Musikgeschichte

Stromgitarren in der DDR - Meisterstücke mit 6 Saiten

Neben der seriellen Herstellung im "VEB Musikinstrumentenbau Markneukirchen" (MUSIMA) gab es im Handwerksbereich auch exzellente Gitarrenbaumeister wie Otto Windisch und Heinz Seifert, die in kleinen Stückzahlen exzellente elektrisch verstärkte Jazzgitarren fertigten.
von Sören Marotz (28.04.2015)

Neben der seriellen Herstellung im "VEB Musikinstrumentenbau Markneukirchen" (MUSIMA) gab es im Handwerksbereich auch exzellente Gitarrenbaumeister wie Otto Windisch und Heinz Seifert, die in kleinen Stückzahlen exzellente elektrisch verstärkte Jazzgitarren fertigten.

Sie arbeiteten meist auf Bestellung und wurden in Produktionsgenossenschaften des Handwerks, wie der PGH MARMA (MARkneukirchen-MAinz) zusammengefasst, waren also nicht dem VEB MUSIMA zugeordnet. Über die Musikinstrumenten-Handwerker-Genossenschaft MIGMA e.G., die seit 1943 besteht, wurde der gemeinsame Einkauf und Vertrieb abgewickelt, während der Export über die DEMUSA GmbH (Deutsche Musikinstrumenten- und Spielwaren Außenhandelsgesellschaft mbH) vorgenommen wurde. Der chronische Devisenmangel der DDR und die Handelsverpflichtungen mit der Sowjetunion führten dazu, dass kaum gute Musikinstrumente im Land blieben.

Obwohl sie nicht eigenständig auf Messen in Erscheinung treten konnten, waren die Werkstätten von Otto Windisch (OTWIN), Oswald-Bachmann-Markneukirchen (OSBAMA) und Heinz Seifert gefragte Adressen für handgemachte Jazz-Gitarren mit Tonabnehmern. Vor allem Heinz Seifert (gest. 2002) aus Erlbach im Vogtland baute individuelle Instrumente auf Bestellung und entwickelte sich zu einer Anlaufstelle für DDR-Musiker, die sich auch „Westgitarren“ von ihm nachbauen ließen. Dass diese Tradition nach der Wiedervereinigung abriss, lag nicht nur an den veränderten Marktbedingungen, sondern auch daran, dass viele Handwerksmeister bereits gestorben waren oder ihr Glück in den alten Bundesländern suchten.

Aus den privaten Kleinbetrieben mit 15-20 Mitarbeitern wurden in den siebziger Jahren volkseigene Betriebe. Nur Familienbetriebe (Vater & Sohn) konnten sich als privates Handwerk halten, da neue Gewerbescheine nicht mehr vergeben wurden. Die Kinder der Gitarrenbaumeister durften auch nicht bei Ihren Vätern in die Lehre gehen und mussten somit bei der MUSIMA als volkseigenem Betrieb lernen. Hier waren aber die Lehrinhalte auf eine industrielle Fließbandfertigung ausgerichtet, so dass der Lehrling nur in einem Bereich der Produktion lernte. Nachdem die Fachschule für Instrumentenbau in Markneukirchen in den sechziger Jahren geschlossen wurde, übernahmen die volkseigenen Betriebe diese Ausbildung selbst. 1988, im Endstadium der DDR, wurde in Markneukirchen wieder die Außenstelle einer Fachschule eröffnet. Hier konnte nach vier Jahren die Meisterprüfung im kunsthandwerklichen Musikinstrumentenbau abgelegt werden, wenn zuvor die Lehre als Zupfinstrumentenmacher absolviert wurde. Heute verbindet der Studiengang Musikinstrumentenbau der Westsächsischen Hochschule Zwickau (FH) kunsthandwerkliche Tradition mit moderner wissenschaftlicher Ausbildung.

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