Musikgeschichte

Der „Boss“ spielt in Ost-Berlin - Bruce Springsteen 1988

In den 1980er Jahren hörte die Jugend in der DDR zunehmend westliche Musik. Wurden von den Sammel-LPs wie „Hallo“ in den 70ern noch 100.000 Stück und mehr pro LP verkauft, schaffte zum Beispiel die Gruppe Rockhaus mit der „LP des Jahres 1988“ (I.L.D.) gerade mal 20.000 Stück. Nur die absoluten Top-Bands wie Silly oder City erreichten noch die 100.000er Marke.
von Sören Marotz (01.03.2016)

In den 1980er Jahren hörte die Jugend in der DDR zunehmend westliche Musik. Wurden von den Sammel-LPs wie „Hallo“ in den 70ern noch 100.000 Stück und mehr pro LP verkauft, schaffte zum Beispiel die Gruppe Rockhaus mit der „LP des Jahres 1988“ (I.L.D.) gerade mal 20.000 Stück. Nur die absoluten Top-Bands wie Silly oder City erreichten noch die 100.000er Marke.

In dieser Gemengelage der späten DDR veranstaltete die FDJ ab 1987 in Berlin große Rockkonzerte mit internationalen Stars. So spielte der „Boss“, wie Bruce Springsteen charmant von seinen Fans genannt wird, am 19.Juli 1988 auf der Radrennbahn in Berlin-Weißensee sein erstes Konzert im Osten. Begonnen hatte das legendäre Konzert kurz nach 19Uhr, es dauerte ganze 4 Stunden. Gert Leiser, eigentlich Manager der Bluesband Engerling, betreute Bruce Springsteen im Auftrag der DDR-Künstleragentur. Er hatte sich dort wohl einen Vertrauensvorschuss erworben.

Bei dem Konzert, das offiziell als „Konzert für Nikaragua“ im Rahmen des 5 Berliner Rocksommers der FDJ firmierte, sollen weit über 160.000 Zuhörer anwesend gewesen sein. Gezählt hat sie niemand, da die Ordner der FDJ dem Ansturm nicht gewachsen waren. Es war bis heute Springsteens größter Live-Auftritt und natürlich auch das größte Rockkonzert, das je in der DDR stattfand. Für die meisten war der „Boss“ sicherlich kein Vorkämpfer für die unterdrückten Massen im Imperialismus, sondern der Inbegriff westlichen Lebensgefühls, was auch unter DDR-Musikern reflektiert wurde: Beispielsweise bezog sich die Cottbusser Punkband Sandow mit ihrem Song „Born in the G.D.R.“ direkt auf Bruce Springsteens „Born in the U.S.A.“, ein etwas bissiger Gegenpol auf diese Art „Brot und Spiele“ der FDJ.

In einer während des Konzertes auf Deutsch gehaltenen kleinen Ansprache an sein Publikum gab sich Bruce zurückhaltend und deutlich zugleich: "Ich bin nicht hier für oder gegen irgendeine Regierung. Ich bin gekommen, um Rock'n'Roll zu spielen für Euch Ost-Berliner in der Hoffnung, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden." Ursprünglich hatte er vor, statt „Barrieren“ „Mauern“ zu sagen, wollte aber sicher keinen Eklat provozieren.

 

Das DDR-Fernsehen machte einen Mitschnitt mit einigen Schwenks ins Publikum. So kann man auch heute noch die damals in Ost-Berlin gespielten Titel Revue passieren lassen:

1. Badlands

2. The river

3. The promised land

4. Spare parts

5. War – Interview -

6. Born in the usa

7. Chimes of freedom

8. Paradiese by the c.

9. I’m on fire

10. Dancing in the dark

11. Light of day

12. Born to run

13. Hungry heart

14. Glory days

15. Can’t help falling in love

16. Bobby jean

17. Cadillac ranch

18. 10th avenue freeze-out

19. Sweet soul music

20. Twist and shout

21. Out in the street

22. Boom, boom, boom

 

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