Inhaftiert in Hohenschönhausen: Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen stellte ihren neuen Katalog im DDR Museum vor.

Die Bauarbeiten unseres Besucherzentrums sind termingerecht abgeschlossen worden und so freuten wir uns, am gestrigen Abend die Stiftung Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen zu Gast zu haben!
von Melanie Alperstaedt (26.11.2015)

Die Bauarbeiten unseres Besucherzentrums sind termingerecht abgeschlossen worden und so freuten wir uns, am gestrigen Abend die Stiftung Gedenkstätte Berlin Hohenschönhausen zu Gast zu haben!

Seit 1994 befindet sich auf dem Gelände der früheren zentralen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, über die Geschichte der Haftanstalt Hohenschönhausen in den Jahren 1945 bis 1989 durch Ausstellungen, Veranstaltungen und Publikationen zu informieren. Der riesige Gebäudekomplex ist fast komplett erhalten und vermittelt gemeinsam mit einer sehenswerten Dauerausstellung die bedrückenden Methoden zur Verfolgung und Unterdrückung seitens des DDR-Regimes.

Die Vorstellung des neuen Ausstellungskataloges war das erste Event in unserem umgebauten Veranstaltungsraum und auch die Gedenkstätte feierte eine Premiere: Sie präsentierte ihr aufwändig gestaltetes Begleitbuch zu ihrer Dauerausstellung! Der Katalog zeigt erstmals zahlreiche Exponate, historische Fotos und unbekannte Dokumente über das geheimste Gefängnis der DDR.

Es beginnt mit einem außergewöhnlichen Schutzumschlag, der den Leser ein wenig irritiert. Einerseits sieht man auf den ersten Blick ein altes Foto des Gefängnisses, andererseits schimmert das eigentliche Buchcover durch, welches ein heutiges Foto zeigt. So vermischen sich die zwei Bilder, denn durch das transparente historische Foto auf dem Umschlag schimmert das moderne Foto hindurch. Dieses „gemischte Bild“ passt nicht zu den Sehgewohnheiten des Betrachters und erhält für mich dadurch auch eine symbolische Bedeutung. Ohne die Vergangenheit des Ortes gäbe es die Gedenkstätte nicht, die Vergangenheit prägt also die Aufgaben der heutigen Gedenkstätte und so legt sich das historische Bild auf das moderne Äquivalent.

Die Idee zum Cover stammt von einem der Herausgeber, Andreas Engwert, der gestern dann auch den Katalog selbst vorstellte.  Er führte die Zuhörer durch die unterschiedlichen Kapitel, sprach über die inhaltliche Gestaltung, Herausforderungen und die Integration von Zeitzeugenberichten in den Katalog. So hatte das Publikum einen guten ersten Eindruck erhalten, bevor im Anschluss das Podiumsgespräch begann.

Auf dem Podium saßen Dr. Hubertus Knabe, Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und ebenfalls Herausgeber des Katalogs, Dr. Stefan Wolle, wissenschaftlicher Leider des DDR Museum, Prof. Dr. Hermann Schäfer, ehemaliger Präsident der Stiftung Haus der Geschichte sowie Klaus Kordon, Schriftsteller und ehemaliger Hohenschönhausen-Häftling. Die Moderation übernahm Prof. Dr. Andreas Nachama, der Direktor der Stiftung Topographie des Terrors. Diskutiert wurde über die Schwierigkeit, Gewalt und Unterdrückung in einem Museum und somit auch in einem Katalog darzustellen.

Die Arbeit der Gedenkstätte Hohenschönhausen zeigt seit Jahren, dass sie sich dieser Schwierigkeit stellt und so bestand für mich als Leserin kein Zweifel, dass auch der Katalog genau den richtigen Ton treffen würde und das Leid der ehemaligen Häftlinge angemessen und trotzdem deutlich genug darstellt wird. Ich war also im besten Sinne voreingenommen. Trotzdem gab es immer wieder Momente bei der Lektüre, die mich überraschten und berührten. So z.B. die Seiten 126/127. Sie leiten das Thema Gewalt als Häftlingserfahrung ein und hier musste ich schlucken. Auf Seite 126 steht nicht mehr als „Gewalt“, auf Seite 127 gibt es ein Foto ohne Personen. Es zeigt eine Szene, die den Suizid als letzte Flucht vor der erlebten Gewalt thematisiert. Da blättert man nicht einfach weiter.

Darüber hinaus zeigt der Katalog selbstverständlich viele interessante Objekte, Fotos und die zahlreichen Schilderungen der Zeitzeugen ergänzen die unterschiedlichen Themen hervorragend. Es geht eben auch nicht um „gesichtslose“ Fakten, es geht um Menschen und so kommen an 33 Stellen diejenigen zu Wort, die selbst in Hohenschönhausen inhaftiert waren. Heute führen meist auch ehemalige Häftlinge die Besucher durch die Räumlichkeiten der Haftanstalt und informieren über die Haftbedingungen und Verhörmethoden der Stasi.

Alle wichtigen Informationen für einen Besuch finden Sie auf der Internetseite der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, den Katalog erhalten Sie vor Ort in der Buchhandlung oder auch auf der Internetseite des Nicolai Verlags.

Im Anschluss der Veranstaltung gab es bei Getränken und Finger-Food noch die Möglichkeit zu zahlreichen spannenden Gesprächen. Selten ging eine Veranstaltung von uns so spät in den Abend hinein, aber es war einfach stets zu früh, zu nett und interessant, um zu gehen!

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