Geschichte

Bürgerliches und gesellschaftliches Engagement in der DDR zwischen Subbotnik und Goldener Hausnummer

Zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität gab es in der DDR zahlreiche von staatlicher Seite initiierte Aktivitäten. Die Nationale Front der DDR zeichnete für verschiedene Projekte verantwortlich, so gab es beispielsweise den kommunalen Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit“. Hierbei sollten DDR-Bürger animiert werden ihr Wohnumfeld im Sinne der Allgemeinheit zu verbessern. von Jörn Kleinhardt (11.02.2016)

Zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität gab es in der DDR zahlreiche von staatlicher Seite initiierte Aktivitäten. Die Nationale Front der DDR zeichnete für verschiedene Projekte verantwortlich, so gab es beispielsweise den kommunalen Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden - Mach mit“. Hierbei sollten DDR-Bürger animiert werden ihr Wohnumfeld im Sinne der Allgemeinheit zu verbessern. Diese freiwilligen Arbeitseinsätze fanden selbstverständlich in der Freizeit statt, die Beteiligung war in Form von Haus-, Wohngebiets- oder Dorfgemeinschaften, Arbeitskollektiven oder örtlichen Vereinen möglich. Der Ort der Arbeitseinsätze wurde vorab zumeist von den örtlichen Stadt- oder Gemeindevertretungen in Zusammenarbeit mit Gremien der Nationalen Front bestimmt. Oftmals fiel die Wahl daher auf Orte welche mit staatlichen Mitteln nicht ausreichend finanziert werden konnten, beispielsweise Parkanlagen oder öffentliche Spielplätze. Um den Wettbewerbsgedanken zu wahren wurde diese Initiative landesweit gestartet. Der Nachweis der getätigten Arbeiten war über sogenannte Ehrenbücher möglich. Erfolgreiche Städte, Gemeinden, Kollektive aber auch Einzelpersonen wurden als Sieger später mit Urkunden, Medaillen und Geldprämien für ihre „vorbildlichen“ Leistungen geehrt. In unserem Bestand befinden sich zahlreiche Medaillen sowie Ehrenbücher der Initiative „Schöner unsere Städte und Gemeinden – Mach mit“. Besonders die kleinen, metallenen Medaillen mit roter Lackierung stechen dabei ins Auge.     

Eine andere Form des gesellschaftlichen Engagements war die Verleihung der „Goldenen Hausnummer“ an Hausgemeinschaften welche bei der Pflege und Gestaltung ihres Hauses und des unmittelbaren Wohnumfeldes positiv in Erscheinung traten. Auch hier wurde zumindest in größeren Städten ein Wettbewerb ausgetragen. Gewinner der „Goldenen Hausnummer“ wurden mit einem speziell angefertigten Hausnummernschild geehrt, welche die Hausgemeinschaft für Außenstehende deutlich sichtbar von den anderen unterschied. Unsere in der Sammlung befindliche „Goldene Hausnummer“, mit der eigentlichen Hausnummer 84, stammt aus dem Stadtgebiet von Berlin, welches durch das Wappentier, den „Berliner Bär“ repräsentiert wird.

Unter „Subbotnik“ (abgeleitet aus dem russischen „subbota“ für Sonnabend) verstand man einen am Wochenende stattfindenden freiwilligen Arbeitseinsatz. Im Gegensatz zu den oben beschriebenen Aktivitäten, gab es für den „Subbotnik“ keine staatlichen Vorgaben oder einen staatlichen Wettbewerb. Oftmals wurde der „Subbotnik“ in Eigenregie von den Bewohnern eines Hauses organisiert und durchgeführt. Ähnlich wie bei dem „Schöner unsere Städte und Gemeinden“ ging es zumeist um die Verbesserung des unmittelbaren Wohnumfelds. Konkret konnte ein „Subbotnik“ folgendermaßen aussehen: Vorab wurde geklärt welches Material für die anfallenden Arbeiten benötigt wurde. Mitglieder der Hausgemeinschaft wurden mit der Besorgung der Materialien beauftragt. Am vereinbarten Wochenende trafen sich meistens morgens alle Hausbewohner, dann erfolgte die Aufteilung der Arbeiten.  Garagen, Sitzbänke oder Gartenzäune bekamen einen frischen Farbanstrich, Schlaglöcher auf der holprigen Sandpiste hinter dem Haus wurden mit Kies aufgefüllt(sofern ein findiger Hausbewohner den benötigten Kies besorgen konnte), die vorhandenen Blumenbeete bekamen eine angemessene Pflege und das ein oder andere Treppengeländer erstrahlte im neuen Glanz. Meistens gab es nach getaner Arbeit noch ein großes Fest der Hausgemeinschaft mit selbst gebackenem Kuchen, Grillgut und reichlich Alkohol.

Der wirtschaftlichen Situation in der DDR geschuldet, mussten die Bürger zur Verbesserung ihres Wohnumfelds schlicht selbst Hand anlegen. Erfreulicher Nebeneffekt dieser Aktionen war die Stärkung des gemeinschaftlichen Miteinanders.

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