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Eine Peter-Fechter-Str. in Berlin wird angedacht

Genau 50 Jahre ist es her, dass Peter Fechter von DDR-Grenzern angeschossen wurde. Es trafen ihn bei seinem Fluchtversuch mehrere Kugeln, er ging zu Boden, flehte um Hilfe und wurde von den DDR-Grenzern gut eine Stunde lang sterbend im Grenzstreifen liegengelassen.
von Melanie Alperstaedt (17.08.2012)

Genau 50 Jahre ist es her, dass Peter Fechter von DDR-Grenzern angeschossen wurde. Es trafen ihn bei seinem Fluchtversuch mehrere Kugeln, er ging zu Boden, flehte um Hilfe und wurde von den DDR-Grenzern gut eine Stunde lang sterbend im Grenzstreifen liegengelassen. Es gab vor Ihm schon Maueropfer und nach ihm auch, aber sein Sterben war öffentlich und wurde fotografisch festgehalten. Es gab zahlreiche Zeugen auf der Westseite der Mauer und die Bilder des toten Peter Fechters gingen um die Welt.


Schon im Vorfeld dieses Jahrestages gab es einige Artikel in den Zeitungen und ein weiteres Buch wurde zu diesem Thema veröffentlicht. Inzwischen steht auch die Forderung im Raum, eine Straße nach Peter Fechter zu benennen. Viele befürworten das und auch ich fände solch einen Straßennamen gut und richtig. So viele Straßen in Berlin tragen belanglose Namen, manche sind sogar nur mit Zahlen betitelt! Ich kann aber auch verstehen, dass solch eine Namensänderung viel Aufwand für die Anwohner bedeutet. Jeder von ihnen müsste zum Bürgeramt und seinen Ausweis ändern, und in einer langen Berliner Straße können tausende Menschen wohnen. Daher fände ich persönlich auch gut, wenn man evtl. einen Park nach Peter Fechter benennt.


Beim Blättern durch die Zeitungen fiel mir nun ein Leserbrief auf, der mich zum Nachdenken brachte. Dort schlug jemand vor, eine Straße nicht nach einem einzigen Maueropfer zu benennen, sondern diese Straße allen Maueropfern zu widmen. Dies könnte durch Namen wie z.B. „Straße der Mauertoten" oder „Platz der Maueropfer" geschehen. 


Auf der einen Seite gibt eine namentliche Benennung einer Straße dem Unrecht und den Opfern ein konkretes Gesicht. Peter Fechter könnte somit als „Symbol für alle Mauertoten" verstanden werden, die ja nicht anonyme Menschen waren, sondern Persönlichkeiten mit einem eigenen Leben, die geliebt wurden und um die noch heute getrauert wird.
Andererseits drückt meiner Meinung nach der Name einer Person, egal welcher, nicht die Bedeutung der großen Anzahl der Opfer aus. Eine „Straße der Mauertoten" oder ein „Platz der Maueropfer" ist meiner Meinung nach deutlicher, eindrücklicher und bedrückender. Ich bin mir dabei durchaus bewusst, dass solch ein Name kein angenehmer ist und dass vermutlich viele Anwohner sich daran stören würden. Aber dieses Kapitel der Geschichte ist unangenehm, es ist bedrückend und furchtbar und sollte meiner Meinung nach im Gedenken an die Opfer auch genauso sein. Als Kompromiss könnte man hier mit Rücksicht auf die Anwohner ja auch einen Park oder einen Platz mit möglichst wenig Wohnhäusern auswählen. Nur wird dies im Zentrum Berlins, wo sich solch eine Würdigung befinden sollte, leider sehr schwierig werden.

Ich werde daher die Diskussion über die Umbenennung einer Straße zur Würdigung der Maueropfer mit Spannung weiterverfolgen...

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