Kasperle und seine Freunde in DDR-Kindergärten

von Admin (05.11.2013)

Mit dem Buch „Puppenspiel im Kindergarten“, das im „Volk und Wissen VolkseigenemVerlag Berlin“ erschienen ist, stellen wir Ihnen heute einen Schatz aus unserer Bibliothek vor, der schon fast ein Exponat sein könnte. Denn dieses Buch wurde selbst in seiner 2. Auflage 1989 noch in der DDR gedruckt. Printed in the German Democratic Republic steht im Klappentext. Redaktionsschluss war der 9. Juni 1989.  

 

„Fröhlich und harmonisch, reich an Erlebnissen im Kollektiv der Spielfreunde, so soll die Kindergartenzeit für unsere Jüngsten sein. Jeder Tag führt sie zu  neuen Erkenntnissen, jeder Tag läßt sie vielfältige Erfahrungen sammeln, jeder Tag hat laute und leise Stunden und gibt ihnen das Gefühl des Geborgenseins, das Gefühl des Dazugehörens.“ Damit beginnt das Vorwort, das auch gleich erklärt, was Sinn und Aufgabe des Buches ist. Zum Beispiel aufzuzeigen, wie pädagogisch wertvoll das Puppenspiel für Kinder ist. „Zum Lachen  gesellt sich das Nachdenken über das Gesehene, das Identifizieren mit den Helden, das Verändern wollen.“

 

Das Erste Kapitel ist als weitergehende Einführung unterteilt in die Thematiken:

 

  • Puppenspiel – künstlerisches Genre und pädagogisches Mittel
  • Reizvolle Vielfalt im Leben der Kinder durch Puppenspiel
  • Puppentheater – eine darstellende Kunst
  • Puppenspiel – eine kindgemäße Theaterform
  • Der Beitrag des Puppenspiels zur Persönlichkeitsentwicklung der Vorschulkinder.

 

Ab hier wird sich nach und nach der Praxis genähert. Im Zweiten Kapitel „Die Puppe – die Fabel – das Spiel“ werden zunächst die einzelnen Arten von Puppen erläutert. Von Flachpuppe, Stockpuppe oder Handpuppe über Marionette, Stabpuppe bis hin zu Tipps, wie man Gegenstände, die uns im täglichen Leben ständig begegnen, als Puppen nutzen bzw. zu Puppen umfunktionieren kann. Auch wird auf die Fabel und die Arbeit am Text eingegangen, es werden Hinweise zum Entwickeln selbsterdachter Puppenspielgeschichten geliefert und schließlich die einzelnen Spielformen, -varianten und -möglichkeiten (Solospiel, Kasperspiel, Bildtheater, Schattenspiel uvm.) erklärt.  

 

Im dritten Kapitel „Gestaltung von Puppentypen, Kostümen und Bühnen“ geht es dann so richtig ‚an’s Werk‘. Unter der Rubrik „Allgemeine künstlerische Gesichtspunkte der Typisierung“ erhalten Sie komplette Anleitungen zum Herstellen der eigenen Puppen. Nützliches zum Kopf, der Physiognomie, zur Anordnung und Gestaltung von Augen, Nase und Mund über Perücken und Bärte bis hin zu den Kostümen wird alles bis ins Detail erklärt und aufgezeigt. Sogar etliche Schnittmuster für Puppenkostüme sind im Buch enthalten.

 

Das vierte Kapitel schließlich widmet sich dem Spiel der Kinder. Es geht ein auf „das Puppenspiel fördernde Faktoren“ wie die musische Atmosphäre, Vorstellungskraft und Fantasie und auch der „Reaktivierung von Wissen und Können“. Außerdem finden Sie Erläuterungen, wie Sie die Kinder das Puppenspiel lehren, denn „Die Fähigkeit, Puppenspiel zu spielen, entwickelt sich nicht von allein. Man sollte nicht darauf warten, dass die Kinder irgendwann einmal damit beginnen, sondern das Interesse daran wecken.“ (S. 241). Es werden nützliche Hinweise gegeben, wie Sie dem Kind helfen, die Puppe als Ausdrucksmittel zu entdecken. Und schlussendlich, wie sie es befähigen, sowohl vorgegebene als auch selbsterdachte Handlungsabläufe zu spielen.

 

Das Buch „Puppenspiel im Kindergarten“ ist also ein Leitfaden (nicht nur für Kindergärtnerinnen), der sozusagen von A bis Z durch die Thematik Puppenspiel führt. In vergangenen Tagen sicherlich ein unschätzbar nützliches Werk für Kindergärtner. Und ich persönlich, die ich als kleines Mädchen bis heute leidenschaftliche Anhängerin des Puppenspiels war und bin, finde, dieses Buch könnte man auch gut und gerne heutigen und künftigen Generationen von Pädagogen empfehlen. Oder was meinen Sie?

 

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