Siegfried Hähnel, der letzte Stasi-Chef Ost-Berlins ist vor drei Wochen gestorben.

Heute habe ich in der Berliner Morgenpost gelesen, dass Herr Hähnel vor drei Wochen gestorben ist und inzwischen in Berlin-Marzahn beerdigt wurde. Der frühere MfS-Offizier, der ehrgeizig im Sinne des Ministeriums für Staatssicherheit erfolgreich Karriere machte, betätigte sich seit 1990 an mehreren Büchern, welche die DDR-Vergangenheit und das Ministerium für Staatssicherheit verharmlosten.
von Melanie Alperstaedt (21.09.2010)

Heute habe ich in der Berliner Morgenpost gelesen, dass Herr Hähnel vor drei Wochen gestorben ist und inzwischen in Berlin-Marzahn beerdigt wurde. Der frühere MfS-Offizier, der ehrgeizig im Sinne des Ministeriums für Staatssicherheit erfolgreich Karriere machte, betätigte sich seit 1990 an mehreren Büchern, welche die DDR-Vergangenheit und das Ministerium für Staatssicherheit verharmlosten.

Einige dieser Bücher kenne ich und habe Sie selbst (mit Wut und Empörung) gelesen. Der Grund? Ich persönlich möchte immer die Argumente der mir noch so fremden (und befremdlichen) "Gegenseite" kennen. Wenn man diese Argumentationslinien, die Argumente an sich und deren innewohnende Logik nicht kennt, kann man sie meist schwer widerlegen. Aus Erfahrung weiß ich: Eine vereinfachte polemische Behauptung ist schnell gesagt, aber nur mit viel Aufwand widerlegt. Aber wissen Sie was?! Diesen Aufwand betreiben wir als Museum gerne. Denn manchmal kann ein fehlender Widerspruch als stumme Zustimmung gedeutet werden und schon hört man Sätze wie "Herr XY spricht aus, was sich keiner zu sagen wagt". Klar, wenn niemand widerspricht, können solche Aussagen der schweigenden Mehrheit in den Mund gelegt werden.

Ich bin aber auch ehrlich zu Ihnen: Neben der Abneigung gegen den hochrangigen MfS-Offizier Siegfried Hähnel fühle ich persönlich auch ein grundlegendes Mitgefühl gegenüber seinen trauernden Angehörigen. Relativiere ich mit diesem Mitgefühl schon das Leid der Opfer seines Handelns?! Ist Mitgefühl in diesem Falle fragwürdig?! Die Opfer bleiben mit Ihrer mehr als berechtigten Wut über die bei Hähnel zeitlebens fehlende Übernahme der eigenen Verantwortung zurück, die Angehörigen haben durch seinen Tod einen geliebten Menschen verloren.

Alles was jetzt also bleibt ist Wut, Unverständnis und Trauer...


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