„Wir wollen freie Menschen sein!“ Gestern auf der Ausstellungseröffnung…

Unser wissenschaftlicher Leiter Dr. Stefan Wolle hat für eine Ausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung sämtliche Texte geschrieben und bei der Bildauswahl mitgearbeitet. Die Plakatausstellung „Wir wollen freie Menschen sein! Der DDR-Volksaufstand vom 17. Juni 1953." wurde gestern im Finanzministerium in Berlin feierlich eröffnet. Ich begleitete Dr. Wolle um Fotos zu machen, folgend nun mein Bericht.
von Melanie Alperstaedt (30.01.2013)

Unser wissenschaftlicher Leiter Dr. Stefan Wolle hat für eine Ausstellung der Bundesstiftung Aufarbeitung sämtliche Texte geschrieben und bei der Bildauswahl mitgearbeitet. Die Plakatausstellung „Wir wollen freie Menschen sein! Der DDR-Volksaufstand vom 17. Juni 1953." wurde gestern im Finanzministerium in Berlin feierlich eröffnet. Ich begleitete Dr. Wolle um Fotos zu machen, folgend nun mein Bericht.

Zunächst wundern Sie sich vielleicht über den Ort: Warum eine Ausstellung im Bundesfinanzministerium? Der Grund ist, dass das heutige Detlev-Rohwedder-Haus, in dem sich zu DDR-Zeiten das „Haus der Ministerien" befand, am 17. Juni 1953 das Ziel zehntausender demonstrierender DDR-Bürger war.

Um 11:30 begann die Veranstaltung, die live im Deutschlandfunk übertragen wurde. Der erste Redner war der Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble, der die Gäste begrüßte. Dann betrat Dr. Wolle das Podium und begann mit einer historischen Einordnung der Ereignisse am 17. Juni 1953. Genau 10 Minuten war dafür Zeit, denn die ganze Veranstaltung war sehr genau durchgeplant. Es folgte eine sehr ergreifende Podiumsdiskussion, an der folgende Persönlichkeiten teilnahmen:

Besonders berührend war es, wie emotional die Zeitzeugen von diesem Tag berichten. Herr Gronau war als 16 jähriger junger Mann mit dabei und berichtete bildhaft von den Panzern und der erfahrenen bedrohlichen Situation. Er ließ die Zuhörer an seinem eigenen Befinden teilhaben und erweckte damit Geschichte, die so fern erscheint, zum Leben. Das kann nicht jeder.

Nach der Diskussionsrunde gab es ein kleines Konzert von Wolf Biermann, der drei seiner Lieder sang. Dies war einer meiner persönlichen Höhepunkte, da ich Herrn Biermann noch nie live gesehen habe, sondern nur im Fernsehen oder im Internet. Daher empfand ich es als besonders toll, in solch einer kleinen Runde einige Lieder zu hören. Der Rahmen war persönlich, Biermann stimmte seine Gitarre oder fragte auch nach Liederwünschen. Es war ganz anders, als bei einem großen Konzert! Es war etwas weniger kühl-perfekt, sondern einfach menschlich und nah am Publikum. Die Art, wie Biermann Lieder vorträgt hat mich berührt. Am liebsten hätte ich ihn beim Empfang angesprochen, habe mich aber nicht getraut. Man möchte ja auch nicht zu sehr als Fan auftreten oder gar Herrn Biermann auf die Nerven gehen!

Auf dem erwähnten Empfang konnte man dann knapp eine Stunde lang eine Kleinigkeit essen, sich mit den Anwesenden unterhalten und sich die im Foyer aufgebaute Ausstellung ansehen. Nach einigen Gesprächen ging es dann zurück in den großen Festsaal, um an einer kleinen Führung durch das Detlev-Rohwedder-Haus teilzunehmen.

Die Führungsreferenten haben es gut verstanden, die bedeutungsvolle Geschichte des Gebäudes zu erklären. Damals zur Nazi-Zeit als Reichsluftfahrtministerium gebaut, besitzt das Gebäude 2000 Büroräume und zwei große Säle, die von den Nazis für Veranstaltungen genutzt worden sind. Der Festsaal ist dabei noch heute etwas einschüchternd, denn mit neun Metern Höhe und etlichen Quadratmetern ist dieser Saal wirklich ungewöhnlich groß. Man kennt diese Ausmaße heutzutage gar nicht mehr und schlucken musste ich, als einer der Führungsreferenten erklärte, dass dieser Saal ca. den Ausmaßen von Adolf Hitlers damaligem Büro entsprach. Das ist, selbst wenn man sich sitzend in diesem Saal befindet, nur schwer zu erfassen.

Nach dem zweiten Weltkrieg erfolgte die Entfernung sämtlicher Nazi-Symbole und Inschriften, der Saal wurde umgestaltet und so war er weiterhin ein Ort für wichtige historische Ereignisse. Am 7.10.1949 erklärte sich der Deutsche Volksrat hier zur provisorischen Volkskammer und rief die Deutsche Demokratische Republik aus. Einige Tage später wurde Wilhelm Pieck zum ersten Präsidenten der DDR gewählt. Da der Saal auch für Pressekonferenzen genutzt wurde, fand im besagten Festsaal am 15. Juni 1961 eine sehr bekannte Pressekonferenz statt. Zur Situation in Berlin äußerte sich der damalige Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht mit den Worten „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu errichten". Nur zwei Monate nach dieser Aussage begann der Mauerbau, dessen Ergebnis viele Menschen das Leben kosten sollte.

Hier sehen Sie den Bericht aus der Tagesschau.

Auf der Internetseite der Stiftung Aufarbeitung finden Sie alle Informationen zu der neuen Ausstellung und können diese sogar online bestellen.


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