Schrille Farben, flotte Sprüche und niedliche Figuren – Werbung in der DDR (Teil I)

Ob Minol-Pirol, Fewa-Johanna oder Korbine-Früchtchen: Trotz ihrer vergleichsweise kurzen „Einsatzzeit“ kennt sie fast jeder DDR-Bürger. In unseren nächsten Blogbeiträgen stelle ich Ihnen DDR-Reklame aus unserer Sammlung vor.
von Sören Marotz (11.09.2014)

Ob Minol-Pirol, Fewa-Johanna oder Korbine-Früchtchen: Trotz ihrer vergleichsweise kurzen „Einsatzzeit“ kennt sie fast jeder DDR-Bürger. In unseren nächsten Blogbeiträgen stelle ich Ihnen DDR-Reklame aus unserer Sammlung vor.

Werbung in der DDR war nicht auf den Konkurrenzkampf der verschiedenen Produkte, wie es im Westen üblich war, ausgerichtet, sondern sollte schlicht auf die Vorstellung von Produktneuerungen abzielen. Nach dem 17. Juni 1953 wurde die Konsumgütervielfalt in der DDR deutlich gesteigert. Die Werbung in den 1950er Jahren war zudem sehr bunt, von der Ästhetik oft noch an das Design der Vorkriegsjahre angelehnt. Mit dem Amtsantritt Erich Honeckers 1971 als Generalsekretär des Zentralkomitees der SED, geht auch die Ära der lustigen Werbefilmchen und Plakate dem Ende entgegen. Vier Jahre später folgt das Gesetz zum Verbot der Inlandswerbung, verordnet vom Ministerrat. Dieses hatte bis zum Mauerfall bestand und folglich blieben die letzten zwei Jahrzehnte der DDR ohne aufwendige Produktwerbung. Auch durch die unzureichende Verfügbarkeit von Konsumgütern wurde der DDR-Reklame ein Ende gesetzt. Man wollte keine Begehrlichkeiten wecken, die hinterher nicht erfüllt werden konnten.

Um einen Überblick über die Vielfalt der DDR-Werbung zu geben, möchte ich im Folgenden zwei Werbeaufsteller aus unserer Sammlung zeigen, die heutzutage relativ unbekannt sind. Das erste Bild zeigt eine Produktwerbung für Weinbrand vom „VEB Weinbrand Wilthen“ in Wilthen in der Oberlausitz (Sachsen). Der Pappaufsteller stammt aus den 1950er Jahren. Auf den ersten Blick mutet das Design klassisch und westlich an. Die Aufmachung orientiert sich auch hier an Werbevorbildern aus der Vorkriegszeit. Wilthener Goldkrone -ein Weinbrand-Verschnitt- ist sicher noch vielen aus DDR-Zeiten bekannt.

Der Aufsteller „Fußflott“ der Fabrik für chemisch-pharmazeutische Präparate „Carl Hoernecke“ aus Magdeburg bewirbt eine Eigenkreation der frühen 1950er Jahre. Im Gegensatz zu den meisten Reklameschildern dieser Zeit setzt der Pappaufsteller auf ein damals zeitgemäßes Layout und orientiert sich nicht am klassischen Stil der Vorkriegswerbung. Markante Sprüche wie „Wer stets viel geh`n und stehen muß, ist stets durch „Fußflott“ flott zu Fuß“ sind auch für Werbekreationen westdeutscher Firmen typisch.

Gastbeitrag von Nicole Sawicka

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