Ostfernsehen. Doku aus dem DDR-TV über fast 40 Jahre „Ostfernsehen“ (DVD)

Die DVD „Ostfernsehen“ beleuchtet die 39-jährige Geschichte des DFF in Berlin-Adlershof. Hierbei werden bekannte und beliebte Sendungen wie "Unser Sandmännchen", die "Aktuelle Kamera" und "Der Schwarze Kanal" vorgestellt. Auch die politische Einflussnahme wird thematisiert und kritisch hinterfragt.
von Elke Sieber (19.11.2015)

Die DVD „Ostfernsehen“ beleuchtet die 39-jährige Geschichte des DFF in Berlin-Adlershof. Hierbei werden bekannte und beliebte Sendungen wie "Unser Sandmännchen", die "Aktuelle Kamera" und "Der Schwarze Kanal" vorgestellt. Auch die politische Einflussnahme wird thematisiert und kritisch hinterfragt.

Die Dokumentation beginnt mit dem ersten ausgestrahlten Programm am 21. Dezember 1952 unter Intendant Hermann Zilles. Viele der ersten Mitarbeiter stammten aus anderen Berufen und begannen die Programmgestaltung mit einigen Experimenten, hinzu kamen Sendeprobleme hinsichtlich der Übertragungstechnik.

Neben Informationen über die Personen hinter den Sendungen, wie Fernsehpionier Ernst Augustin, werden auch die ersten Stars im Fernsehprogramm beleuchtet. So etwa Eduard von Winterstein, der als Nathan der Weiße am Theater berühmt wurde. Zu Anfang wurden gerne Theaterinszenierungen live übertragen. Dies wurde Brecht ein schwieriges Unterfangen, da er Wert auf das Theatererlebnis statt eines Fernseherlebnisses der Zuschauer legte.

Danach geht die Dokumentation zurück zu den Anfängen von Berlin-Adlershof. Vor 1950 zählte Adlershof zu den größten Flugplätzen Berlins, ab 1950 wurde der Standort allerdings zum herrenlosen Terrain. Die Konkurrenz im Westen wurde letztlich zum Geburtshelfer der Fernsehstudios an eben diesem Ort. Es wurde ein Sender in den Westsektoren Berlins etabliert, dem man erst einmal nichts entgegenzusetzen hatte, bis das Programm mit wenigen Stunden pro Woche Ende 1952 startete. Eine der bedeutendsten Sendungen wurde, auch als Nachwehe des 17. Juni 1953, „der Schwarze Kanal“. Karl-Eduard von Schnitzler und seine Systemkritik warfen laut der Dokumentation allerdings mehr Fragen auf, als sie beantworteten.

Am „Schwarzen Kanal“ erkennt man sehr deutlich den Einfluss des Staates, von dem Adlershof einen Sendeauftrag erhielt. Es war eine Programmgestaltung in sehr engen Grenzen. Auch die „Aktuelle Kamera“, die Nachrichtensendung der DDR, bekam das natürlich zu spüren. So wurden am 13. August 1961 Kamerateams zur Berichterstattung beim Mauerbau losgeschickt, die Propaganda für den antifaschistischen Schutzwall betreiben sollten. Zuerst war jedoch selbst die Berichterstattung sehr begrenzt. Erst mit einem Filmkopierdienst und Aufnahmewagen konnte die Sendung zu einer tatsächlich aktuellen Kamera werden. Ab 1954 wurde dieses politische Instrument täglich um 19.30 Uhr gesendet.

Auch in der Filmauswahl wurde schnell deutlich, dass „Fernsehen zur Weltanschauungssache“ wurde. Der Fünfteiler „Gewissen in Aufruhr“ stand ganz im Zeichen des Antifaschismus der 60er Jahre, während bei insgesamt 4 Millionen Fernsehgeräten in den Haushalten das Fernsehen langsam zum Massenerlebnis wurde. Ende der 60er Jahre wurden bereits 16 Stunden täglich gesendet. Darunter selbstverständlich die Sendungen Sandmann, Rumpelkammer und Herzklopfen kostenlos.

Auf dem Gelände der JOFA, die vor dem Krieg hier Tobis-Klangfilme produzierte, erschuf nun die neugegründete DEFA Filme. Hier entstand durchaus Kunst, doch schnell erreichten auch hier Verbote und Reglementierung eine enge Begrenzung der Kreativität. Als Beispiel wird „Spur der Steine“ angeführt. Die DEFA-Direktion gab noch den Auftrag, nach kurzer Spielzeit kam es jedoch zum Verbot des Films. Über Antifaschismus und Nazi-Diktatur konnten die Filme handeln, Widersprüche der DDR-Zeit aufzudecken, war hingegen tabu.

Mit Ende der 60er wurde in Zusammenhang mit dem Zweiten Fernsehen der DDR das Farbfernsehen etabliert. „Ein Kessel Buntes“ spiegelt die Farbvielfalt auch in der Dokumentation wider. Die Sendung „rund“ berichtete außerdem in Farbe von den Weltfestspielen 1973. Danach bekam auch sie einen politischen Auftrag und wurde weiterproduziert.

1978, nachdem die Biermann-Ausbürgerung einige Zeit her war, begann mit der Verfilmung von „Geschlossene Gesellschaft“ eine neue Zeit, in der wieder mit Kunstschaffenden zusammengearbeitet wurde, doch die fand in Entlassungen, Verboten und Repression schnell ein abruptes Ende, als deutlich wurde, dass die DDR-Gesellschaft im Film einer kritischen Analyse unterzogen wurde.

Immer mehr wird das Fernsehen in den Folgejahren als Propagandainstrument vereinnahmt, der Spielraum für Sendungen wie die „Aktuelle Kamera“ wird immer enger. Ökonomische und soziale Errungenschaften sollten propagiert werden, bei Reisen der Staatsführung sollten Jubel und Paraden im Fernsehen zuhause widerhallen. Auch die als kritisch erdachte Sendung „Elf 99“ inszenierte nur eine kritische Öffentlichkeit.

Mit dem Herbst 1989 erlangt das Fernsehen der DDR erstmals wirklich neue Freiheiten, jedoch stellt sich heraus, dass die Qualität der Sendungen nicht konkurrenzfähig zum Westen ist. Als Egon Krenz im Fernsehen zu Wort kommt, büßt dieses einen großen Teil der Glaubwürdigkeit ein. Das Fernsehen entschuldigt sich daraufhin sogar öffentlich, Rücktritte bis in die Chefetage folgen. „AK Zwo“ startet als Ersatz der „Neuen Kamera“. Tiefergehende Berichte sind ihr Ziel und sie ist ein Zeichen für die Freiheit des Mediums. Am 4. November 1989 erfolgt sogar eine Live-Übertragung von der Demonstration auf dem Alexanderplatz. Auch „Elf 99“ findet nun kritische Worte und verlangt ungeschnitten gesendet zu werden. Die Verantwortlichen machen Druck: das Fernsehen sendet ab sofort live.

Mit dem Medienbeschluss nach Art. 27 der Volkskammer ist es dann auch gesetzlich verankert: Die Meinung darf ab sofort frei und öffentlich in den Medien geäußert werden. Es besteht Pressefreiheit. Das staatliche Komitee tagt nach dem Mauerfall nicht mehr. Es finden Live-Übertragungen von den Tagungen des Runden Tisches sowie Wahlberichterstattung statt. Hier könnte das Happy End des Fernsehens der DDR geschrieben sein. Doch der DFF überlebt die DDR gerade um 15 Monate. Der 31.12.1991 wird zur Gnadenfrist. Der neue Rundfunkbeauftragte erhält den konkreten Auftrag der „Auflösung und Überführung des DFF“.

Insgesamt handelt es sich hier um eine sehr sehenswerte Dokumentation über das DDR-Fernsehen. An einigen Stellen jedoch scheint der Film etwas zusammenhangslos und ohne roten Faden, vielleicht ist es der Komplexität des Themas geschuldet. Kritisch wird nicht nur das DDR-Fernsehen betrachtet, sondern auch die Abwicklung des DFF nach 1990. Allerdings nicht nur kritisch sondern teilweise subjektiv und mit gewissem Trotz. So wird beispielsweise von der „ungeliebten Erbmasse DDR“ gesprochen.Hier stellte sich mir die Frage, ob eine Dokumentation solche Deutungen wagen sollte.

 

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