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Vergnügliche Geschichten aus dem Alltag der DDR

Mark Scheppert erzählt in 30 Geschichten, die unterschiedliche Themen behandeln, aber dennoch miteinander verwoben sind, von seinem Alltag in der DDR. Wiedergefunden hatte er sich in der bisherigen DDR-Literatur nicht. Deshalb machte er sich daran, selbst ein Buch zu verfassen, das in Kurzgeschichten auf leichte Weise ein „DDR-Gefühl“ vermitteln soll. Seine „Mauergewinner“-Geschichten heben dabei auf das menschliche Miteinander ab, das nicht nur für Ostdeutsche einen großen Wiedererkennungswert besitzt.
(20.08.2015)

Mark Scheppert erzählt in 30 Geschichten, die unterschiedliche Themen behandeln, aber dennoch miteinander verwoben sind, von seinem Alltag in der DDR. Wiedergefunden hatte er sich in der bisherigen DDR-Literatur nicht. Deshalb machte er sich daran, selbst ein Buch zu verfassen, das in Kurzgeschichten auf leichte Weise ein „DDR-Gefühl“ vermitteln soll. Seine „Mauergewinner“-Geschichten heben dabei auf das menschliche Miteinander ab, das nicht nur für Ostdeutsche einen großen Wiedererkennungswert besitzt.

Mit Witz und selbstkritischem Blick schaut er auf seine Erlebnisse im Ferienlager, beim FKK, beim Ausgehen, mit Mädchen oder erste Begegnungen mit der Staatssicherheit. Er stellt dar, welche Dinge im DDR-Alltag eines Jugendlichen von Bedeutung waren und macht damit deutlich, wie wenig sich die Interessen und Probleme zu denen der westlichen Altersgenossen unterschieden. Allerdings waren die Sehnsüchte oftmals schwieriger zu befriedigen.

Spannend untermalt er außerdem, warum er sich und seine Familie als Wessis des Ostens wahrnahm. Sie lebten in einer Neubauwohnung in Berlin, nicht wie die Oma mit Plumpsklo und Kohleheizung im Altbau, auch nicht wie die Familie mütterlicherseits in der schlechter mit Konsumgütern und Westfernsehen versorgten sächsischen Provinzstadt Zwickau.

Ferner lässt er uns auch an seinen besonderen Einblicken teilhaben. So etwa beschreibt er die Karriere seiner Mutter als Sekretärin von Schalck-Golodkowski bei der Kommerziellen Koordinierung oder die Verbindung seines Vaters, dem Trainer des SC Dynamo, zu Jan Ullrich oder Franzi van Almsick.

Darüber hinaus enthalten viele Geschichten einen Ausblick auf die Nachwendezeit; auf das, was gleich geblieben ist, auf das was sich verändert hat. Nicht nur an Ostdeutschland, sondern auch an den Menschen aus seiner Jugend. Lebendig und liebevoll schreibt Scheppert über seine Vergangenheit und seine Weggefährten. Man kann miterleben, was er für Erfahrungen gesammelt hat, empfunden hat und heute empfindet.

Es ist ein Buch, das aber gleichzeitig Einblick in das Erleben einer ganzen Generation gibt, die den Westen nur von der Ferne kannte. Am Ende des 5. Kapitels schildert er treffend das Dilemma dieser Altersgruppe der „Spätgeborenen“, das er am Ende des Buches widerholt: „Wir haben eine geteilte Vergangenheit mit Eltern, die sich über ihre DDR definieren, und Kindern, die diese nicht mehr kennen. (…) Wir versuchen zu sein wie Vorzeige-Wessis und drücken noch immer erfolgreichen Ossis besonders die Daumen. Wir sagen nie, dass früher alles besser war, aber auch nicht, dass es heute so ist. Es wird Zeit, dass wir ernst genommen werden.“(S. 46)

Das Buch ist jedem zu empfehlen, der sich für das Leben eines „normalen“ Jugendlichen in der DDR interessiert, der weder Dissident noch linientreuer Sozialist war. Ein Buch, das sich ehrlich mit einer Vergangenheit in der Diktatur auseinandersetzt, ohne diese im Nachhinein zu verklären oder zu verteufeln.

Wer neugierig geworden ist, findet Mark Schepperts Publikation „Mauergewinner oder ein Wessi des Ostens. 30 vergnügliche Geschichten aus dem Alltag der DDR, erschienen bei Books on Demand 2009, unter der ISBN: 978-3-8391-9250-4. Für einen Zwangsumtausch von 14,90 EUR nimmt er uns mit auf die Reise in den untergegangenen Staat seiner Jugend.

 

 


 

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