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Der Kracher von Moskau – Fußball zwischen Politik und Sport

Kann, darf, soll man Fußball und Politik trennen? In diesen Tagen, aber auch in der Vergangenheit, ist das stets eine Frage mit Brisanz. Das heute vorgestellte Buch diskutiert diese Frage nicht, sondern greift thematisch ein Fußballspiel auf, bei dem sich der politische Aspekt nicht leugnen lässt. von Melanie Alperstaedt (30.06.2017)

Kann, darf, soll man Fußball und Politik trennen? In diesen Tagen, aber auch in der Vergangenheit, ist das stets eine Frage mit Brisanz. Das heute vorgestellte Buch diskutiert diese Frage nicht, sondern greift thematisch ein Fußballspiel auf, bei dem sich der politische Aspekt nicht leugnen lässt.

1955 – zwischen Bonn und Moskau herrscht eisiger Frost. Es gibt keinerlei offizielle Beziehungen und in den Weiten Russlands warten immer noch etwa zehntausend deutsche Kriegsgefangene auf ihre Rückkehr. Da zeigt sich plötzlich ein erster Riss im Packeis des Kalten Krieges. Der amtierende Fußball-Weltmeister Deutschland wird in die Welthauptstadt des Kommunismus zu einem Freundschaftsspiel eingeladen. Was heutzutage selbstverständlich erscheint, war damals eine Art Sensation. Das Buch von Thomas Grimm vermittelt dem Leser umfangreiches Kontextwissen zur Vorbereitung, zu den Begleitumständen und zum historischen Fußballspiel selbst. Besonders gut hat mir dabei gefallen, dass er auch Zeitzeugen ausführlich zu Wort kommen lässt und so den wissenschaftlichen Blick meiner Meinung nach sinnvoll ergänzt.

Die deutsche Nationalmannschaft verliert das Spiel im Dynamo-Stadion. Doch das ist fast schon Nebensache. Konrad Adenauer kommt kurze Zeit später nach Moskau. Die Bundesrepublik nimmt diplomatische Beziehungen mit der Sowjetunion auf und die letzten Kriegsgefangenen können endlich heimkehren. So hatte ein Fußballspiel politische Konsequenzen der guten Art, was sicherlich auch heute die Hoffnung vieler Fußballfunktionäre ist.

Thomas Grimm ist der Geschäftsführer des Zeitzeugenarchivs und hat mit dem vorliegenden Buch auch eine Art Archiv geschaffen. Neben den bereits erwähnten Zeitzeugen und wissenschaftlichen Texten sieht der Leser eine Vielzahl von Dokumenten, Plakaten, Zahlen, Fakten und Fotos. Für mich ein rundum gelungenes Buch für alle, die sich für Fußball und Politik gleichermaßen interessieren. Ob nun diese Verbindung von beidem in der Vergangenheit auch für die Zukunft gilt, ist sicherlich eine Diskussion wert.

Wer möchte, kann diese am 26.9. im Besucherzentrum des DDR Museum selbst führen! Thomas Grimm wird dann zu Gast sein und stellt neben seinem Buch auch seinen über das Thema gedrehten Film vor. Der Abend beginnt um 19 Uhr im Besucherzentrum, der Eintritt ist frei.

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