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„Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963“

Das Buch „Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. Zur politischen Ikonographie der sozialistischen Sichtagitation“ ist die Dissertation von Katharina Klotz aus dem Jahr 2003. Die Publikation basiert auf Forschungsarbeiten am Bestand der Plakate des ehemaligen Museums für Deutsche Geschichte am heutigen Deutschen Historischen Museum in Berlin. Das Buch ist 2006 in der Reihe Berichte aus der Kunstgeschichte im Shaker Verlag erschienen.
von Maria Bartholomäus (28.07.2016)

Das Buch „Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963. Zur politischen Ikonographie der sozialistischen Sichtagitation“ ist die Dissertation von Katharina Klotz aus dem Jahr 2003. Die Publikation basiert auf Forschungsarbeiten am Bestand der Plakate des ehemaligen Museums für Deutsche Geschichte am heutigen Deutschen Historischen Museum in Berlin. Das Buch ist 2006 in der Reihe Berichte aus der Kunstgeschichte im Shaker Verlag erschienen.

 

Historische Entwicklung der Sichtagitation

Die Publikation beginnt mit einer Betrachtung der historischen und institutionellen Voraussetzungen der Sichtagitation. Die Autorin erklärt zunächst die Begrifflichkeit „Sichtagitation“ sowie den geschichtlichen Hintergrund. Sie beleuchtet die Ursprünge des politischen Plakats, die bis in die Weimarer Republik zurück reichen. Klotz schildert, dass Sichtagitation keine Erfindung der DDR ist sondern dass bereits im 19. Jahrhundert Zusammenkünfte der Arbeitervereine mit Transparenten und Büsten von Karl Marx geschmückt waren. Der Einsatz von Plakaten in Betrieben, auf Straßen und Parteitagen sei in dieser ausgeprägten Form jedoch eine Besonderheit der frühen DDR.               

 

Unterschiede zwischen Agitation und Propaganda

Klotz erklärt des Weiteren den Unterschied zwischen den Prinzipien Agitation und Propaganda. Während Propaganda mehrere Ideen an die Massen kommuniziert, ist das Ziel der Agitation eine bestimmte Idee zu vermitteln, dafür aber mit großem Nachdruck. Die politische Sichtagitation  war in der Abteilung Agitation und Propaganda beim ZK der SED („Agitprop“ genannt) organisiert: Die Abteilung war verantwortlich für die Ausgestaltung zentraler Kundgebungen, Konferenzen und Aufmärsche und gab für diesen Zweck Broschüren, Plakate, Flugblätter und Aufkleber heraus. Die DEWAG hingegen war für die konkrete Herstellung und Verteilung der Sichtwerbung verantwortlich und hatte eine Monopolstellung für die Produktion von Plakaten, Bildern, Transparenten, Spruchbändern und Wandzeichnungen.   

 

Motive und Funktionen der politischen Druckgraphik

Im zweiten Teil der Publikation widmet sich die Autorin den verschiedenen Inhalten, die durch das politische Plakat dargestellt wurden. Dargestellt wurden hauptsächlich Veranschaulichungen von Zuständen, die für die Zukunft gewünscht sind, visuelle Manifestierungen von Machtansprüchen, die symbolische Vernichtung von politischen Gegnern, Personenkult (Lenin, Marx, Engels, Thälmann) sowie Gedenk- und Jahrestage. Besonders häufig findet man bei der letzteren Kategorie Darstellungen zu Ehren des Bestehens der DDR oder anlässlich des Internationalen Kampftags der Arbeiterklasse am 1. Mai oder des Tags der Republik am 7. Oktober. Weitere Sujets der Sichtagitation waren Anti-Militarismus, Gesundheitskampagnen und die Sowjetunion als sozialistisches Vorbild für die DDR.

Als Hauptfunktionen politischer Druckgraphik identifiziert Klotz die Repräsentation von Herrschaft, Utopieversprechen und Denunziation. Sie war als „Instrument zur ideologisch-politischen Erziehung des Volkes“ und als „Mittel, um die Wachsamkeit über den Fortschritt zu erhöhen“ gedacht. Die Staatsführung der DDR sah in der Sichtagitation ein „Werkzeug, um die Massen für die Erfüllung und die Beschlüsse und Apelle der Partei, der Massenorganisationen und der Regierung zu mobilisieren und zu begeistern“. Der Einsatz von Bildern wurde somit zum Programmpunkt der Parteiarbeit – man wollte mithilfe der „Massenagitation“ eine alle Lebensbereiche umfassende Beeinflussung der DDR-Bürger erreichen. Die Motive sollten den Betrachter mitreißen und „erregen“.

 

Vielfältige Abbildungen

Die wissenschaftlichen Ausführungen werden durch ein ausführliches Abbildungsverzeichnis ergänzt. Etwa die Hälfte des Buches zeigt verschiedenste Poster aus dem späten 19. Jahrhundert, der Nachkriegszeit in der Sowjetischen Besatzungszone sowie den ersten Jahrzehnten der DDR. Die Abbildungen enthalten Angaben zu Maßen des Objekts, dem Urheber sowie dem Erscheinungsjahr und der Quelle. Die Motive sind sowohl farbig als auch in schwarz/weiß gestaltet.

 

Wissenschatliche Lektüre

Das Buch von Katharina Klotz liefert einen spannenden und ausführlichen Überblick über die Stellung der politischen Gebrauchsgraphik im sozialistischen Staats- und Gesellschaftssystem. Der Wandel von der vordergründig agitatorisch-propagandistischen Wirkungsabsicht hin zu einem visuell ausgefeilten Kommunikationsmedium wird ausführlich dargestellt. Da es sich um eine wissenschaftliche Arbeit handelt ist „Das politische Plakat der SBZ/DDR 1945-1963“ eine durchaus anspruchsvolle Lektüre. Wer jedoch tief in das Thema einsteigen möchte, findet in diesem Werk eine sehr informative, übersichtliche und hochinteressante Quelle.

 

 

 

 

 

 

 

 

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