„Schwalbe oder Fledermaus – Die Kafka-Debatte von 1963 und der Prager Frühling“

Ich begegnete Franz Kafka zum ersten Mal in der Oberstufe des Gymnasiums, sein Roman „Der Prozess“ war Abiturstoff und somit wurde er von vorne bis hinten durch analysiert. Vor wenigen Tagen traf ich, während meines Aufenthaltes in Prag, wieder auf den Autor und passenderweise drehte sich auch unsere letzte Abendveranstaltung um Franz Kafka und um Prag.
von Admin (20.02.2014)

Ich begegnete Franz Kafka zum ersten Mal in der Oberstufe des Gymnasiums, sein Roman „Der Prozess“ war Abiturstoff und somit wurde er von vorne bis hinten durch analysiert. Vor wenigen Tagen traf ich, während meines Aufenthaltes in Prag, wieder auf den Autor und passenderweise drehte sich auch unsere letzte Abendveranstaltung um Franz Kafka und um Prag.

Eingeladen hatte das DDR Museum zur Diskussionsrunde darüber, inwieweit die Kafka-Debatte von 1963 als Schwalbe den Prager Frühling ankündigte. Die Diskussion fand zwischen Dr. Stefan Wolle (wissenschaftlicher Leiter des DDR Museum), Dr. Maximilian Graf (Historiker aus Wien) und Dr. Jochen Staadt (Politikwissenschaftler aus Berlin) statt.

Die Frage, mit der sich die Wissenschaftler unter Einbeziehung des Publikums beschäftigten, war die, ob die Kafka-Konferenz tatsächlich als „Keimzelle des Prager Frühlings“ betrachtet werden kann oder ob sie nicht vielleicht doch politisch überbewertet wurde. Dazu referierten die Experten zunächst einmal zur Ausgangssituation in Bezug auf Kafka im Ostblock, denn dieser war zu diesem Zeitpunkt in vielen Ländern verboten. Nicht, weil er sich selbst politisch engagiert hatte, sondern weil seine Texte erschreckend viele Parallelen zur sozialistischen Realität aufwiesen. Deshalb kam eine Germanistenkonferenz, die sich im Schloss Liblice nahe Prag ausschließlich mit Kafka und seinem Werk beschäftigte, einem intellektuellen Aufstand gegen die Macht gleich. Vor allem der österreichische Kommunist Ernst Fischer machte im Kontext der Konferenz von sich Reden, da er sie als den Beginn einer Debatte ansah, in der es um einen freiheitlichen Sozialismus ginge. Diese Prognose sollte sich bewahrheiten.

Natürlich deutete die Kafka-Konferenz bereits an, dass etwas im Gange war in der Tschechoslowakei, jedoch waren sich die Experten der regen Diskussionsrunde, und auch das Publikum einig, dass die Konferenz vor allem im Nachhinein politisiert wurde. Zum Beispiel auch durch die Äußerung Walter Ulbrichts, der der Meinung war, dass mit der Kafka-Konferenz der Prager Frühling angefangen habe.

Bereits nächste Woche laden wir zu unserer nächsten Veranstaltung im Besucherzentrum ein. Dieses Mal wird die Schauspielerin Franziska Troegner zu Gast sein und mit Alexander G. Schäfer über ihr Leben und Arbeiten in der DDR sprechen.

 


 

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