Was bleibt von der DDR?

Part XVIII: Die Schwalbe

Heute ist das Moped „Schwalbe“ Kult. Hier soll es um ihre Geschichte und ihr Überleben gehen. von Elke Sieber (07.06.2017)

Heute ist das Moped „Schwalbe“ Kult. Nostalgiker und Hipster hegen und pflegen ihr Überbleibsel aus DDR-Zeiten. Laut Schätzungen waren 2015 ganze 150.000 Schwalben im deutschen Straßenverkehr zugelassen. Nur wenige haben dem Zahn der Zeit unverändert standgehalten, viele sind heute nachlackiert, mit Ersatzteilen versehen oder frisiert. An die Ersatzteile zu gelangen ist kaum ein Problem. Viele verkaufen die in der DDR gebunkerten Ersatzteile heute zu angemessenen Preisen, da noch eine Vielzahl davon auf Dachböden und in Kellern zu finden ist.

Die Schwalbe wurde seit 1964 im Simson-Werk in Suhl hergestellt. Insgesamt gab es drei Baureihen. Die erste Baureihe hieß KR 51 (KR stand für Kleinroller) und folgte auf den Kleinroller KR 50, der noch nicht als Zweisitzer konzipiert war. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h erschien 1964 der KR 51, der bis 1968 produziert wurde. Die Konstrukteure mussten für das Design herbe Kritik einstecken: die Presse erklärte deutlich, dass die Formgestaltung des Gefährts keineswegs als schön zu bezeichnen wäre. Doch jenen machte schnell der Motor die größeren Sorgen. Er war auf die 60 km/h-Beschränkung noch nicht optimal ausgelegt. So neigte die Schwalbe zum Überdrehen und war in niedrigen Geschwindigkeiten sehr schwerfällig.

Die zweite Baureihe KR 51/1 sollte dies ab 1968 beheben. Tatsächlich verbesserte sich die Leistung geringfügig und vor allem lief sie durch einige Korrekturen wesentlich leiser. In dieser Baureihe wurden verschiedene Sondermodelle gefertigt, die beispielsweise mehr Komfort oder eine halbautomatische Fliehkraftkupplung boten. Diese wurden bis 1980 hergestellt. Erst dann wurde die zweite Baureihe durch die dritte KR 51/2 abgelöst, die bis zum 31. März 1986 produziert wurde. Danach wurde die Herstellung des ersten Mopeds der „Vogelserie“ eingestellt. Die wesentliche Unterscheidung zum Vorgänger war der neu konstruierte, fahrtwindgekühlte 3,7-PS-Motor M541. Er reduzierte die Vibrationen beim Fahren, war sparsamer und mit drei oder vier Gängen lieferbar. Auch in dieser Baureihe gab es drei Sondermodelle.

Heute genügt übrigens die Führerscheinklasse AM, um die Schwalbe zu fahren, obwohl sie eine Höchstgeschwindigkeit von über 45 km/h besitzt. Dies ist dank der Bestimmung des Einigungsvertrages möglich, die erlaubt, dass Ein- und Mehrspurfahrzeuge der ehemaligen DDR mit maximal 50 cm³ Hubraum trotz einer (in der DDR zulässig gewesenen) Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h mit dieser Führerscheinklasse gefahren und als Kleinkraftrad versichert werden dürfen. Dank dieser Einstufung muss die Schwalbe weder regelmäßig zur Hauptuntersuchung noch ist in der Bundesrepublik eine Kraftfahrzeugsteuer für das Kleinkraftrad zu entrichten.

 

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