Lesung mit Ines Geipel: Generation Mauer. Ein Porträt.

Gestern Abend hatten wir die Autorin Ines Geipel bei uns zu Gast. Sie stellte ihr neuestes Werk "Generation Mauer - Ein Porträt" vor. In ihrer Vorrede stellte sie selbst fest, dass es schon Unmengen Bücher zu DDR-Themen gäbe, sie aber immer wieder noch Aspekte fände, die ihrer Meinung nach noch nicht erzählt worden sind. So gäbe es Bücher über viele Arten von Generationen, wie Generation Golf, Generation Babyboom, Generation Praktikum usw. Es gäbe die Kriegskinder, die Nachkriegskinder, die Aufbaukinder, die Revolutionskinder. Die 3. Generation Ost, also die Jahrgänge 1975 - 1989 hatten wir auch schon zu Gast. Frau Geipel beschäftigt sich in ihrem neuen Buchu nun mit der Generation davor, also mit jenen, die nach dem Bau der Mauer in den 60er Jahre geboren worden sind. Und stellt auch ausdrücklich klar, dass sich keine Generation in ein Korsett pressen ließe, dass man über keine Generation sagen könne, alle Vertreter hätten die selben Eindrücke, Erlebnisse, Erinnerungen und damit die selben Lebensläufe. Sie habe jedoch hunderte von Interviews geführt und dabei immer wieder bemerkenswerte Gleichnisse erfahren. Von diesen erzählt sie in ihrem buch anhand einiger Interviews, zusammen mit ihren eigenen Erfahrungen.
von Admin (19.11.2014)

Gestern Abend hatten wir die Autorin Ines Geipel bei uns zu Gast. Sie stellte ihr neuestes Werk "Generation Mauer - Ein Porträt" vor. In ihrer Vorrede stellte sie selbst fest, dass es schon Unmengen Bücher zu DDR-Themen gäbe, sie aber immer wieder noch Aspekte fände, die ihrer Meinung nach noch nicht erzählt worden sind. So gäbe es Bücher über viele Arten von Generationen, wie Generation Golf, Generation Babyboom, Generation Praktikum usw. Es gäbe die Kriegskinder, die Nachkriegskinder, die Aufbaukinder, die Revolutionskinder. Die 3. Generation Ost, also die Jahrgänge 1975 - 1989 hatten wir auch schon zu Gast. Frau Geipel beschäftigt sich in ihrem neuen Buchu nun mit der Generation davor, also mit jenen, die nach dem Bau der Mauer in den 60er Jahre geboren worden sind. Und stellt auch ausdrücklich klar, dass sich keine Generation in ein Korsett pressen ließe, dass man über keine Generation sagen könne, alle Vertreter hätten die selben Eindrücke, Erlebnisse, Erinnerungen und damit die selben Lebensläufe. Sie habe jedoch hunderte von Interviews geführt und dabei immer wieder bemerkenswerte Gleichnisse erfahren. Von diesen erzählt sie in ihrem buch anhand einiger Interviews, zusammen mit ihren eigenen Erfahrungen.

Die Generation Mauer sind jene, die die Wende theoretisch zu genau dem richigen Zeitpunkt erlebt haben: Sie haben eine "Vollbiografie" vor 1989, also Kindheit, Jugend, Berufsplanung, Karrierepläne, alles in der DDR erlebt. Waren aber nach dem Mauerfall und der Wiedervereinigung noch jung genug, um noch einmal mit den veränderten Gegebenheiten durchzustarten: Manch einer absolveierte einen zweiten Studien- oder Lehrabschluss nach westlichen Standards und integrierte sich so mühelos in das wiedervereinigte Deutschland.

Geipel stellt aber auch dem behaupteten "Jahrhundertglück" Fallbeispiele und ihre eigene Geschichte gegenüber. Sie erzählt von gebrochenen Lebensläufen, wie dem des Frankfurter Literaturhausleiters Hauke Hückstädt, von staatlicher und familiärer Gewalt, vom Selbstmord eines Freundes, den psychischen Erkrankungen und Fluchtbewegungen ihrer Kommilitonen in Jena. Und andererseits von dem in die Zukunft gerichteten beharrlichen Aufklärungswillen von jemandem wie dem Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk.

Nachdem Geipel gesprochen und aus ihrem Buch gelesen hatte, entspann sich gestern Abend noch eine hoch interessante Diskussionsrunde. Einige Gäste berichteten von eigenen Erlebnissen und Erfahrungen, andere hinterfragten die von Geipel beobachteten Phänomene. Das Publikum bestand aus verschiedenen Generationen, sowohl aus Ost als auch aus West, was die Gesprächsrunde zusätzlich interessant machte.

Wir danken Ines Geipel für diese spannende Veranstaltung, die zu neuen Denkansetzen anregte und wünschen ihr weiterhin viel Erfolg.

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