Schäfers Stündchen Folge 7: Ernst-Georg Schwill

Gestern Abend hatten wir in unserem Besucherzentrum den Schauspieler Ernst-Georg Schwill zu Gast. Schwill dürfte etlichen sowohl aus seiner Zeit bei der DEFA, als auch durch seine Rolle im Berliner Tatort bekannt sein. Gestern Abend plauderte der Schauspieler mit der unverkennbaren 'Berliner Schnauze' in unserem Besucherzentrum mit Alexander G. Schäfer, erzählte aus seinem Leben und stellte sich Schäfers Fragen.
von Admin (27.08.2014)

Gestern Abend hatten wir in unserem Besucherzentrum den Schauspieler Ernst-Georg Schwill zu Gast. Schwill dürfte etlichen sowohl aus seiner Zeit bei der DEFA, als auch durch seine Rolle im Berliner Tatort bekannt sein. Gestern Abend plauderte der Schauspieler mit der unverkennbaren 'Berliner Schnauze' in unserem Besucherzentrum mit Alexander G. Schäfer, erzählte aus seinem Leben und stellte sich Schäfers Fragen.

Zunächst unterhielten sich die beiden über Schwills Kindheit und inwieweit diese den Schauspieler geprägt hat. Ernst-Georg Schwill wurde 1939 geboren, ein Kriegskind also. Er erzählte davon, wie er mit seinen vier Geschwistern zunächst bei der Mutter aufwuchs, nach deren Tod bei der Tante und schließlich im Heim. "Ich hatte zum ersten Mal ein Bett und drei Mahlzeiten", erklärte er. Die Erzieher wären freundlich und Eltern-Ersatz gewesen, im Heim habe er sich wohl gefühlt. "Aber natürlich hat man ab und zu mal einen Bock." Durch seine Streiche und Bockigkeiten landete er sogar in einem Heim für Schwererziehbare.

Mit 14 Jahren wurde Ernst-Georg Schwill vom Regisseur Gerhard Klein für den DEFA-Film "Alarm im Zirkus" entdeckt. Klein entdeckte unter anderem auch schon Talente wie Annekathrin Bürger, die ebenfalls bereits bei uns zu Gast war. Fortan ließ die Schauspielkunst Schwill nicht mehr los. Obgleich der junge Ernst-Georg zunächst Autoschlosser, später Kameramann zum Berufswunsch hatte (für Letzteres absolvierte er auch eine Ausbildung als Filmograf), studierte er schließlich auf Anraten Gerhard Kleins Schauspiel an der Deutschen Hochschule für Filmkunst in Babelsberg.

In seiner nunmehr schon stolze 61 Jahre andauernden Schauspielkarriere spielte Schwill in unglaublich vielen Filmen und TV-Serien mit - seine Filmografie ist schier endlos. Dazu gehörten Klassiker wie "Berlin Ecke Schönhauser", "Sie nannten ihn Amigo" oder auch "Fünf Patronenhülsen" der DEFA. Nach kurzen Engagements am Berliner Ensemble und dem Deutschen Theater trat Schwill 1970 dem Schauspielerensemble der DDR bei. Nach der Wende ging es für ihn beruflich direkt weiter, z. B. mit seiner Rolle im Berliner Tatort und auch einer Nebenrolle in "Good bye, Lenin!". Neben den zahlreichen Anekdoten, mit denen der sympathische Schauspieler gestern Abend das Publikum unterhielt, wurde auch ein kurzer Zusammenschnitt mit einer Auswahl seiner Filmrollen gezeigt.

Zum Ende hin ließ es sich Alexander G. Schäfer nicht nehmen, Ernst-Georg Schwill auf das Thema "Stasi-Tätigkeit" anzusprechen. Dieser lachte zuerst und sprach von toller kostenloser Werbung, "'ne ganze Doppelseite in der BILD!". Dann erklärte er aber, wie es zu der Zusammenarbeit gekommen sei: Er habe früher, wenn er irgendwo neu hinzog, zu Erinnerungszwecken einmal die ganze Umgebung fotografiert. Dabei hat er eines Tages wohl auch etwas Interessantes erwischt, denn kurz darauf stand ein Mitarbeiter des MfS vor seiner Türe und kaufte ihm die Bilder ab. Bald darauf wurde er gefragt, ob er mithelfen wolle, sein Land gegen Gefahren zu verteidigen. Der damals 24-jährige bejahte dies, nur habe er Gefahren anders definiert. Er sagt, jemanden angeschwärzt oder die Karriere eines anderen zerstört oder beeinträchtigt habe er nie.

Am Ende signierte Ernst-Georg Schwill noch Autogrammkarten und Bücher für seine begeisterten Fans. Es war ein unterhaltsamer und interessanter Abend in unserem Besucherzentrum, es wurde viel gelacht, aber auch nachgedacht, innegehalten und sich erinnert.

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