Die Führung startet mit einem einstündigen Rundgang durch die Dauerausstellung des DDR Museum. Hier vermittelt ein Guide der Gruppe anhand originaler Exponate und interaktiver Installationen die Grundlagen zum Verständnis der DDR-Geschichte. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Ost-Berlin als repräsentativer Hauptstadt der DDR sowie auf den Themen Wohnen und Leben im selbsternannten Arbeiter- und Bauernstaat.
Besonders beliebt ist die nachgebildete WBS 70-Wohnung. In fünf originalgetreu eingerichteten Räumen kann man das Leben einer vierköpfigen Familie kennenlernen. Die Ausstellung verdeutlicht den Alltag in den Neubaugebieten, die im Zuge des staatlichen Wohnungsbauprogramms in den 1970er- und 1980er-Jahre an den Stadträndern entstanden. Diese schlichten, funktionalen Bauten bildeten einen deutlichen Kontrast zur Stadtplanung der 1950er-Jahre wie sie zum Beispiel rund um das Frankfurter Tor zu sehen ist. Veränderungen im Baustil, beeinflusst durch knappe Ressourcen und sich wandelnde ästhetische Vorlieben, werden dabei anschaulich nachvollziehbar.
An den Museumsbesuch schließt sich der ebenfalls einstündige Stadtrundgang an. Vom DDR Museum aus ist der Alexanderplatz schnell erreicht. Hier verdeutlichen städtebauliche Strukturen besonders gut den Wandel Ost-Berlins in den 1960er- und 1970er-Jahren. Ausgangspunkt ist der Fernsehturm, dessen Fertigstellung 1969 einen Wendepunkt im Stadtumbau markierte. Er steht für die sozialistische Moderne und das Bestreben der DDR, ein weithin sichtbares Symbol für Fortschritt zu schaffen, wobei man sich am internationalen Vergleich maß.
Gegenüber sind neben dem Roten Rathaus zudem frühe Plattenbauten zu sehen, die in den 1960er-Jahren entstanden. Der Bautypus war übrigens kein exklusives DDR-Phänomen – auch in der Bundesrepublik, in London und in Paris wurden vergleichbare Gebäude errichtet, oft als Sozialwohnungen. In der DDR dagegen war die soziale Durchmischung sehr viel größer. Neubauwohnungen waren begehrter Wohnraum, insbesondere im Vergleich zu den unsanierten Altbauten beispielsweise im Prenzlauer Berg, deren Substanz durch Kriegsschäden stark gelitten hatte.
Der Rundgang führt weiter entlang der Karl-Marx-Allee zurück in die frühen Jahre der DDR. Die Straße, eine zentrale Verkehrsachse Berlins, erstreckt sich über die Ortsteile Mitte und Friedrichshain. Während der Abschnitt in Mitte vor allem durch Plattenbauten aus den 1960er-Jahren geprägt ist, dominieren in Friedrichshain monumentale Wohnblöcke und Türme im »Zuckerbäckerstil« der frühen 1950er-Jahre. Die Straße, nach 1949 zunächst unter dem Namen Stalinallee bekannt, wurde in enger Anlehnung an sowjetische Vorbilder ausgebaut.
Als Prachtstraße war sie dabei eine zentrale Bühne der sozialistischen Selbstdarstellung. Hier fanden die großen Paraden zum 1. Mai und zum Republikgeburtstag statt. Gleichzeitig lassen sich politische Veränderungen hier besonders gut ablesen: Die Umbenennung in Karl-Marx-Allee im Jahr 1961, die mit der nächtlichen Entfernung der Stalinstatue in der Nähe des Strausberger Platzes einherging, spricht dabei Bände.
Insbesondere rund um die Weberwiese eröffnet sich schließlich ein eindrucksvoller Blick auf Bauten im Stil des Sozialistischen Klassizismus. Die großzügigen Wohnungen wurden von der DDR-Führung an verdiente Mitglieder der Arbeiterklasse, aber auch an Funktionäre vergeben. Damit sollte der ideologische Anspruch unterstrichen werden. Statt in dunklen Mietskasernen sollten die Arbeiter in »Arbeiterpalästen« leben. An der Weberwiese wird jedoch deutlich, dass dieses Bild von Beginn an Brüche aufwies. Die repräsentativen Bauwerke waren nicht nur Schauplätze staatlicher Inszenierung, sondern auch Zeugen von Protest und gesellschaftlicher Spannung.
So war dieser Bauabschnitt nämlich ein Ausgangsort des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953. Der Arbeiteraufstand begann in Ost-Berlin mit Streiks von Bauarbeitern an der Stalinallee, die gegen Normerhöhungen und die daraus resultierenden Lohnkürzungen protestierten. Innerhalb kürzester Zeit weitete sich der Protest auf zahlreiche Betriebe in Ost-Berlin und in der gesamten DDR aus. Während die Menschen politische Reformen, freie Wahlen und die Beendigung der SED-Herrschaft forderten, reagierte die DDR-Führung mit der Verhängung des Ausnahmezustandes. Sowjetische Panzer und Einheiten der Kasernierten Volkspolizei schlugen den Aufstand gewaltsam nieder.
Die Karl-Marx-Allee veranschaulicht eindrucksvoll die Entwicklung des DDR-Städtebaus – von der Prachtstraße der frühen 1950er-Jahre bis zu den pragmatischen Neubauten der späten DDR. Die Kombination aus Museumsbesuch und Stadtrundgang ermöglicht insbesondere Schulklassen, die DDR-Geschichte direkt im originalen Stadtraum zu erleben.
Wer neugierig geworden ist und eine Beratung wünscht, melde sich doch gerne telefonisch bei der Besucherbetreuung unter 030-847 123 73 – 32 oder per Mail an besucherbetreuung@ddr-museum.de! Eine Buchungsanfrage kann aber auch direkt über das Buchungsformular auf unserer Website gestellt werden.