Versorgungslage und Mangel in der 1980ern. Ein Aufsatz von Matthias Judt.

Für Sie gelesen: Matthias Judt: „Bananen, gute Apfelsinen, Erdnüsse u.a. sind doch keine kapitalistischen Privilegien“. Alltäglicher Mangel am Ende der 1980er Jahre in der DDR, in: DA, 12.03.2013, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/163470/bananen-gute-apfelsinen-erdnuesse-u-a-sind-doch-keine-kapitalistischen-privilegien?p=0, abgerufen am 23.09.15.
von Elke Sieber (24.09.2015)

Für Sie gelesen: Matthias Judt: „Bananen, gute Apfelsinen, Erdnüsse u.a. sind doch keine kapitalistischen Privilegien“. Alltäglicher Mangel am Ende der 1980er Jahre in der DDR, in: DA, 12.03.2013, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/163470/bananen-gute-apfelsinen-erdnuesse-u-a-sind-doch-keine-kapitalistischen-privilegien?p=0, abgerufen am 23.09.15.

 

Matthias Judt ist ein anerkannter Wirtschaftshistoriker, der zur Geschichte des deutschen Einzelhandels sowie zum Bereich „Kommerzielle Koordinierung“ forscht. Er arbeitet am Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam.

In seinem Aufsatz im Deutschland Archiv befasst sich Judt mit der verschlechterten Versorgung mit Konsumgütern und Waren des alltäglichen Bedarfs in den 1980er Jahren. Er stellt die These auf, dass die Versorgungsengpässe und schlechtere Versorgung gegenüber den 70er Jahren zu einer zunehmend schärferen Kritik an der Staatsobrigkeit und letztlich zu einem umfassenden Unmut gegenüber dem politischen System führte.

Anhand von erhobenen Statistiken und weiteren Quellen weist Judt nach, dass die Warenversorgung tatsächlich sich in den 1980er Jahren vehement verschlechterte: das technische Niveau der langlebigen Konsumgüter, wie Fernseher, Kühlschränke oder PKWs, blieb nahezu unverändert gegenüber dem Beginn der 1970er. Außerdem wuchsen die Spareinlagen, während Gehälter stiegen, da häufig der vorhandenen Kaufkraft keine geeignete Warenmenge gegenüber stand, sei es bei Textilien als auch bei Obst und Gemüse. Viele Menschen griffen auf die Möglichkeit zurück zu überhöhten Preisen ihren Bedarf wenigstens teilweise in Exquisit- und Delikatläden zu decken. Doch der Unmut über die leeren Regale in den regulären Kaufhallen stieg. In diesen Kaufhallen fand man nicht nur einen Mangel an Produkten, sondern häufig auch ein Mangel an Qualität und Sortimentsbreite vor, der oftmals einem verstärkten Export geschuldet war.

Judt führt ferner aus, wie die Menschen durch ihre Verärgerung und die zunehmende Verschlechterung des Warenangebotes über das Jahrzehnt bereit wurden, deutlicher und verstärkter Kritik an den Versorgungsschwierigkeiten zu üben und auch auf die bessere Versorgung der Bundesrepublik nachdrücklicher hinzuweisen. Er belegt anhand von MfS-Stimmungsberichten, dass sich nach und nach diese wirtschaftliche Kritik zur politischen wandelte, da das SED-Regime durch das Ausbleiben von Verbesserungen und Selbstkritik an Vertrauen und Glaubwürdigkeit einbüßte. Das letztliche Eingeständnis von Fehlern und folgende Rücktritte im Herbst 1989 kamen zu spät. Die Maueröffnung im November 1989 ermöglichte dann den DDR-Bürgern sich selbst einen Eindruck von der Warenwelt des Westens zu machen. Der Rest ist Geschichte.

Wer sich für die wirtschaftliche Lage der DDR in den letzten beiden Jahrzehnten interessiert, hat hier die Möglichkeit sich wissenschaftlich fundiert zu informieren und eine Einsicht in die systemzersetzende Wirkung der Konsumwünsche einer Mangelgesellschaft zu erhalten.

Abzurufen ist der Aufsatz über den oben genannten Link auf der Seite der Bundeszentrale für politische Bildung.

 

 

 

Bild: Bundesarchiv, Bild 183-U0202-400 / Link, Hubert / CC-BY-SA 3.0 [CC BY-SA 3.0 de (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)], via Wikimedia Commons.

 

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