Verschollenes Brettspiel kehrt als App zurück

Zum Jahrestag des Mauerfalls präsentiert das DDR Museum eine ganz besondere App: Das Brettspiel LIGATO wurde vor 30 Jahren von Lothar Schubert erfunden, doch als es von Berlinplast produziert werden sollte, kam die Wende dazwischen. Jetzt endlich kann es jeder spielen.
von Michael Geithner (09.11.2013)

Zum Jahrestag des Mauerfalls präsentiert das DDR Museum eine ganz besondere App: Das Brettspiel LIGATO wurde vor 30 Jahren von Lothar Schubert erfunden, doch als es von Berlinplast produziert werden sollte, kam die Wende dazwischen. Jetzt endlich kann es jeder spielen.

Erst ausprobieren und dann lesen? Hier geht es zum kostenlosen Download von LIGATO im App Store.

Im April diesen Jahres veröffentlichte der DDR Museum Verlag das gleichnamige Buch zum Projekt "Nachgemacht – Spielekopien aus der DDR", in dem man nachlesen kann, wie die Spiele der DDR auf einzigartige Art und Weise von der Alltagskultur der DDR erzählen. Eine weitere solche Geschichte wird nun mit der App LIGATO präsentiert.

Realisiert wurde die App für iPad und iPhone von Martin Thiele und Michael Geithner vom Nachgemacht. Während der Recherchen für „Nachgemacht“ lernten Martin Thiele und Michael Geithner Lothar Schubert kennen. Er gehörte zu den ambitioniertesten Spiele-Bastlern in der DDR. Neben hochwertigen Kopien diverser Westspiele, entwickelte Schubert auch seine eigenen Spielideen. Vier an der Zahl verkaufte er sogar an Volkseigene Betriebe (VEB) der DDR. Produziert wurde jedoch keines davon. Schubert resignierte über die Spielelandschaft in der DDR. Ein Video des Interviews finden Sie hier: Interview mit Lothar Schubert

Doch eines Tages schien ihm das Entwicklerglück hold. Der VEB Berlinplast kaufte Schuberts Spielidee mit dem Titel LIGATO. Kurz darauf fertigte der VEB sogar drei Handmuster davon an. Doch auch hier währte sein Glück nicht lange. Ungeduldig wartete Schubert auf ein Signal aus Berlin und erhielt schließlich einen Brief. In ihm war von „Umstrukturierung“ die Rede. Im Briefkopf war „VEB Berlinplast“ durchgestrichen und mit Hand „Berlinplast GmbH“ darüber gekritzelt. Der Brief traf Mitte 1990 ein – die Mauer war gefallen. Zwei der produzierten Ligato-Exemplare sind verschwunden. Bis heute. Nur eines existiert noch im Besitz Schuberts. Lothar Schubert hat seither keine Spielidee mehr verkauft.

Thiele und Geithner nahmen sich diese eigentümliche Geschichte zum Anlass selbst ein Spiel nachzumachen. Nicht mit Leim und Schere, wie die DDR Bürger vor 30 Jahren, sondern mit unseren heutigen Mitteln: Sie griffen Schuberts Spiel auf und optimierten es als Anwendung für das iPad und iPhone. Das agonale Spielszenario (schwarz gegen weiß) betteten sie in ein Szenario des Kalten Krieges (USA gegen SU) ein und erzählten darin die Entstehungsgeschichte des Spiels. Je erfolgreicher der Spieler die App spielt, desto mehr Informationen zur Hintergrundgeschichte gibt es zu erfahren. Zahlreiche liebevolle Illustrationen (gezeichnet von Alex Wohlrab) und historische Originaldokumente erzählen die wahre Geschichte von LIGATO. Unterlegt durch die epische Musik von Peter Drechsel, tauchen die Spieler ein in die Welt des Kalten Krieges.

Die App erscheint zum Jahrestag des Mauerfalls und damit fast 30 Jahre nachdem das Spiel erstmals von Lothar Schubert entwickelt wurde. Stefan Elstner programmierte die Anwendung mit der Unterstützung von Ina Melny, die dafür sorgte, dass das Spiel weltweit erscheinen kann, da es nicht nur in Deutsch, sondern auch auf Englisch und Russisch verfügbar ist.

Das Spiel gibt es als kostenlosen Download im App-Store. In Kürze wird sie auch für Android Geräte verfügbar sein.

KOSTENLOSER DOWNLOAD

 

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