Weiße Flecken in der Universitätsgeschichte – Lesung im DDR Museum

Dass sich die Ideologie der DDR-Staatsmacht auch im Universitätswesen und Studium der ehemaligen Studenten wiederspiegelte und auch in diesem Bereich enorm Einfluss nahm, ist wohl unumstritten. Doch wie genau wurden Lehrinhalte, Vorlesungen, das Personalwesen an den Hochschulen und die Lebensläufe der Studenten in der ehemaligen DDR beeinflusst? Wie viele Studenten wurden aufgrund individueller Lebenspläne und angeblich staatsfeindlicher Einstellungen von den Universitäten verwiesen, wie vielen wurde die Fortsetzung Ihres Studiums untersagt und wer waren die ausübenden Personen?
von Admin (02.05.2011)

Dass sich die Ideologie der DDR-Staatsmacht auch im Universitätswesen und Studium der ehemaligen Studenten wiederspiegelte und auch in diesem Bereich enorm Einfluss nahm, ist wohl unumstritten. Doch wie genau wurden Lehrinhalte, Vorlesungen, das Personalwesen an den Hochschulen und die Lebensläufe der Studenten in der ehemaligen DDR beeinflusst? Wie viele Studenten wurden aufgrund individueller Lebenspläne und angeblich staatsfeindlicher Einstellungen von den Universitäten verwiesen, wie vielen wurde die Fortsetzung Ihres Studiums untersagt und wer waren die ausübenden Personen?

Auf der am 20. und 21. Mai 2010 vom Forschungsverbund SED-Staat veranstalteten Tagung „Repression und Widerstand an den Hochschulen der SBZ/ DDR" wurde die Aufarbeitung der DDR-Geschichte an den Hochschulen und Universitäten diskutiert und kritisiert.

Bezugnehmend auf diese Diskussion fand am 28. April 2011 eine Lesung im Besucherzentrum des DDR Museum statt. Das vorgestellte Buch „Unter Hammer und Zirkel. Repression, Opposition und Widerstand an den Hochschulen der SBZ/ DDR" ist ein Sammelband zum Thema, herausgegeben vom Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin. Ein Bestanteil des Sammelbands ist die Druckfassung des auf der oben genannten Konferenz präsentierten Vortrags von Ilko-Sascha Kowalczuk. Der Historiker stellte am Beispiel der Dissertation und Habilitation von Jan-Hendrik Olbertz die Frage nach der Verstrickung der DDR-Wissenschaft in die SED-Ideologie und regte damit eine heftige Diskussion an. Während der Lesung stellte er im Gespräch mit Dr. Jochen Staat (Historiker und Mitarbeiter des Forschungsverbunds der FU) und Dr. Stefan Wolle (wissenschaftl. Leiter des DDR Museum) dar, welche Beweggründe ihn zu dieser Kritik veranlassten und wo er nach wie vor Schwachstellen in der Aufarbeitung der Geschichte sieht.

Während der überwiegend akademischen Diskussion machte Hr. Kowalczuk deutlich, dass eine wissenschaftliche Aufarbeitung zum Thema der Einwirkung des SED-Staates auf die Universitäten und Hochschulen in der DDR nahezu unmöglich ist, da keine Zahlen und Fakten vorliegen bzw. nicht zugänglich seien. Mit seinen Ausführungen und sachkundigen Auskünften versetzte der Referent das anwesende Publikum ins Staunen, denn die Gründe für das Ausbleiben der Aufarbeitung dieses Themas sowie die damit verbundenen weißen Flecken in der Geschichte der Universitäten ist nicht erklärlich.

Wir sind gespannt, wie sich diese Diskussion fortsetzt und verfolgen weiterhin den Stand der „Ermittlungen" :)

Wer sich derweil tiefgründig mit diesem Thema beschäftigen oder sich einen eigenen Eindruck verschaffen möchte kann beim Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin den Sammelband bestellen.

Wir danken den Referenten für einen interessanten Abend und freuen uns auf die nächste Veranstaltung am 10. Mai 2011 im DDR Restaurant Domklause.

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