Läden und Kaufhäuser in der DDR – HO, Konsum, Centrum Warenhaus und Co. Teil 3

von Jörn Kleinhardt (24.11.2016)

Im heutigen Sammlungsblog soll es um die Warenhausketten „Konsument“ und „Centrum Warenhaus“ gehen. Beide genannten Ketten entstanden Mitte der 1960er Jahre zu einer Zeit als sich die Konsumbedürfnisse der Wohnbevölkerung grundlegend änderten. Die harten Nachkriegsjahre waren vorüber, die Industrie befand sich im Aufbau und tausende Arbeiter und Arbeiterinnen entdeckten die Konsumlust. War es vor allem für Berliner vor dem Mauerbau noch möglich, begehrte Konsumgüter einfach in den Westsektoren der geteilten Stadt zu besorgen, mussten neue Alternativen auf dem Gebiet der DDR geschaffen werden. Vom Sortiment her unterschieden sich die Kaufhäuser in Ost und West eher weniger. Obwohl die Vielfalt und Auswahl in den westlichen Warenhäusern natürlich reichhaltiger war, boten die „Konsument“ und „Centrum“ Warenhäuser eine Auswahl solider Konsumartikel von Kleidungsstücken für Jung und Alt, Möbeln, Haushaltsartikeln,  Einrichtungsgegenständen, Büchern und technischen Konsumgütern wie Radios, Fernsehgeräte oder Fotoapparate.

Die Warenhauskette „Konsument“ setzte sich aus örtlichen Warenhäusern und einem Versandwarenhaus in Karl Marx Stadt zusammen. Unterstellt war die Kette dem Verband der Konsumgenossenschaften der DDR, gegründet wurde sie mit Wirkung zum 1. Januar 1965. Über die zahlreichen “Konsum“ Verkaufsläden  sollte vorrangig die Grundversorgung mit Lebensmitteln sichergestellt werden, die wenigen Warenhäuser der Konsumgenossenschaften wurden komplett neu strukturiert und sollten das schon bestehende Angebot an Waren des täglichen Bedarfs um Haushalts- und Konsumgüter ergänzen. Wenige Jahre nach dem Mauerbau eröffneten die ersten „Konsument“ Warenhäuser in vielen Mittel- und Oberzentren auf dem Gebiet der DDR wie Leipzig, Dresden, Dessau, Gera oder Potsdam. Bereits 1966 waren der „Konsument“ Kette elf Warenhäuser unterstellt. Als Flaggschiff der Franchise galt von Beginn an das Konsument Warenhaus am Brühl in Leipzig. Kurz vor der deutschen Wiedervereinigung betrieb die Kette dreizehn Kaufhäuser auf dem Gebiet der DDR und war damit fast genauso oft vertreten wie die staatliche Konkurrenz der „Centrum“ Warenhäuser.

Beinahe zeitgleich zur Entwicklung der „Konsument“ Warenhauskette entstanden die ersten Einkaufstempel des „Centrum Warenhaus“ Franchise. Bei der „Centrum“ Kette handelte es sich um eine Tochtergesellschaft der staatlichen Handelsorganisation. Analog zu den kleinen Verkaufsläden standen die übergeordneten Konsumgenossenschaften und die Handelsorganisation in Konkurrenz zueinander und buhlten durch entsprechende Angebote um kaufwillige Kundschaft. Die „Centrum“ Warenhäuser wurden wenn möglich mit einem einheitlichen „Corporate Design“ versehen. Alle zu DDR-Zeiten entstandenen Häuser verfügten über eine ornamentierte Metallfassade und waren im Stadtbild gut erkennbar. Im Gegensatz zu den privaten Kaufhäusern der „Konsument“ Kette waren die Einkaufstempel der staatlichen Handelsorganisation großzügiger geplant und verfügten über mehr Verkaufsflächen. Ende der 1980er Jahre existierten insgesamt 14 Filialen der Warenhauskette.

Mit der deutschen Wiedervereinigung wurden die meisten der privaten und staatlichen Kaufhäuser privatisiert und durch die Treuhandgesellschaft veräußert. Neue Betreiber mit den Namen Kaufhof, Horten und Karstadt zogen in die oftmals zentral gelegenen Räumlichkeiten.

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