Für Sie gelesen

Plan D – Ein Mordfall in der DDR

Ja, Sie haben richtig gelesen: Es gibt Sie noch, die DDR. Zumindest in dem politischen Kriminalroman "Plan D" von Simon Urban. Dies war auch der Grund, weshalb ich das Buch bei Schöffling & Co als Rezensionsexemplar bestellte. Es dauerte dank 552 Seiten einige Zeit, aber inzwischen ist es ausgelesen.
von Melanie Alperstaedt (31.08.2011)

Ja, Sie haben richtig gelesen: Es gibt Sie noch, die DDR. Zumindest in dem politischen Kriminalroman "Plan D" von Simon Urban. Dies war auch der Grund, weshalb ich das Buch bei Schöffling & Co als Rezensionsexemplar bestellte. Es dauerte dank 552 Seiten einige Zeit, aber inzwischen ist es ausgelesen.

Die Wiedervereinigung hat es bei "Plan D" nicht gegeben, Egon Krenz ist seit 22 Jahren an der Macht. Die DDR ist in enormen finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten und angewiesen auf den Erfolg der anstehenden Verhandlungen mit der BRD über die Transitgebühren für sowjetisches Gas.
In dieser Situation wird ein ehemaliger politischer Berater von Egon Krenz in der Nähe einer Pipeline tot aufgefunden...und alles deutet auf einen Racheakt der Staatssicherheit hin. Diese setzt sich in ihrer Arbeit weiterhin über die Menschenrechte hinweg, jedoch agiert sie streng hinter den Kulissen, um das Bild der DDR als Rechtsstaat nicht zu gefährden. Letztendlich sind sich alle Protagonisten darüber im Klaren, dass die BRD mit einer DDR, deren Geheimdienst unrechtmäßig tötet, keine Geschäfte machen wird. Eine schnelle Aufklärung, und am Besten eine Entlastung der Stasi, ist von dringender Wichtigkeit. Denn „Der Spiegel" wird in einigen Tagen dank einem Informanten ausführlich berichten...
Also wird Martin Wegener von der Volkspolizei auf den Fall angesetzt. Ihm zur Seite wird aufgrund der Brisanz für Ost und West der westdeutsche Kollege Richard Brendel zur Seite gestellt. Die beiden machen sich von verschiedenen (Lebens-) Welten aus auf einen Weg, der Menschenleben, Vertrauen und Glück kosten wird.

Die Story ist also wirklich spannend! Auch die Rolle der Staatssicherheit, ihre außenpolitische Bedeutung und ihre Vorgehensweisen sind in sich stimmig. Das finde ich sehr gelungen. Weniger gefällt mir die Einflechtung von prominenten Personen, die so nebenher erwähnt werden. So ist Sarah Wagenknecht inzwischen Schauspielerin und Margot Honecker pflegt skurrile Eigenheiten im Altersheim. Weiterhin fand ich die Schilderungen Ost-Berlins teilweise zu poetisch und langatmig. All diese Dinge erschienen mir zu gewollt. Damit es aber keine Missverständnisse gibt: Das Buch war trotzdem interessant, denn es waren eher die Nebensätze, die Beschreibungen am Rande, die mir einen Eindruck einer möglichen DDR im Jahre 2011 gegeben haben. Daher ist der „DDR-Hintergrund" der Geschichte in meinen Augen gelungen, aber halt nicht in der Art und Weise, mit der das Buch hauptsächlich beworben wird. Die Internetseite des Buches/des Autors gefällt mir persönlich auch nicht so gut. Es werden dort DDR-Begriffe wie "Geruchsproben", "abgehört" (Für eine Hörprobe des Buches) "Propaganda" (für Rezensionen über das Buch) oder "Kulturfunktionär" (Kurzbiographie des Autors) benutzt, die ich persönlich doch eher vorsichtig und mit Bedacht verwenden würde. Es scheint mir so, als wären sie für die Vermarktung praktisch, ohne das daran gedacht wurde, dass z.B. "Geruchsproben" von der Staatssicherheit unrechtmäßig genommen wurden. Aber sicherlich muss man bei meinen Bedenken auch im Hinterkopf haben, dass ich für das DDR Museum arbeite und gegenüber Begrifflichkeiten eher sensibel bin.

Aber kommen wir zurück zum Buch und hin zu einem Fazit:

Generell finde ich das Buch nicht lustig, ich finde es von seiner Stimmung her eher bedrückend. Das Besondere sind für mich nicht die Fakten einer DDR im Jahre 2011, nicht das vermeintlich lustige Einbauen von prominenten Namen, sondern es ist die geschilderte Atmosphäre, die sich mehr und mehr durch die Zeilen zieht, die eher nebenher vom Leser wahrgenommen wird. Trotz Aspekten, die mir persönlich nicht gefallen haben, möchte ich Ihnen das Buch empfehlen. Es erwartet Sie eine fesselnde Geschichte und der Autor versteht es, bis auf die genannten Ausnahmen, eine spürbare Atmosphäre zu vermitteln. Sie sind an und auf der Seite des Ermittlers, aber Sie werden nicht alle seine Handlungsweisen gutheißen. Der Ermittler Martin Wegener ist ein Mensch mit Fehlern, die er lebt und begeht. Ich würde mir nach 552 Seiten eine Fortsetzung wünschen, wer weiß, vielleicht habe ich Glück ;)

Das Buch erhalten Sie z.B. für 24,95€ über die Internetseite des Verlages.

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