Veranstaltung

Carlo Jordan im DDR Museum

Bei unserer gestrigen Veranstaltung war Carlo Jordan, DDR-Bürgerrechtler und Mitbegründer der Grünen Partei, zu Gast. von Melanie Alperstaedt (11.10.2017)

Carlo Jordan, Sohn eines Bäckers, wuchs in Berlin Friedrichshain auf. Im Februar 1951 geboren bekam er von seiner Mutter eine große Anzahl an Vornamen. Viele männliche Freunde und Familienmitglieder waren im Krieg gestorben und so trägt Herr Jordan Zeit seines Lebens den Wunsch nach Erinnerung in seinem Namen. 

Er  begann in den 1970er Jahren mit Protestaktionen gegen das SED-Regime und wurde 1976 verhaftet. Alles was er getan hatte war, sich mit anderen mit einem schriftlichen Protest wegen der Selbstverbrennung von Oskar Brüsewitz an Erich Honecker zu wenden. Ein Haftgrund, den sich gerade jüngere Menschen heute kaum vorstellen können. 

Ab 1982 begann Jordan dann in unterschiedlichen Umweltgruppen mitzuarbeiten. 1986 war er einer der Mitbegründer der Berliner Umwelt-Bibliothek und begann für die Untergrundzeitschrift „Umweltblätter“ Artikel zu verfassen.  Eine Druckmaschine der Umweltbibliothek ist auch in unserer Ausstellung zu sehen. Die Idee einer Gründung war seiner Aussage nach jedoch schon älter, erste Umweltkreise gab es bereits seit 1978. Carlo Jordan engagierte sich darüber hinaus für eine Vernetzung der DDR-Umweltbewegung und war 1989 Mitbegründer der Grünen Partei. In den turbulenten Herbsttagen des Jahres 1989 wurden die kleinen Bürgerrechts- und Umweltgruppen von einer breiten Volksbewegung getragen. So saß Herr Jordan dann auch für die Grüne Partei der DDR am Runden Tisch. 

Hier möchte ich gern unseren wissenschaftlichen Leiter Dr. Stefan Wolle zitieren: 

„Die Revolution von 1989/90 fraß ihre Kinder nicht auf, aber sie schob sie ins Abseits. Carlo Jordan blieb sich und seinen Idealen treu. Sanfte Rebellen wie er suchen keine Siege und kennen deswegen auch keine Niederlagen.“

Herr Jordan wirkte grundsätzlich nicht wie jemand, der aufgeben würde! Im Januar 1990 war er an der Erstürmung der Stasi-Hauptzentrale in Berlin-Lichtenberg beteiligt und ist Initiator der Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße. 1994 bis 1995 war er für Bündnis 90 / Die Grünen Mitglied des Berliner Abgeordnetenhauses und engagiert sich in diesen Tagen aktiv gegen Ostalgie. 

Am gestrigen Abend waren ungewohnt viele Zeitzeugen im Publikum und so kam es zu einer interessanten Diskussion. Über eine halbe Stunde lang entwickelte sich ein Gespräch zwischen Podium und Publikum, was ich als Zuhörerin sehr spannend fand.

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