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Weinen in der Dunkelheit

Heute stellen wir Ihnen einen Schatz aus unserer Bibliothek vor, dessen Neuausgabe wir im Jahre 2011 schon mit einer Veranstaltung in unserem Besucherzentrum "gefeiert" haben. Die erste Ausgabe ist allerdings bereits im Jahre 1992 erschienen. Die Rede ist von Ursula Burkowskis bewegender Lebensgeschichte, deren erster Teil unter dem Namen "Weinen in der Dunkelheit - Das Schicksal eines Heimkindes in der DDR" erschienen ist.
von Admin (29.07.2014)

Heute stellen wir Ihnen einen Schatz aus unserer Bibliothek vor, dessen Neuausgabe wir im Jahre 2011 schon mit einer Veranstaltung in unserem Besucherzentrum "gefeiert" haben. Die erste Ausgabe ist allerdings bereits im Jahre 1992 erschienen. Die Rede ist von Ursula Burkowskis bewegender Lebensgeschichte, deren erster Teil unter dem Namen "Weinen in der Dunkelheit - Das Schicksal eines Heimkindes in der DDR" erschienen ist.

Ursula Burkowski ist zwei Jahre alt, als sie und ihre Geschwister 1953 in Berlin-Kaulsdorf von ihrem Großvater gefunden werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Geschwister seit einer Woche allein und auf sich gestellt - die Mutter hat sich in den Westen abgesetzt und ihre Kinder sich selbst überlassen. Es ist Winter. Die Kinder sind halb verhungert, die Haare des Jüngsten sind an den Gitterstäben seines Bettchens festgefroren. So beginnt das Leben von Ursula und damit das Buch.

Das Mädchen wird von ihren Geschwistern getrennt und kommt in das Kinderheim Königsheide, der Vorzeigeanstalt in der DDR. Fortan ist ihr Leben geprägt von einer Lieblosigkeit und Einsamkeit, wie sie wohl in allen Kinderheimen dieser Zeit gang und gäbe war. Über die Jahre erfährt sie alle Facetten der staatlichen Heimerziehung: Stubenapelle und Stubenarrest, Kollektiv-Bestrafung, herzlose Pflegeeltern, gleichgültige Erzieher, Politdrill und Indoktrinierung. Was ihr selbst erspart blieb, erlebt sie mit bei Freundinnen und Freunden: Drakonische Strafen, homosexuelle Praktiken an Kindern seitens eines Erziehers, Missbrauch und Schwangerschaft einer Dreizehnjährigen. Der kindliche Glaube an die Unfehlbarkeit der Erwachsenen wird sehr früh zerstört und sie lernt schnell, dass man keinem Menschen trauen kann. Auf der Suche nach Liebe wird sie immer wieder ausgenutzt und ist am Ende im Alter von 17 Jahren ungewollt schwanger. Damit beginnt die Heimgeschichte für ihren Sohn von Neuem.

Das Buch ist in kurzen, chronologischen Kapiteln geschrieben, der Schreibstil ist flüssig, lebendig und mitreißend. Ursula beschreibt in "Weinen in der Dunkelheit" ihre Entwicklung vom Kind zur Erwachsenen und wie sie lernt, im System der DDR mit all seinen Einrichtungen zu funktionieren, es aber dennoch schafft, sich selbst dabei nicht aufzugeben.

"Weinen in der Dunkelheit - Das Schicksal eines Heimkindes in der DDR" erschien erstmals 1992 und fand starke Beachtung in Medien und Politik. Es gilt als ein zentrales Buch zum Thema Heimerziehung und wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Ursula Burkowski will mit ihrer Geschichte und ihren Erfahrungen weniger anklagen, als viel mehr Verständnis wecken für damalige, derzeitige und künftige Heimkinder. Sie will "[...] zeigen, wie Kindern und Jugendlichen, die ohne Elternhaus aufwachsen, zumute ist. Denn wer weiß das schon? Wer macht sich schon Gedanken darüber, warum Kinder, wenn man sie befragt, über sich selbst schweigen?" (vgl. Vorwort). Das Buch bildet zugleich den Auftakt ihrer Biografie-Trilogie, die sich in den Büchern "Draußen!" und "Es gibt kein Zurück" fortsetzt.

Die vorliegende 1. Auflage der Neuausgabe ist im Jahre 2011 im Jaron Verlag Berlin erschienen. Es hat die ISBN 978-3-89773-647-4 und ist für nur 8,95 € erhältlich - natürlich sowohl vor Ort im DDR Museum als auch in unserem Online-Shop!

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