Veranstaltung

Schäfers Stündchen: Ingeborg Krabbe

Sicher ist der Name unseres gestrigen Gastes vielen ein Begriff. Man kennt die komische Schauspielerin aus zahlreichen Serien und Theateraufführungen.
von Janine Henschel (10.09.2014)

Sicher ist der Name unseres gestrigen Gastes vielen ein Begriff. Man kennt die komische Schauspielerin aus zahlreichen Serien und Theateraufführungen. Aber dazu später mehr.

In Verbindung mit unserer Reihe „Schäfers Stündchen“ hatten wir die 1931 geborene Leipzigerin im Besucherzentrum des DDR Museums zu Gast. Auch sie stellte sich den Fragen Alexander G. Schäfers, der selbst Schauspieler ist und durch den gestrigen Abend führte. Allerdings äußerte Krabbe schon selbst bald den Gedanken, dass ja eigentlich hauptsächlich sie rede. Und schon hatte sie das Publikum auf ihrer Seite. Sie erzählte von ihrer Kindheit und ihren Eltern, die ihr schon immer ein sehr gutes Vorbild waren und reges Interesse an der Politik hegten. So kam es beispielsweise zu einem einschneidenden Erlebnis, als der Vater sie und ihre drei Geschwister 1938 mit zu dem Flussbett der Parthe in Leipzig nahm. Dort wurden Hunderte Juden zusammengetrieben und den Bürgern zur Schau gestellt. Ihr Vater kommentierte dieses Bild mit den Worten: „Hier seht ihr, was Menschen mit Menschen tun.“

Schließlich wurden die öffentlich gedemütigten, jüdischen Bürger in das Konzentrationslager Buchenwald deportiert. Eine andere nachhaltig prägende Situation für Ingeborg Krabbe war die Ablehnung der Eltern des ihnen zugedachten staatlichen Schulgeldes, welches es bei mehr als 4 Kindern gab. Die mutige Aussage Ihrer Eltern „von Verbrechern nehmen wir nichts“ hat die damals 7-Jährige zutiefst beeindruckt. Noch immer zeigt Ingeborg Krabbe großes Interesse an dem politischen Leben in aller Herren Länder.

Schon in der Oberschule stellte sich ihr Talent für die darstellende Kunst heraus, was auch ihre damaligen Deutschlehrerin erkannte. Als an einem Vortagsabend Lotte Molter, Schauspielerin des Städtischen Theaters Leipzig zu Gast war, fiel ihr sofort die Begabung Krabbes auf und sie sagte zu dessen Eltern: "Die Kleine gehört auf die Bühne!"

Ingeborg Krabbe hatte schließlich die Aufnahmeprüfung gemeistert und begann im Jahr ´49 ihre künstlerische Ausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Leipzig. Nur zwei Jahre später, noch während ihres Studiums, stand sie auf verschiedenen Theaterbühnen der Stadt bis sie schließlich 1954 ein eigenes Ensemble gründete und das Leipziger Kabarett "Pfeffermühle" entstand. Doch nur wenige Monate später wechselte die Schauspielerin für 10 Jahre nach Berlin an das Theater der Freundschaft.

Der Höhepunkt ihrer Karriere begann schließlich Mitte der 60er Jahre. Sie stand für die politisch-satirische Sendereihe "Tele-BZ" vor der Kamera und überzeugte die Zuschauer nicht nur mit ihrer "sächsische Gusche" und „Berliner Schnauze“, sondern auch mit ihrem kabarettistischen Talent.

Ihre kessen Rollen in „Drei reizenden Schwestern“ und „Maxe Baumann" ließen sie in den 80er Jahren zum absoluten Publikumsliebling werden, sodass sie bis Ende des DDR-Fernsehens auf knapp 300 Produktionen zurückblicken konnte, bei denen sie mitwirkte.

Doch auch nach der Wende war sie weiterhin erfolgreich und in Serien wie „Der Bulle von Tölz“, „Polizeiruf 110“ oder „Siska“ zu sehen. Außerdem arbeitete Ingeborg Krabbe im Synchronstudio und überzeugt als Fernseh- und Theaterdarstellerin. Bis 2009 konnte man sie zwei Jahre lang jeden Abend auf der Bühne des Hamburger Operettenhauses bewundern. Dort spielt sie eine der Hauptrollen des Musicals „Ich war noch niemals in New York“.

Mittlerweile lebt die bereits 83-Jährige in Pankow und verbringt viel Zeit mit der Familie. Doch ans Aufhören denkt sie noch lange nicht!

Ich kann nur eines sagen: Ingeborg Krabbe wurde ihrer Rolle als Kabarettistin auch gestern Abend absolut gerecht – trotz oder gerade wegen ihres vorgeschrittenen Alters. Mit ihrem „kessen Mundwerk“ kann sie noch heute das Publikum überzeugen und sorgt dafür, dass alle Gäste vor Lachen gekrümmt auf ihren Stühlen saßen.

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