Internationale Wirtschaftsschau am Traditionsstandort, die Leipziger Messe zu DDR-Zeiten

von Jörn Kleinhardt (10.12.2015)

Die sächsische Stadt Leipzig gilt seit Jahrhunderten als wichtige Handelsstadt und zählt mit über 850 Jahren Historie zu den ältesten Messestandorten der Welt. Schon im Mittelalter galt die Stadt als großer Warenumschlagplatz an der Kreuzung wichtiger Handelswege. Im Zuge der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und des Ausbaus der Verkehrswege mit modernen Transportmitteln wie der Eisenbahn, wurden immer mehr industriell gefertigte Produkte in die Messestadt geliefert. Dies hatte eine erhöhte Platznot zur Folge, die Lager- und Umschlaghäuser der Stadt  waren bis zum Bersten gefüllt. Daher wurde die ursprüngliche Warenmesse im ausgehenden 19. Jahrhundert in eine Mustermesse umstrukturiert, sodass die Händler und Produzenten jeweils nur noch Musterbeispiele ihrer Waren präsentierten und nicht die gesamte Handelsware mitbringen mussten. Mit dem Wechsel zur Mustermesse veränderte sich auch das Stadtbild von Leipzig, da zahlreiche neue Messehäuser entstanden.

Durch den Ersten Weltkrieg wurden der Standort Leipzig und die traditionell stattfindenden Frühjahrs- und Herbstmessen erheblich geschwächt und isoliert. Im Jahr 1917 entwarf der Künstler Erich Gruner das noch heute gültige Logo mit den markanten übereinandergestellten M, welche für Mustermesse stehen. In der jungen Weimarer Republik normalisierte sich die Situation jedoch wieder und Leipzig entwickelte sich in den ausgehenden 1920er Jahren zu einem weltbedeutenden Messestandort. Auch in den frühen Jahren unter nationalsozialistischer Herrschaft ging der Messebetrieb weiter, 1937 wurde die Stadt gar zur „Reichsmessestadt“ ernannt. Jedoch kam der Messebetrieb im Jahr 1939 zum Erliegen, da einen Tag nach Beendigung der Herbstmesse am 31. August 1939, der Zweite Weltkrieg mit dem Überfall auf Polen begann.

Nach Kriegsende war Leipzig, wie viele andere deutsche Städte durch Bombenangriffe zerstört. An einen Messebetrieb war zunächst nicht zu denken, da die Kriegsschäden zu erheblich waren. Genau ein Jahr nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges, am 8. Mai 1946, öffneten sich die Tore der ersten Nachkriegsmesse welche „Friedensmesse“ genannt wurde im Leipziger Ring-Messehaus. Obwohl auch einige westdeutsche Aussteller vertreten waren, hatte die Messe zu dieser Zeit eher einen improvisierten Charakter. Eigentlich logisch, da die Industrieproduktion im geteilten Deutschland durch Kriegszerstörungen am Boden lag. Die Machthaber in der SBZ wollten jedoch mit der frühen Eröffnung Normalität und Leistungskraft in ihrem Teil Deutschlands demonstrieren. Nach dem zaghaften Neubeginn der 1940er Jahre entwickelte sich die Messe in den 1950er Jahren zu einem wichtigen Zentrum im Ost-West Handel. Von der SED-Führung wurde die Leipziger Messe jährlich zur Leistungsschau der eigenen Produktionsbetriebe genutzt und galt international als wirtschaftliches und politisches Schaufenster der DDR. Bis in die 1970er Jahre bot die Leipziger Messe der DDR die Möglichkeit, ihre technischen Produkte mit dem „Weltniveau“ westlicher Hersteller zu vergleichen.

Die Messe entwickelte sich schnell zum Besuchermagnet, die Besucherzahlen pendelten sich in den 1960er Jahren bei jährlich 600.000 Besuchern ein. Davon kamen knapp 90% aus der DDR und lediglich ca. 8% der Besucher aus der Bundesrepublik oder dem westlichen Ausland. Die Zahl der Aussteller lag zu dieser Zeit bei ca. 10.000, welche für ihre Produkte die bis zu 300.000m² Ausstellungfläche der Messe nutzen konnten. Für jeweils zwei Wochen im Jahr war die Stadt Leipzig wegen des großen Besucheransturms im Ausnahmezustand. Um Kontakte der westlichen Besucher mit der einheimischen Bevölkerung zu überwachen, waren zahlreiche Mitarbeiter des MfS im verdeckten Einsatz unterwegs.

Im Zuge der politischen Wende und der deutschen Wiedervereinigung wurde die Leipziger Messe in eine GmbH umgewandelt. Heutzutage beherbergt die Messe auf dem neuen Messegelände außerhalb der Stadt, zahlreiche bekannte Fachmessen und führt würdig die Jahrhunderte alte Messetradition der sächsischen Großstadt weiter.

Obwohl wir zahlreiche Exponate zum Thema Leipziger Messe in unserem Bestand haben, möchte ich Ihnen in meinen Augen dass prägnanteste Objekt dazu vorstellen. Es handelt sich natürlich um das bekannte „Leipziger Messemännchen“ welches ab 1964 als Maskottchen der Messe fungierte. Entworfen wurde es vom DDR-Kunstpreisträger und „Vater“ des Sandmännchens Gerhardt Behrendt. Das Messemännchen stellt einen Handelsreisenden dar, der übergroße Kopf hat die Gestalt eines Globus und steht für den internationalen Charakter der Leipziger Messe. Auf dem Kopf trägt das Messemännchen einen eleganten Hut passend zum gleichfarbigen Anzug, in der Hand einen Reisekoffer mit der Aufschrift „Leipziger Messe“ als symbolisches Reiseziel. Im Mundwinkel der beliebten Figur steckt eine Pfeife. Die Farbgebung der Figur mitsamt Kleidung wird von blau und gelb bestimmt, den Farben der Stadt Leipzig.

Haben Sie Objekte oder persönliche Anekdoten zum Thema Leipziger Messe? Dann wären wir erfreut wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen.

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