Heldenkult und Heimatliebe - Straßen- und Ehrennamen im offiziellen Gedächtnis der DDR

Unser heutiger Schatz aus der Bibliothek ist zugleich die Dissertation der Kulturhistorikerin Johanna Sänger an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Jahre 2005: Heldenkult und Heimatliebe - Straßen- und Ehrennamen im offiziellen Gedächtnis der DDR. Sänger legte hiermit die erste umfassende überregionale Studie zur Benennungspraxis von Straßen und Plätzen in Ostdeutschland zwischen 1945 und 1995 vor.
von Admin (13.03.2015)

Unser heutiger Schatz aus der Bibliothek ist zugleich die Dissertation der Kulturhistorikerin Johanna Sänger an der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Jahre 2005: Heldenkult und Heimatliebe - Straßen- und Ehrennamen im offiziellen Gedächtnis der DDR. Sänger legte hiermit die erste umfassende überregionale Studie zur Benennungspraxis von Straßen und Plätzen in Ostdeutschland zwischen 1945 und 1995 vor.

Das Werk beginnt mit einem umfassenden Forschungsüberblick, in dem die Autorin zunächst ausführlich Namen und Straßennamen sprach- und kulturwissenschaftlich betrachtet. Hier widmet sie sich der Gedächtnistheorie und Geschichtswissenschaft unter Berücksichtigung der Theorie des kollektiven Gedächtnisses, welche sie ausführlich darlegt und analysiert. Dies ist neben dem Hauptthema einer von mehreren Aspekten, die das Werk so informativ und interessant machen.

Unter der Überschrift Von räumlicher Orientierung zur Erinnerung. Vorgeschichte sozialistischer Straßennamen gibt Sänger dem Leser einen Überblick zur Entwicklung der Straßennamensforschung und die unterschiedlichen Forschungsperspektiven hierzu mit auf den Weg. Im Hauptteil Heldenkult und Heimatliebe. Öffentliche Namen in der DDR geht Sänger chronologisch vor und zeigt hierbei u.a. wie in der Nachkriegszeit im Streben nach politischer Neuorientierung und Entnazifizierung bei der Namensvergabe zunächst auf sozialistische Helden gesetzt wurde, seit den 70er Jahren jedoch eher eine starke Heimatbindung erzeugt werden sollte, weshalb in Anlehnung an "bürgerliche" Traditionen verstärkt lokalbezogene Namen auftauchten.

Im Kapitel über die Nachwendezeit Neuorienteirungen. Der Fall der Denkmäler stellt Sänger zunächst heraus, dass in der DDR eine "erhebliche Differenz zwischen dem kommunikativen Gedächtnis der Bevölkerung und dem kulturellen, offiziell vermittelten Gedächtnis" bestand (vgl. S 205), welche auch die öffentlichen Namensgebungen stark beeinflusste. An den Fallbeispielen Jena und Berlin, kontrastiert von Eisenhüttenstadt, Hoyerswerda und Rostock legt die Autorin Beginn, Entwicklung und Umsetzung der Umbenennungen dar. In der abschließenden Zusammenfassung beschäftigt sie sich mit den Formen der Umbenennung und erklärt, warum hier nicht von einem "Namenssturz und Schildersturm" gesprochen werden kann: ""Sturm" oder "Sturz" assoziieren ein schnelles affektives Handeln, einen Rausch, getragen vom Zorn einer amorphen Volksmasse." (vgl. S. 225). Dies war in Ostdeutschland nicht der Fall, die meisten Umbenennungen wurden erst ab 1993 durchgeführt, deren Intentionen sie ebenfalls noch darlegt.

Das Buch Heldenkult und Heimatliebe – Straßen- und Ehrennamen im offiziellen Gedächtnis der DDR von Johanna Sänger ist bereits 2006 im Ch. Links Verlag erschienen. Es hat die ISBN 978-3-86153-398-6 und ist für 25,00 € erhältlich.

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