DDR-Geschichte

Die Großtafelbauweise und ihre Anwendung in der DDR

Denkt man an Wohnen in der DDR, so denkt man zwangsläufig an den typischen Plattenbau oder gar komplette Siedlungen welche vor allem in den 1970er und 1980er Jahren in vielen Städten der DDR entstanden. Doch wie und warum kam es zur Plattenbauweise in der DDR? Gab es Unterschiede bei der Konstruktion? von Jörn Kleinhardt (08.09.2016)

Denkt man an Wohnen in der DDR, so denkt man zwangsläufig an den typischen Plattenbau oder gar komplette Siedlungen welche vor allem in den 1970er und 1980er Jahren in vielen Städten der DDR entstanden. Doch wie und warum kam es zur Plattenbauweise in der DDR? Gab es Unterschiede bei der Konstruktion? Der heutige Sammlungsblog versucht diese Fragen zu beantworten und nebenbei ein paar interessante Sammlungsobjekte zum Thema „Platte“ vorzustellen.

Die SBZ/ DDR litt von Beginn ihrer Existenz unter Wohnraummangel für seine Bürger. Gründe dafür waren die in den Industrie- und Ballungsgebieten immensen Kriegszerstörungen, sowie die akute Knappheit an Baumaterial, welche sich bis zum Ende der 1980er Jahre auf das Bauverhalten der Staatsführung im Großen und der Bürger und Häuslebauer im Kleinen auswirkte. Um der Wohnungsnot entgegenzuwirken entstanden bis Ende der 1950er Jahre Wohngebäude in traditioneller Bauweise, sozusagen Stein auf Stein. Diese Konstruktionen waren allerdings sehr zeitaufwändig und  teuer in der Herstellung und lösten das Problem des fehlenden Wohnraums nur sehr langsam. Daher suchte die Staatsführung nach rationellen Alternativen. Erste Wohnbauten in industrieller Fertigbauweise entstanden versuchsweise schon ab Mitte der 1950er Jahre. Optisch und funktional lehnten sich die neuen Gebäude an die moderne Architektur des „Bauhaus“ an.

Als Versuchslabor für die neuartige Bauweise diente der Ausbau der kleinen Stadt Hoyerswerda. Nachdem man Mitte der 1950er Jahre den Aufbau des Braunkohleveredelungskombinats „Schwarze Pumpe“ in der Region um Hoyerswerda beschlossen hatte, sollte dort laut Projektplanung die komplette Infrastruktur für 95.000 Einwohner in Großplattenbauweise geschaffen werden. Zeitlich wurde damals bis zum Jahr 2000 geplant. Insgesamt wurden bis Ende der 1980er Jahre 10 Wohnkomplexe für insgesamt 71.000 Bewohner in Hoyerswerda geschaffen. Im Stadtbild dominieren die Plattenbautypen P1 und P2. Nach der politischen Wende verlor die Region um das Großkombinat zahlreiche Arbeitsplätze und die Stadt Hoyerswerda litt und leidet bis heute unter dem Wegzug vieler Bürger. Neue Wohnbauprojekte sind dort nicht mehr nötig, eher wurden und werden alte „Platten“ im Zuge des „Stadtumbau Ost“ zurückgebaut.

Ab den 1960er Jahren wurde mit verschiedenen Entwürfen wie dem P2, dem Q3A oder der QP Baureihe experimentiert. Da nicht alle dieser Entwürfe die gewünschten Einsparungen an Baumaterial und Konstruktionszeit erfüllten, wurde Ende der 1960er Jahre die Wohnbauserie 1970 (WBS70) aus dem „Einheitsprogramm Bau“ projektiert. Mit dem ehrgeizigen Wohnungsbauprogramm aus dem Jahr 1973 begann der Siegeszug der WBS 70 Plattenbauten. Der erste bezugsfertige „WBS 70“ Plattenbau entstand ab April 1973 in der norddeutschen Stadt Neubrandenburg. Dieser Wohnblock steht heutzutage übrigens unter Denkmalschutz. In der Folgezeit wurden verschiedene Ausführungen des WBS70 in der gesamten Republik gebaut, bis zur politischen Wende entstanden so insgesamt 1,9 Millionen Plattenbauwohnungen. Mitunter wurden komplette Stadtbezirke wie beispielsweise Berlin Marzahn in der neuen Bauweise errichtet. In der Broschüre „Stadtbezirk Marzahn“ von „Berlin Information“ wird der durch die Einheitsbauten geprägte Bezirk durch ansprechende Fotos und zahlreiche Erklärungen, dem geneigten Leser vorgestellt.

Trotz der Vereinheitlichung der WBS 70 Serie, konnten verschiedene Variationen aus der Kombination verschiedener Baugruppen konstruiert werden. Die Bauumsetzung oblag den Wohnungsbaukombinaten in den jeweiligen Bezirken der DDR. Die einzelnen Kombinate zeichneten dann später auch für Information der Wohnungsmieter ihrer „Platte“ verantwortlich. Zu diesem Zweck produzierten die Kombinate kleine Broschüren als eine Art Gebrauchsanweisung für die Wohnungen. Beispielhaft habe ich die Broschüre „Unsere Wohnung/ Ratschläge für die Neubauwohnung“ des VEB Wohnungsbaukombinat Berlin herausgesucht. Sie stammt aus dem Jahr 1977 und enthält zahlreiche Tipps für den künftigen Mieter. So erfährt man wie man beispielsweise korrekt lüftet oder wo genau die Sicherungen und Lüftungsschächte zu finden sind. Hinweise zur Reinigung der verbauten Materialien und Elemente sind ebenfalls enthalten.

Haben sie noch Anekdoten zum Leben im Plattenbau oder gar das ein oder andere Objekt aus dieser Zeit? Dann melden Sie sich!

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