Veranstaltung

Schäfers Stündchen: Christel Bodenstein

Am Dienstag hatten wir im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schäfers Stündchen“ die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Christel Bodenstein zu Gast. In einem sehr kurzweiligen Gespräch mit dem Gastgeber und Schauspieler Alexander G. Schäfer bekamen die Besucher Einblicke in das abwechslungsreiche und spannende Leben eine Filmstars in der DDR. von Jörn Kleinhardt (22.09.2016)

Am Dienstag hatten wir im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Schäfers Stündchen“ die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Christel Bodenstein zu Gast. In einem sehr kurzweiligen Gespräch mit dem Gastgeber und Schauspieler Alexander G. Schäfer bekamen die Besucher Einblicke in das abwechslungsreiche und spannende Leben eine Filmstars in der DDR.

Ursprünglich in München geboren, zog es die junge Christel Bodenstein mit ihrer Mutter schon vor der Gründung der DDR nach Leipzig. Die Besucher erfuhren das Frau Bodenstein bereits im Kindesalter ihre Leidenschaft für das Tanzen entdeckte. Der Besuch der Ballettschule der Leipziger Oper legte für sie den Grundstein für die nachfolgende Karriere. Im Jahr 1955 absolvierte sie zudem die Staatliche Ballettschule in Berlin. Mit 17 Jahren erhielt Frau Bodenstein daraufhin ein Engagement als Tänzerin am Landestheater Halle. An eine Karriere als Schauspielerin hatte die junge Christel zu diesem Zeitpunkt noch nicht gedacht. Das sollte sich jedoch bald ändern!

Ihren ersten Urlaub an der Ostsee verbrachte Frau Bodenstein gemeinsam mit ihren Kollegen aus Halle im Seebad Ahlbeck. Nach ein paar Tagen wurde die junge Tänzerin dann direkt am Strand von einem Herrn im mittleren Alter angesprochen. Der Mann bat sie um ein weiteres Treffen. Ihre Kollegen begannen daraufhin aufgeregt zu tuscheln, denn es handelte sich bei diesem Mann um niemand geringeren als Kurt Maetzig. Frau Bodenstein willigte ein, eine Entscheidung die sie nicht bereuen sollte! Beim darauffolgenden Gespräch mit Maetzig, legte er ihr ein Schauspielstudium nahe und holte sie zu ersten Probeaufnahmen nach Berlin.

Ihr Filmdebut hatte Christel Bodenstein bereits ein Jahr nach dem Treffen am Ostseestrand, in dem Film „Der Hauptmann von Köln“. Nebenher studierte sie Schauspiel auf der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam. Nach ihrem Debüt wurde sie für die Märchenfilme „Das tapfere Schneiderlein“ und „Das singende, klingende Bäumchen“ engagiert. Letzterer gilt bis dato als einer der erfolgreichsten und besten Märchenfilme der DEFA. Mit ihrer Rolle als Prinzessin schaffte die junge Schauspielerin im Alter von 19 Jahren ihren Durchbruch. Es folgten zahlreiche weitere Engagements in DEFA Produktionen, oftmals sehr anstrengend für die junge Frau, da sie ja bis 1959 in Potsdam studierte.

Im Jahr 1960 lernte sie beim Tanzen ihren späteren Ehemann, denn Regisseur Konrad Wolf kennen. Eine witzige Anekdote konnte Frau Bodenstein den Besuchern der Veranstaltung dazu erzählen: Beim Tanz mit Konrad Wolf sagte er zu ihr „Sie sollte nicht so viel erzählen, da er sich auf das Taktzählen konzentrieren muss“. Die Beiden heirateten im selben Jahr, 1961 wurde der gemeinsame Sohn Mirko geboren.

Nach ihrer Babypause knüpfte Frau Bodenstein an die erfolgreiche Schauspielkarriere an. Dank ihrer Vielseitigkeit konnte sie neben herkömmlichen Filmen auch in Revuefilmen oder Musikfilmen bestehen. Ihre Ausbildung zur Tänzerin kam ihr dabei zugute. Dank ihres Talents spielte sie oft mit Darstellern wie Manfred Krug oder Erwin Geschonnek zusammen. Sie drehte Filme mit vielen namhaften Regisseuren wie Frank Vogel oder Herbert Ballmann. Mit ihrem damaligen Ehemann Konrad Wolf arbeitete sie jedoch nur ein einziges Mal zusammen. Im Jahr 1966 verwirklichten Beide eine Version des Klassikers „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry.

In den 1970er Jahren konzentrierte sich Christel Bodenstein zunehmend auf Theaterrollen. Zwischen 1973 und 1976 arbeitete sie als freischaffende Künstlerin und trat, neben Rollen am Maxim Gorki Theater in Berlin, als Chansonsängerin auf. Ab 1976 arbeitete Frau Bodenstein am Friedrichstadtpalast in Berlin. Dort lernte sie zudem ihren zweiten Ehemann Hasso von Lenski kennen, der sie am gestrigen Abend mit seiner Anwesenheit unterstützte. Nach der politischen Wende blieb Frau Bodenstein dem Friedrichstadtpalast als Regieassistentin und Regisseurin erhalten. Laut ihrer Aussage waren vor allem die frühen Nachwendezeiten sehr turbulent für die Kulturschaffenden im Osten Deutschlands, da die Konkurrenz aus dem Westen sehr groß war und etliche Spielstätten auf dem Gebiet der DDR vor dem Aus standen.

Im Jahr 2016 wurde „Das singende, klingende Bäumchen“ nach 59 Jahren von der ARD neu verfilmt, Christel Bodenstein, damals in der Hauptrolle als Prinzessin spielt im Film die Rolle der „Kräuterfrau“. Damit schliesst sich der Kreis einer großen Karriere.

Der gestrige Abend war für alle Beteiligten sehr aufschlussreich und spannend. Das lockere Gespräch zwischen Alexander G. Schäfer und Christel Bodenstein bot den Besuchern private Einblicke, kurzweilige Geschichten und zahlreiche Anekdoten aus dem Leben der berühmten Schauspielerin. Zusätzlich gab es Videoausschnitte aus zahlreichen Filmen Bodensteins zu sehen.

Kurzum, es war ein Abend der leider viel zu schnell zu Ende ging!

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