Spiel des Monats: Die Volkskammerwahlen am 8. Juni 1986

Wählen oder nicht wählen, viel mehr Entscheidungsmöglichkeiten waren dem DDR Bürger nicht gegeben. Dass selbst das nicht einfach war, zeigt unsere Ausstellung mit dem interaktiven Spiel zu den Volkskammerwahlen am 8. Juni 1986.
von Michael Geithner (07.08.2013)

Wählen oder nicht wählen, viel mehr Entscheidungsmöglichkeiten waren dem DDR Bürger nicht gegeben. Dass selbst das nicht einfach war, zeigt unsere Ausstellung mit dem interaktiven Spiel zu den Volkskammerwahlen am 8. Juni 1986.

Angenommen du bist zur Wahl gegangen, und betrittst nun den Raum des Geschehens. Du erhältst einen Zettel mit der Liste der Kandidaten der Nationalen Front. Obwohl es mehrere Parteien gibt, kannst du deren Zusammensetzung im Parlament nicht bestimmen, sondern dich lediglich für oder gegen diese Liste entscheiden. Einfacher gesagt, als getan. Eine Gegenstimme wird nur ungern gesehen und so ist es üblich den Stimmzettel einfach zu nehmen, einmal zu falten und unverändert in die Wahlurne zu werfen. Wenn du trotzdem in die Wahlkabine gehst, erntest du womöglich böse Blicke.

Im Verlaufe des Spieles begegnen dir immer mehr Hindernisse. Wie kann ich mich überhaupt gegen die Liste aussprechen? Wie muss ich die Namen richtig durchstreichen, um ein „Nein" zu äußern? Was passiert wenn ich gar nicht zu Wahl gehe? Was ist, wenn ich mit den Verantwortlichen argumentiere? Wer allen Bemühungen des Staates zum Trotz keine Stimme abgibt, kommt auf die schwarze Liste, wo von der Stasi Name, Geburtsdatum, Wohnort, Parteimitgliedschaft und der Grund der Wahlverweigerung notiert wurden.

Den Ausgang des Spiels bestimmt jeder Spieler selbst. Der Ausgang der Wahlen war fast immer gleich. Am 8. Juni 1986 fanden die Kandidaten der Nationalen Front 99,94 Prozent Zustimmung.

Wer Lust hat, das Ganze mal auszuprobieren, dem sei ein Besuch des Museums ans Herz gelegt und wird dort neben diesem noch viele weitere Spiele finden. Das nächste davon stellen wir nächsten Monat vor.

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