Unterm Strich - Karikatur und Zensur in der DDR

"Eine gute Pointe muss eben sitzen!" Diese Faustregel jeder Satire hatte in der DDR einen Hintersinn, den der Berliner Zeichner Manfred Bofinger 1970 in einer Karikatur unverblümt offenbarte: Er legte den Satz einem Sträfling in den Mund und spielte so darauf an, dass die wirklich treffenden Pointen in der SED-Diktatur nicht erlaubt waren - kein Wunder, dass auch die Zeichnung selbst unveröffentlich blieb. Aus unserer Bibliothek stellen wir Ihnen heute vor: "Unterm Strich - Karikatur und Zensur in der DDR".
von Admin (03.12.2014)

"Eine gute Pointe muss eben sitzen!" Diese Faustregel jeder Satire hatte in der DDR einen Hintersinn, den der Berliner Zeichner Manfred Bofinger 1970 in einer Karikatur unverblümt offenbarte: Er legte den Satz einem Sträfling in den Mund und spielte so darauf an, dass die wirklich treffenden Pointen in der SED-Diktatur nicht erlaubt waren - kein Wunder, dass auch die Zeichnung selbst unveröffentlich blieb. Aus unserer Bibliothek stellen wir Ihnen heute vor: "Unterm Strich - Karikatur und Zensur in der DDR".

Laut Vorwort sei ein Wesensmerkmal satirischer Kunst, besonders der Karikatur, dass die Wirkung ihrer Pointe ganz und gar vom Betrachter abhänge. "Die Komik, die Gewalt des Gelächters liegt in dem Lachenden und keineswegs in dem, worüber er lacht", hat der französische Lyriker und Essayist Charles Baudelaire schon Mitte des 19. Jahrhunderts treffend formuliert. Er erklärte damit zugleich die subversive Qualität von Karikaturen. Deren Beherrschung und Kontrolle können nie vollständig sein, da sich das kritische Potenzial nicht unmittelbar in ihnen selbst, sondern erst beim Publikum entfaltet. Satirische Zeichnungen sind daher zu allen Zeiten besonders misstrauisch beäugt und oft genug unterdrückt worden. Indessen weckten sie stets auch Begehrlichkeiten, ihre elementare Wirkung zu nutzen, um äußere oder innere Gegner zu diffamieren.

Karikaturen erfreuten sich in der DDR größter Beliebtheit, griffen sie doch Themen und Probleme auf, zu denen man sich verbal besser nicht äußerte. DDR-Bürger hatten gelernt, die Botschaften zu erkennen und tieferen Sinn herauszulesen herauszulesen. Der SED wiederum galten politische Zeichnungen als wichtige "Waffe" der Propaganda. Das Buch "Unterm Strich – Karikatur und Zensur in der DDR" zeigt in repräsentativer Auswahl die Entwicklung von der frühen Nachkriegszeit bis ins Jahr der deutschen Vereinigung und dokumentiert nicht nur das ideologisch reduzierte Weltbild und die stereotypen Feindbilder des SED-Regimes, sondern ermöglicht darüber hinaus Einblicke in die Lebenswirklichkeit der Menschen in der Diktatur. Kommentierende Texte und zahlreiche Abbildungen verdeutlichen die Spielräume und Grenzen des gezeichneten Humors und geben auf unterhaltsame Weise tiefe Einblicke in Wesen und Wirklichkeit des SED-Regimes.

Das Buch enthält zudem zahlreiche Beiträge von bekannten Zeichnern und Karikaturisten, die ihre Erlebnisse und Erfahrungen mit dieser Kunstform innerhalb der strengen Vorgaben der DDR beschreiben. So schreiben nach dem Vorwort von Hermann Schäfer im Folgenden

  • Daniel Kosthorst – Zeichen der Zeit. Karikaturen in der DDR
  • Günter Kunert – Neubeginn. „Ulenspiegel“ und „Frischer Wind“
  • Gotthard Brandler – Feindbilder. Karikatur als Waffe
  • Reiner Schwalme – Wunschbilder. Gezeichnete Propaganda
  • Henrike Grimond – Spielräume. Erlaubtes und Gewagtes
  • Andreas J. Mueller – Tabus. Verbotene Bilder
  • Dirk Moldt – Anschläge. Karikaturen der Opposition
  • Rainer Eckert / Daniel Kosthorst – Umbrüche. Friedliche Revolution und Karikatur und
  • Johannes Piepenbrink – Ausblicke. DDR-Karikaturisten zur deutschen Einheit.


Im Anschluss findet der Leser noch Kurzbiografien sowie eine Auflistung aller Autorinnen und Autoren, Literaturhinweise und Bildnachweise.

"Unterm Strich – Karikatur und Zensur in der DDR" ist 2005 begleitend zur gleichnamigen Ausstellung erschienen und hat die ISBN 3-361-00591-4. 

Und eine international bekannte Karrikatur von Roland Beier, die auch im Buch zu finden ist, hängt sogar bei uns in den Verwaltungsräumen des DDR Museums an der Wand... ;-)

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