Schäfers Stündchen Folge 11: Helga Piur

Gestern Abend war es wieder soweit: Die inzwischen 11. Folge Schäfers Stündchen, in der sich der Schauspieler Alexander G. Schäfer mit Stars der DDR unterhält, stand an. Und anstanden auch die Gäste, zum Teil schon lange vor der regulären Einlasszeit. Verständlich! War doch das Häppchen zu Gast! Und es wird Sie kaum überraschen: Es wurde ein sehr, sehr lebhafter und kurzweiliger Abend!
von Admin (30.01.2015)

Gestern Abend war es wieder soweit: Die inzwischen 11. Folge Schäfers Stündchen, in der sich der Schauspieler Alexander G. Schäfer mit Stars der DDR unterhält, stand an. Und anstanden auch die Gäste, zum Teil schon lange vor der regulären Einlasszeit. Verständlich! War doch das Häppchen zu Gast! Und es wird Sie kaum überraschen: Es wurde ein sehr, sehr lebhafter und kurzweiliger Abend!

Helga Piur hatte meine persönliche Sympathie allerspätestens in dem Moment, als sie zu ihrer Biografie ansetzte. Sie erklärte nämlich sogleich feierlich, dass sie im Sternzeichen Zwillinge geboren sei (am 24. Mai 1939), dem Sternzeichen also, das sich als "ganz besonders unduldsam", als lebhaft und rastlos gebärdet (was ich so gaaar nicht bestätigen kann...). Sie wollte so vieles. Eigentlich wollte sie alles. Und zwar sofort! Erst Clown werden. Nein, besser Sängerin. Nein, halt, Schauspielerin! Das will sie werden! Und sie wurde: Ein wahrer Schauspiel-Star, auch wenn sie dieses Wort nicht leiden kann.

Doch der Reihe nach: Als Kriegskind wurde sie 1939 als langersehntes erstes Mädchen nach fünf großen Brüdern geboren und wuchs in ärmsten Verhältnissen auf. Als sie fünf Jahre alt ist, stirbt ihre geliebte Mutter - Helga wird zur Entlastung des Vaters zu dessen Schwester und ihrem Mann gegeben, die ihrerseits ihr eigenes Kind verloren hatten. In der Schule wird sie zwar 'nur' eine mittelmäßige Schülerin, fällt jedoch schon früh durch ihre ausgeprägte Fantasie auf: "Wenn die Vorgabe für den Aufsatz 3 Seiten lautete, war ich mit 12 Seiten immer noch nicht fertig!". Mit ihrer hohen, klaren Stimme wird sie bald in den Rundfunkkinderchor aufgenommen. Bevor sie sich jedoch endgültig den musischen Dingen widmet, absolviert sie auf Wunsch ihrer Eltern brav die Handelsschule, um später einmal Sekretärin, vielleicht sogar Chefsekretärin zu werden ("Damals DER Traumberuf schlechthin!"). Tatsächlich findet sie eine Anstellung als Sekretärin im großen Berliner Dietz-Verlag und - langweilt sich! "Ich dachte mir: Und das war's jetzt? Soll ich etwa für den Rest meines Lebens Manuskripte abtippen?" Zwar bringt eine Versetzung ins Lektorat des Verlages ein wenig Linderung, dennoch brennt die Liebe und Faszination zur Schauspielerei in ihr und will einfach nicht verstummen. So wird sie neben ihrer Arbeit beim Verlag Mitglied einer Laienspielgruppe und spricht schließlich das "Gretchen" und die "Maria Magdalena" bei der Schauspielschule vor. Und fällt durch, die Schauspielschule nimmt sie nicht. "Tränen! Natürlich, bächeweise!", erzählt sie. Jedoch nur kurz, denn "vielleicht können die sich eben auch mal irren?". So fasst sie sich erst ein Herz, dann ein Telefonbuch, schlägt ihr Idol aus Theaterbesuchen - Eduard von Winterstein - nach und bittet ihn, vorsprechen zu dürfen. Aufgeregt fährt sie zu ihm nach Berlin-Biesdorf und fällt praktisch mit der Tür ins Haus. "Die Schauspielschule hat mich abgelehnt!", so begrüßt sie ihn. Er lehnt nicht ab, im Gegenteil, von Winterstein und seine Frau sind begeistert und so wird Helga Piur seine Meisterschülerin. Sprecherziehung, Bewegungsunterricht uvm. folgen. Als Winderstein seine Schülerin schließlich im Jugendmagazin "Neues Leben" in den höchsten Tönen lobt, wird auch das Fernsehen der DDR auf Helga Piur aufmerksam und bietet ihr einen Vertrag an.

Nach diversen Auftritten in Funk und Fernsehen, Rollen beim Theater und Arbeiten als Synchronsprecherin (z.B. für die Brigitte Bardot), wird sie 1985 in der Rolle der Zahnarzthelferin Victoria Happmeyer ("Häppchen") an der Seite von Alfred Struwe in der Erfolgsserie "Zahn um Zahn" endgültig zum Publikumsliebling. Für ihre darstellerischen Leistungen erhält sie zweimal den goldenen und zweimal den silbernen Lorbeer und wird 1986 und 1987 von den Zuschauern zum Fernsehliebling gewählt.

Helga Piur sprudelt nur so vor Energie. Sie erzählte und spielte, lachte und hielt es kaum auf ihrem Sitz aus - des Öfteren sprang sie auf und wirbelte beim Erzählen über die Bühne. Vereinzelt brachte Alexander G. Schäfer sie mit wenigen gezielten Fragen wieder auf ein Thema zurück, doch der Großteil des Abends verging wie im Flug durch die Schilderungen von Piur. Ihren Mann, den Regisseur Günter Stahnke hatte sie auch im Gepäck und ließ es sich (von ihm) auch nicht nehmen, zu erzählen, wie sie zueinander fanden.

Sie sehen es, der Text ist schon jetzt ziemlich lang und hat doch noch nicht einmal die Hälfte des Abends beschrieben. Ich wollte doch noch die Anekdote unterbringen, wie beim Dreh der Hochzeit von "Häppchen" im Finale von "Zahn um Zahn" (die übrigends den gestrigen Abend einläutete), Helga Piur tatsächlich plötzlich ein Stiftzahn aus dem Mund und ins Blumenbukett flog - den sie dann während des gesamten Hochzeits-Drehs notgedrungen mit der Zunge festhalten musste. Oder dass es die Zahnarzthelferin "Häppchen" wirklich gab. Oder wie Helga Piurs Tochter den Hochzeitstermin mit Stahnke festlegte. Oder oder oder...

Kurz gesagt: Wenn Sie gestern nicht dabei waren, haben Sie wirklich etwas verpasst!
Vielen Dank Helga Piur für den schönen Abend!

Und wer noch Nachschlag möchte: Helga Piurs Buch "Ein Häppchen von mir" ist für nur 16,90 € erhältlich!

Mehr zum Thema