Was bleibt von der DDR?

Part V: Das Ampelmännchen

Bis heute erfreut sich das Ost-Ampelmännchen großer Beliebtheit, wirkt es auf viele doch dynamischer und sympathischer als das West-Pendant. Deutlich zeigt es, wann die Fußgänger stehen und wann gehen sollen.
von Elke Sieber (06.04.2016)

Teil 1: Das Ampelmännchen

Bis heute erfreut sich das Ost-Ampelmännchen großer Beliebtheit, wirkt es auf viele doch dynamischer und sympathischer als das West-Pendant. Deutlich zeigt es, wann die Fußgänger stehen und wann gehen sollen.

Erfinder des Ost-Ampelmännchens war der leitende Verkehrspsychologe der DDR, Karl Peglau, der am 13. Oktober 1961 seinen ersten Entwurf bei der Verkehrskommission in Ost-Berlin vorstellte. Ziel war es, die Unfallgefahren im anwachsenden Straßenverkehr zu senken. Psychologisch betrachtet sollten die ursprünglichen Verkehrsampeln durch Farb-Form-Signale ergänzt werden, um von Fußgängern bewusster wahrgenommen zu werden. Allen voran Kinder sollten auf die sympathischen Männchen aufmerksam werden. Etwas bange war ihm wohl wegen des bürgerlich-kapitalistischen Symbols, dem Hut, den der Ampelmann auf dem Kopf trug. Doch die roten und grünen Männchen passierten die kritische Begutachtung der Forschungsräte und Verkehrsbeamten und waren fortan aus dem Straßenbild der DDR nicht mehr wegzudenken. Lediglich die Laufrichtung wurde geändert: Das sozialistische Ampelmännchen sollte von rechts nach links laufen.

Die Einführung der Ampelmänner verzögert sich jedoch bis 1963. Die Männchen sind zu groß und passen nicht in die benutzten Ampelanlagen, weshalb sie letztlich verkleinert und vereinfacht werden. Peglau muss amputieren, er entfernt Finger, Ohren und Mund. Die Ampelmänner schrumpfen auf 16 Zentimeter. Weitere Jahre vergehen, bis die erste Erprobung des Ampelmännchens Unter den Linden 1969 zum vollen Erfolg wird. Für farbenblinde und sehschwache Menschen sind sie geeignet und insbesondere Kinder können mit den Symbolen etwas anfangen.

1982 wurden die Ampelmännchen sogar zu Fernsehstars. Der DEFA-Regisseur Friedrich Rochow nutzte sie in seinen Verkehrserziehungs-Filmen für Kinder als „Über-Ich“, die den Schulkindern mit Rat und Tat zur Seite standen. Nach der Wiedervereinigung dann liefen die sympathischen Verkehrsordner Gefahr auf dem Müll zu landen. Sie wurden abmontiert und sollten verschrottet werden. Euro-Ampeln sollen die Männchen ersetzen. Jedoch gründet sich ein Komitee „Rettet die Ampelmännchen!“, um ein Stück DDR und Heimat im Osten zu bewahren und setzt sich 1997 durch.

Die meisten für Verkehr zuständigen Ministerien in den Neuen Bundesländern gaben daraufhin Empfehlungen heraus, die Ost-Ampelmännchen bevorzugt einzusetzen. Dies solle vor allem bei Neu- oder Umbauten von Ampeln geschehen, um der "ostdeutschen Identität Ausdruck zu verleihen". Der Bund hingegen setzte auf die Euro-Ampelmännchen. Eine deutschlandweite Auswechslung stand nie zur Debatte.

Markus Heckhausen hatte 1995 die Idee aus den ausgedienten Ampelmännchen Lampen zu bauen. Schnell vergrößerte sich die Produktpalette und eine Marke etablierte sich, mit der sich letztlich sogar der Erfinder des Ampelmännchens identifizieren konnte. Heute ist das Ampelmännchen nicht nur für Berlinurlauber Kult.

(Quellen: http://ampelmann.de/html/geschichte.html

http://www.spiegel.de/einestages/ampelmaennchen-aus-aller-welt-auf-mein-zeichen-los-a-947343.html)

 

Bilder: By ANKAWÜ (Own work).

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