Veranstaltung

Im Kleinhirn des Kraken

Am gestrigen Abend hatten wir Dr. Philipp Springer zu Gast, der das neue Buch „Gedächtnis der Staatssicherheit“ vorstellte. Er erzählte den interessierten Gästen von der Arbeit der Abteilung XII.
von Esra Kurtoglu (27.04.2016)

Am gestrigen Abend hatten wir Dr. Philipp Springer zu Gast, der das neue Buch „Gedächtnis der Staatssicherheit“ vorstellte. Herr Dr. Springer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (BStU). Er erzählte den interessierten Gästen von der Arbeit der Abteilung XII.

Um das MfS und die Stasi-Akten weht auch heute noch ein Hauch Geheimnis und Mythos. Wer steckte hinter der Aufbewahrung und Archivierung der Akten, wie sah der Arbeitsalltag der Archivmitarbeiter aus und wie fand die Datenerfassung statt? Der Arbeitsalltag war für die Mitarbeiter buchstäblich grau, denn sie mussten ohne Tageslicht arbeiten. Das MfS wollte um jeden Preis vermeiden, dass Informationen nach außen gelangen, was fensterlose Räume nach sich zog. Beschwerden und Unzufriedenheit häuften sich in der Abteilung XII an, es gab immer mehr Fehltage von Mitarbeitern durch Krankheit oder Schwangerschaft. Auch um die Ordnung schien es nicht gut: Akten wurden teilweise so oft verliehen, dass sie laut Dr. Springer als Reiseakten bezeichnet wurden. Einige Akten fehlten auch hin und wieder oder waren in einem sehr schlechten Zustand. Ebenso gab es kaum Anweisungen zur Archivarbeit, wodurch diese Probleme wahrscheinlich auftraten. Dennoch häuften sich die Daten im Archiv, so dass man die Abt. XII als „allwissende Krake“ bezeichnen könnte, wie Herr Dr. Springer formulierte. Nach dem interessanten Vortrag gab es noch eine rege Diskussion zusammen mit unserem wissenschaftlichen Leiter Dr. Stefan Wolle. Es kam die Frage auf, ob zum Beispiel Nachbarn voneinander über ihre Tätigkeit in der Abteilung XII wussten. „Nein“, antwortete Dr. Springer, denn Mitarbeiter waren nicht befugt über Ihre Arbeit bzw. Tätigkeit außerhalb der Abteilung zu sprechen. Mitarbeitern war es ebenso untersagt, in die Akten zu sehen, was einige allerdings trotzdem nicht davon abhielt, es zu tun. Zum Abschluss warf Dr. Wolle noch ein: „Die DDR ist das bestdokumentierte Land der Welt!“. Woraufhin alle herzlich lachen mussten.

Das Buch „Gedächtnis der Staatssicherheit – Die Kartei- und Archivabteilung des MfS“ ist ab jetzt für zwei Wochen in unserem Museumsshop für 35,00 € erhältlich.

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