Winter im Sommer – Frühling im Herbst: Erinnerungen von Joachim Gauck

von Melanie Alperstaedt (05.05.2015)

 Über  die Erinnerungen eines Bundespräsidenten zu schreiben ist für manch einen Leser vielleicht einfach, auf mich wirkt diese Aufgabe eher ein wenig einschüchternd. Und so möchte ich Ihnen heute zwar gern „Winter im Sommer – Frühling im Herbst“ von Joachim Gauck vorstellen, mich mit einer detaillierten Bewertung jedoch zurückhalten. Denn ich glaube, dass dieses Buch alleine schon aufgrund des bewegten Lebens von Herrn Gauck und seiner eigenen, ganz persönliches Perspektive darauf, sehr lesenswert ist.

Eine kurze und prägnante Zusammenfassung seines Lebens findet sich auf dem Einband des Buches und ich bin beeindruckt, wie man so viel Leben in so wenig Sätze verpacken kann:

„Joachim Gauck, geboren 1940 in Rostock studierte Theologie und war viele Jahre als evangelischer Pfarrer tätig. Schon in seiner Jugendzeit trat der spätere Mitbegründer des Neuen Forums in Opposition zum Sozialismus und zur Diktatur der DDR. Von 1990 bis 2000 war er dann der erste Bundesbeauftragte für die Unterlagen der Staatssicherheit. Seit 2003 ist er Vorsitzender des Vereins „Gegen Vergessen – Für Demokratie. Er lebt in Berlin.“

Ein Punkt fehlt jedoch in dieser offiziellen Beschreibung des Verlags, und das vermutlich nicht zufällig: Er wurde am 18. März 2012 von der Bundesversammlung zum elften Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Gerade jüngere Menschen werden ihn vielleicht und leider nur in der Funktion des Staatsoberhauptes kennen. Doch das ist meiner Meinung nach zu wenig! Sicherlich ist dies ein sehr wichtiges Amt, aber sein persönliches und politischen Engagement in der DDR-Opposition und für die Auf- und Erklärung der DDR-Geschichte ist meiner Meinung nach ein ebenso herausragender Verdienst an der Deutschen Gesellschaft.

Mit diesem Buch begleiten Sie eine eindrucksvolle Persönlichkeit durch ihr Leben. Dabei  ist es weniger eine Aufzählung von Ereignissen, sondern mehr eine Teilhabe des Lesersan persönlich bedeutsamen Momenten. Dies ist sicherlich der Offenheit und dem Schreibstil Gaucks zu verdanken, den auch der Historiker istoriker HIlko-Sascha Kowalczuk betont: „Eines der wichtigsten, besten und dazu noch lesbarsten Bücher über die DDR.“ Man fühlt sich bei der Lektüre  wie bei einem spannenden Gespräch, in dem man mehr, als nur Informationen gewinnt. Man bekommt einen Eindruck von dem, was Gauck beeindruckt oder was er bei seinen Erlebnissen empfunden hat. Die Lektüre nimmt einen mit, lässt einen nah an den Autoren heran und hinterlässt Sätze im Kopf, die man nicht so leicht vergisst.

„Wo ich jetzt lebe (…) möchte ich sein, aber ich kann immerfort auch gehen.“ S.331 

Sollten Sie Zeit zum Lesen haben und sich für DDR-Geschichte interessieren, zögern Sie nicht!                                                                                           

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