ZRM 450 – der Rasenmäher mit dem besonderen Dreh

Auf der Suche nach einem farbenfroheren Rasenmäher für die Installation „Datsche" in unserer Ausstellung hoffte ich als Praktikant zunächst darauf, einen bunten Mäher vom Typ „Trolli" im Depot ausfindig machen zu können. Der jetzige versprüht mit seinem Armeegrün ein wenig den Hauch von NVA. Egal ob in blau, rot oder gelb - hauptsache kein „Tarnanstrich" mehr, dachte ich. Ich fand auch schnell mehrere „Trollis" in verschiedenen Lackierungen, sogar einen Luftkissenmäher vom Typ 42, mit dem das Rasenmähen (aus eigener Erfahrung) richtig Spaß machen kann.
von Sören Marotz (04.09.2013)

Auf der Suche nach einem farbenfroheren Rasenmäher für die Installation „Datsche" in unserer Ausstellung hoffte ich als Praktikant zunächst darauf, einen bunten Mäher vom Typ „Trolli" im Depot ausfindig machen zu können. Der jetzige versprüht mit seinem Armeegrün ein wenig den Hauch von NVA. Egal ob in blau, rot oder gelb - hauptsache kein „Tarnanstrich" mehr, dachte ich. Ich fand auch schnell mehrere „Trollis" in verschiedenen Lackierungen, sogar einen Luftkissenmäher vom Typ 42, mit dem das Rasenmähen (aus eigener Erfahrung) richtig Spaß machen kann.

Und dann trat eine graue Originalverpackung mit einem aufgeklebten Etikett zu Tage, auf der ich beim Überfliegen neben einer Abbildung die Worte „Rasenmäher ZRM 450" und „Farbe: rot" las. Ein nagelneuer Rasenmäher und dann noch in Rot, der musste in die Ausstellung! Also hob ich den Deckel voller Euphorie ab und... halt da fehlt doch was! Wo war hier bitte der Motor? Außer einem neuwertigen Rasenmähergehäuse mit Schneidmesser und zusammengefalteter Lenkstange war nichts weiter in dem Karton. Aber in der Ecke lag ja noch eine Bedienungsanleitung mit einem Garantieschein: „Der Rasenmäher ZRM 450 ist ein Zusatzgerät zur Elektrohandbohrmaschine vom Typ HBM 450.2 bzw. SBM 450.2 ..."- das also war des Rätsels Lösung! Eine Handbohrmaschine aus schmalkaldener Produktion musste also noch her- was es nicht alles gab! Die Bohrmaschine musste bei diesem Zusatzgerät einfach ohne Bohrfutter direkt in die Rotorlagerung eingesteckt, im Klemmkopf festgespannt und das Kabel an den Kabelklemmen befestigt werden. Fertig war der Rasenmäher. Einfach aber genial und laut Bedienungsanleitung eine echte Gebrauchswerterhöhung ...der Bohrmaschine!

Hergestellt wurde das „Zusatzgerät ZRM 450" übrigens im „VEB Kombinat Fortschritt" Bereich Landmaschinen, Werk Neustadt in Sachsen und kostete den Endverbraucher im Jahr 1981 ganze 178 Mark. Dass ein derartiges Konsumgut im Kombinat für Landmaschinen produziert wurde, war vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Kombinate neben ihren eigentlichen Aufgaben mit mindestens zehn Prozent des Gesamtvolumens ihrer Fertigung auch an der Abdeckung der Konsumgüterproduktion beteiligt waren.

Ab sofort kann dieses Kuriosum ostdeutscher Rasenmäherproduktion in unserer Ausstellung bestaunt werden.

Marcel Bürger

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