Was bleibt

Part XIV: Natur im Grenzgebiet

Mag der Bau der Mauer und des Eisernen Vorhangs auch für viele Menschen eine Einschränkung ihres Bewegungsradius bedeutet haben, war die Grenzanlage, die sich allein innerhalb Deutschlands auf knapp 1400 Kilometer erstreckte, ein Glücksfall für viele Pflanzen- und Tierarten.
von Elke Sieber (22.12.2016)

Das Grüne Band

Mag der Bau der Mauer und des Eisernen Vorhangs auch für viele Menschen eine Einschränkung ihres Bewegungsradius bedeutet haben, war die Grenzanlage, die sich allein innerhalb Deutschlands auf knapp 1400 Kilometer erstreckte, ein Glücksfall für viele Pflanzen- und Tierarten. Zwischen 50 und 200 Meter breit ist das Grüne Band, das von der Ostsee bis ins sächsisch-bayerische Vogtland bei Hof reicht und das in den vielen Jahren der Unberührtheit von Flora und Fauna zurückerobert wurde. Die durchgehende Grenzanlage, die zwischen Kolonnenweg und deutsch-deutscher Staatsgrenze einen breiten Grünstreifen ausmachte, stellt heute 146 verschiedene Biotoptypen.

64 % der insgesamt 177 qm Fläche bestehen aus gefährdeten Biotoptypen nach der Roten Liste Deutschlands. 29 % der Fläche sind Naturschutzgebiete. 87 % der Fläche und circa 80 % der Länge sind noch naturnah, die restlichen 13 % sind durch Acker, Intensivgrünland/ -weide, den Bau von Straßen und Gewerbegebieten zerstört. Die etwa 450 Straßen sind Einschnitte in ein einzigartiges Naturerbe, die meist unüberwindbar für die vielfältigen Tierarten sind. Durch diese und weitere, wenn auch prozentual kleinen Lücken, werden Populationen von Pflanzen und Tieren räumlich und damit genetisch isoliert. Das macht sie anfällig für Krankheiten und kann sogar zu ihrem Aussterben führen. Dieses Problem ist nicht zu unterschätzen, befinden sich doch 1200 Tier- und Pflanzenarten unter den Siedlern, die laut der Roten Liste bereits als verschollen oder ausgestorben galten. Der BUND möchte den Lebensraumverbund deshalb möglichst lückenlos wieder schließen und den Naturreichtum bewahren. Knapp die Hälfte des Grünen Bandes befindet sich bereits in den Händen der Länder mit der Zweckbindung Naturschutz, ein Drittel aber ist noch in privatem Besitz und das Grüne Band steht auch nur in Sachsen gänzlich unter Naturschutz. Insgesamt betrachtet stehen nur 29 % des Grünen Bandes unter Naturschutz.

Bereits im Dezember 1989 trafen sich auf Initiative des BUND Naturschutz Naturschützer aus beiden Teilen Deutschlands in Hof, entwickelten die Idee des Grünen Bandes und gaben dem Projekt den Namen. Heute als nationales Naturerbe anerkannt, zeigte sich schon damals die große Bedeutung dieses Grenzgebietes. Bis heute führt die Bundesregierung diese Naturlandschaft als Leuchtturmprojekt für Artenvielfalt.

Darüber hinaus entwickelte sich von hier aus die Initiative Grünes Band Europa. Im Jahr 2013 wurde von fast allen Anrainerstaaten eine „Gemeinsame Absichtserklärung“ unterzeichnet, das europäische Grüne Band zu erhalten und zu entwickeln. Schirmherr dieser Bemühungen ist der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow. Dabei helfen auch Projekte entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs wie die Erlebnisstraße der deutschen Einheit, der internationale Fernradweg Eiserner Vorhang und ein Wanderweg entlang der Strecke. Ziel des BUND bleibt es außerdem, das Grüne Band Europa als UNESCO Weltnatur- und kulturerbe zu sichern – ein Gebiet von 12.500 Kilometer Länge.

Verschiedene historisch interessante Orte befinden sich entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. In Thüringen kann man das Grenzlandmuseum Eichsfeld besuchen, das neben einer Ausstellung noch den Wachturm und einen erhaltenen und teilweise rekonstruierten Abschnitt Grenzstreifen unterhält. Im Werratal befindet sich das Grenzmuseum Schifflersgrund. Am Dreiländereck Bayern/Hessen/Thüringen sind noch ein 117 Meter hoher Beobachtungsturm und Teile der alten Sperranlagen erhalten und am Ellenbogen, dem Eckpfeiler der Langen Rhön, befindet sich eine sowjetische Abhöranlage, die noch bis 1990 von der Stasi betrieben wurde. Darüber hinaus sind in der Rhön das Grenzmuseum Eußenhausen und das Dokumentationszentrum Kalter Krieg angesiedelt.

In der Ebene des Grabfelds ist das deutsch-deutsche Freilandmuseum vertreten sowie verschiedene Mahn- und Gedenkstätten entlang der ehemaligen Grenze. Der Informationsweg „Der Grenzgänger“ bietet außerdem eine Möglichkeit sich mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen und vergessene Reste des Originalgrenzzaunes und weitere Relikte der DDR-Grenze aber auch selten Pflanzen und Vögel zu entdecken.

Im Hofer Land ist insbesondere das Dorf Mödlareuth sehenswert. Ein Teil liegt heute in Bayern, der andere in Thüringen, mitten durch führte damals die Staatsgrenze der DDR. Eine 700 Meter lange Mauer und mehrfach gestaffelte Grenzbefestigungsanlagen machten das Dorf zu einer Miniaturausgabe Berlins. Auch hier finden sich noch Originalrelikte und ein Grenzmuseum.

Für alle, die nun Lust bekommen haben, das Grüne Band zu bereisen noch ein Hinweis: Der Todesstreifen war auf rund 800 Kilometer vermint, wurde aber offiziell geräumt. Zwar gibt es an Teilstücken ein Restrisiko, wer jedoch auf den Wegen bleibt und die Warnschilder beachtet ist auf der sicheren Seite.

 

Quellen:

http://www.erlebnisgruenesband.de (abgerufen am 22.12.2016).

http://radreise-wiki.de/Grünes_Band_Deutschland (abgerufen am 22.12.2016).

https://www.bund.net/themen/natur-landwirtschaft/gruenes-band/ (abgerufen am 22.12.2016).

Bild: Lubikl (Eigenes Werk) via Wikimedia Commons.

 


 

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