Objekt der Woche

Die Erinnerungskultur der Stasi

Die Erinnerungskultur und die Ideologischen Vorbilder des Ministeriums für Staatssicherheit von Jörn Kleinhardt (07.02.2018)

Die Tscheka und der Kult um Dzierżyński

Auf den heutigen Tag vor genau 68 Jahren (am 8. Februar 1950) wurde das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gegründet. Der Geheimdienst wurde nach sowjetischem Vorbild aufgebaut und ernannte am 16. Februar 1950 Wilhelm Zaisser zum ersten Leiter der stalinistischen Geheimpolizei. In der Erinnerungskultur des Geheimdienstes spielte der sowjetische Einfluss eine bedeutende Rolle und die Mitarbeiter sahen sich in Anlehnung an den ersten sowjetischen Geheimdienst Tscheka als Tschekisten. Der Gründer und Leiter der Tscheka, Feliks Dzierżyński, war als Portrait auf vielen Medaillen präsent und seine Zitate wie beispielsweise „Tschekist sein kann nur ein Mensch mit kühlem Kopf, heißem Herzen und sauberen Händen“ wurden auf Urkunden und Gedenkmedaillen verbreitet.

Gedenkplatte Felix Dzierzynski

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Gedenkmünze Feliks Dzierzynski

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Das Erinnerungsabzeichen

Neben dem sowjetischen Vorbild spielte auch der Tag der Gründung der Stasi eine bedeutende Rolle. Ab 1970 wurden im Fünfjahresrhythmus spezielle Erinnerungsabzeichen an die offiziellen und inoffiziellen Mitarbeiter ausgegeben. Diese waren schildförmig und enthielten das Wappen des MfS: eine rechte Hand, die ein bronzefarbenes Gewehr mit aufgesetztem Bajonett hält. An diesem Gewehr ist eine rote Arbeiterfahne angebracht, auf der wiederum waagerecht ein schwarz-rot-goldener Balken mit dem Staatswappen der DDR zu sehen ist. Oberhalb der Fahne ist in römischen Buchstaben der Jahrestag der Gründung angegeben.

Erinnerungsabzeichen 20 Jahre MfS

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Erinnerungsabzeichen 25 Jahre MfS

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Erinnerungsabzeichen 30 Jahre MfS

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Erinnerungsabzeichen 35 Jahre MfS

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Von Stasi über NaSi zur Auflösung

Das Design des Abzeichens blieb über die Jahre dasselbe. Eine Ausnahme bildet das Erinnerungsabzeichen zum 40. Jahrestag des Ministeriums für Staatssicherheit, das statt der üblichen römischen Ziffern eine arabische Zahl zum Jubiläum am oberen Rand aufweist. Diese Abzeichen wurden bereits gegen Ende der 1980er Jahre vorproduziert und sollten dann am 8. Februar 1990 verliehen werden. Allerdings befand sich der riesige Apparat zu diesem Zeitpunkt bereits in der Auflösung und auf eine Vergabe der Abzeichen an die Mitarbeiter wurde verzichtet. Zuvor wurde im November 1989 versucht, durch eine Namensänderung von Ministerium für Staatssicherheit in Amt für Nationale Sicherheit und strukturelle Anpassungen den Geheimdienst zu reformieren, doch das Misstrauen der Bevölkerung und der allgemeine politische Kurswechsel verhinderten das Fortbestehen des Amtes für Nationale Sicherheit.

Erinnerungsabzeichen 40 Jahre MfS

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"Mit Fantasie gegen Stasi und Nasi"

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