Social Media-Diskussionen: Geschichte zum Mitreden

„Ich missbillige, was du sagst, aber würde bis auf den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen“
von Melanie Alperstaedt (11.12.2013)

„Ich missbillige, was du sagst, aber würde bis auf den Tod dein Recht verteidigen, es zu sagen“

Evelyn Beatrice Hall, englische Schriftstellerin (1868 - 1939)

Geschichte und die eigene Vergangenheit kann und soll diskutiert werden! In Bezug auf die DDR ist beides immer noch so lebendig wie die vielen Millionen Menschen, die in ihr gelebt haben. Die Welt ist bekanntlich nicht schwarz oder weiß, sie ist grau oder bunt, je nachdem.

Seit 2009 ist das DDR Museum nun bereits auf Facebook vertreten. Jedoch gab es zu diesem Zeitpunkt noch keine feste oder starre Strategie, die es umzusetzen galt. Das Team wollte anfangen, mit dabei sein und die Chance nutzen, mit Menschen direkt zu kommunizieren. Sicherlich wusste ich damals, mit welchen Inhalten wir Facebook bespielen sollten, aber neue Ideen wurden entwickelt und vieles hat sich ergeben. Einiges veränderte sich auch aufgrund von neuen Facebook-Vorgaben und manches lernt man erst über die Jahre.

Je überzeugter man von einer Meinung ist, desto schwerer ist es manchmal einen anderen Blickwinkel zu verstehen. Ich spreche dabei nicht von einem inhaltlichen Erfassen oder einer Zustimmung, sondern von dem Interesse daran, wie eine bestimmte Meinung entsteht. Wie kommt es dazu, dass Menschen in aller Öffentlichkeit selbstbewusst vertreten, dass „Maueropfer selbst schuld sind“? Im Privatleben kann man sich dieser Diskussion verweigern, entzieht sich aber gleichzeitig der Verantwortung. Denn wer schweigt, der lässt eine Aussage unwidersprochen stehen, toleriert sie als etwas, das „ja mal gesagt werden kann“. Wer versucht, solche Aussagen inhaltlich zu widerlegen kann die Erfahrung machen, dass es bei solchen Aussagen sich nicht um Unwissenheit oder einen Irrtum handelt. Menschen danken den Grenztruppen der DDR für Ihren Friedensdienst, erstellen Videos um die These der eigenen Schuld der Maueropfer in die Welt zu tragen und Museen und Gedenkstätten über das Ministerium für Staatssicherheit werden als „Fantasie-Museen“ betitelt, die nur unnötig Steuergelder verschwenden um die DDR auf „Stasi und Mauer“ zu reduzieren.

Meine erste Reaktion darauf war Ärger, die zweite die Überlegung wie sich diese Aussagen wohl für Opfer der DDR-Diktatur anfühlen, es folgte der Versuch, diese Thesen inhaltlich zu widerlegen und nach der Erkenntnis, dass es bei solchen Behauptungen nicht immer um Inhalte geht, erwartete mich die Ratlosigkeit. Und am Ziel meines Weges, den andere schon schneller beschritten haben werden, steht die wichtigste Frage: Was ist die Intention hinter diesen Aussagen und wo kommen solche Einstellungen her. Sicherlich werden einige Leser behaupten es sei kritisches Denken, andere es sei Verbitterung. Und so schwer es sein mag: Das Zuhören, die Frage nach dem „Warum“ und die hinterfragende Diskussion über Dinge die ich als selbstverständlich empfinde ist so wichtig wie anstrengend. Für mich hat sich dies als eine der größten Herausforderung in den Social Media-Kanälen des DDR Museum erwiesen. Denn nur weil man eine Meinung nicht teilt oder nicht diskutieren möchte, heißt es noch lange nicht, dass sie nicht vorhanden ist oder keine gesellschaftliche Relevanz hätte.

Unser Social Media Manager Michael Geithner gab vor einiger Zeit den wichtigen Impuls, dass wir zukünftig in den Social Media Kanälen vermehrt dazu ermutigen die eigene Meinung zu äußern und diese auch zu diskutieren. Sicherlich hat man als Museum seinen eigenen Standpunkt, wir schaffen dennoch bewusst mehr Platz für die Meinung unserer über 12.000 Facebook-User.

Sagen Sie uns Ihre Meinung, diskutieren Sie mit! Inzwischen sind wir auf Facebook, Twitter, Google+, Pinterest, Instagram, Flickr und Tumblr vertreten. Seit Kurzem können Sie auch Ihre Fragen zur DDR direkt auf YouTube an unseren wissenschaftlichen Leiter Dr. Stefan Wolle stellen. In einigen Wochen werden wir erneut Fragen zur Beantwortung aussuchen, dann geht „Frag Dr. Wolle“ in die zweite Runde.

 


 

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