Vera Lengsfeld las aus ihrer Biografie und beantwortete zahlreiche Fragen aus dem Publikum

Die gestrige Veranstaltung war für mich persönlich einer der Höhepunkte unserer diesjährigen Veranstaltungsreihe. Dies ergab sich jedoch erst im Laufe des Abends, der nicht nur lehrreich, sondern dank Vera Lengsfeld auch sehr unterhaltsam war. Aber nicht lustig im Sinne von reiner Unterhaltung, sondern eher herzerwärmend-erfrischend. Man lernte Frau Lengsfeld ein wenig kennen (so weit man von "Kennenlernen" in der Öffentlichkeit überhaupt sprechen kann) und man erfuhr, wie sie mit der Vergangenheit und den erlittenen Repressalien umgeht. Und überraschender Weise lag an diesem Abend wenig Verbitterung oder Wut,  sondern viel erfrischende Lebensfreude in der Luft. Ich gebe gerne zu: Ich war beeindruckt von Frau Lengsfeld.
von Admin (04.11.2011)

Die gestrige Veranstaltung war für mich persönlich einer der Höhepunkte unserer diesjährigen Veranstaltungsreihe. Dies ergab sich jedoch erst im Laufe des Abends, der nicht nur lehrreich, sondern dank Vera Lengsfeld auch sehr unterhaltsam war. Aber nicht lustig im Sinne von reiner Unterhaltung, sondern eher herzerwärmend-erfrischend. Man lernte Frau Lengsfeld ein wenig kennen (so weit man von "Kennenlernen" in der Öffentlichkeit überhaupt sprechen kann) und man erfuhr, wie sie mit der Vergangenheit und den erlittenen Repressalien umgeht. Und überraschender Weise lag an diesem Abend wenig Verbitterung oder Wut,  sondern viel erfrischende Lebensfreude in der Luft. Ich gebe gerne zu: Ich war beeindruckt von Frau Lengsfeld.

Der Abend begann mit einer Anekdote: Unser wissenschaftlicher Leiter Dr. Wolle besuchte die gleiche Schule wie Frau Lengsfeld, allerdings war er zwei Klassenstufen über ihr. Und so begann Frau Lengsfeld auch mit ihrer Schulzeit, schilderte dann die Umstände ihrer Inhaftierung, der erzwungenen Ausreise sowie die darauf folgenden Repressalien gegenüber ihren Kindern.

Sie machte jedoch schon anfangs deutlich, dass es sich bei ihrem Buch nicht nur um eine Biografie, sondern auch um eine Geschichte der Opposition in der DDR in den 80er Jahren ist. Sie fand, dass dieses Kapitel in der Geschichte zu wenig Beachtung fand und thematisierte es daher auch in Ihrem Buch. Sie erläuterte auch, weshalb sie damals nicht den Begriff "Opposition" verwendete: Ihr Ziel war es nicht, die DDR abzuschaffen! Sie wollte aber für Veränderungen kämpfen. Der Mauerfall und eine Auflösung des Staates, das war für Sie damals undenkbar, damit hätte sie nicht gerechnet.

Wie so oft im Gespräch mit Zeitzeugen lernte man viel, im Gespräch mit Frau Lengsfeld wurde dies aber noch durch allgemeine Informationen zu unterschiedlichen Themen erweitert. Besonders ist mir ein Satz im Gedächtnis geblieben: Jeder musste im Kampf gegen das DDR-Regime für sich selbst bestimmen, was er bereit ist zu riskieren. Dies ist ein Gedanke, mit dem Frau Lengsfeld öfter konfrontiert war, der heutzutage aber vielen Menschen (zum Glück!) unbekannt ist.

In der anschließenden Fragerunde beantwortete Frau Lengsfeld viele Fragen, auch einige, die ich sehr persönlich fand. Leider gehört es zu Frau Lengsfelds Lebenserfahrungen, dass der eigene Ehemann mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet und sie somit bespitzelt hat. Fragen hierzu beantwortete sie offen und ehrlich und generell ließ sie das Publikum an ihren Erfahrungen und Gedankengängen teilnehmen.

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