergestellt, obwohl sie nun eine Tochterfirma der ehemaligen Konkurrenz aus dem Westen „Beiersdorf“ ist.

Text von Rebecca Hall

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