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Grafitti an der East Side Gallery

Gestern habe ich in der Zeitung einen Artikel gelesen, der mich sehr geärgert hat. Vor sieben Monaten für 2,2 Millionen Euro saniert, sind jetzt bereits schon wieder seit einiger Zeit Grafitti an der East Side Gallery zu finden. Finanziert wurde die Sanierung damals durch Bundes- und Landesmittel, durch Gelder des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und der Deutschen Klassenlotterie Berlins.
von Melanie Alperstaedt (18.06.2010)

Gestern habe ich in der Zeitung einen Artikel gelesen, der mich sehr geärgert hat. Vor sieben Monaten für 2,2 Millionen Euro saniert, sind jetzt bereits schon wieder seit einiger Zeit Grafitti an der East Side Gallery zu finden. Finanziert wurde die Sanierung damals durch Bundes- und Landesmittel, durch Gelder des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und der Deutschen Klassenlotterie Berlins.

Ich wäre ja offen für eine Diskussion darüber, ob Grafitti als Kunst gilt, ob Flächen dafür bereitgestellt werden sollen oder ein bunt bemalter U-Bahnwagen nicht auch als "schön" gelten kann. Allerdings hört beim Besprühen der East Side Gallery der Spaß bei mir auf. Es ärgert mich richtig und umfassend, dass Menschen keinen Respekt vor dem Werk anderer Künstler haben. 83 Künstler haben ihre 99 Bilder vor 7 Monaten neu gemalt, sie sind angereist aus allen möglichen Ländern und haben viel Liebe und Mühe investiert. Auch ist die East Side Gallery einer der wenigen Orte in Berlin, an denen ein zusammenhängendes Stück Mauer zu finden ist.

Jeder, der vor der East Side Gallery steht, kann sehen, wie wenig die Stadt Berlin in der Lage ist, dieses geschichtlich bedeutsame Gesamtkunstwerk zu schützen. Es gibt zwar einen Dreifach-AntiGrafitti-Schutz, so dass sich die Grafittis gut entfernen lassen, aber eine weitere Kontrolle gibt es nicht. Bis Ende 2009 gab es Galerie-Guides. Das waren ABM-Kräfte, welche Schulklassen und Touristen informiert und Grafittis einer Reinigungsfirma gemeldet haben. Diese Maßnahme wurde jedoch vom Jobcenter Friedrichshain beendet, eine neue Lösung ist bisher (meines Wissens nach) noch nicht gefunden worden. Denn Geld, um Guides anzustellen, hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nicht, allein ca. 60.000 € betragen allein die Reinigungskosten pro Jahr.

Mangelder Respekt vor Geschichte + mangelnder Kontrolle + mangelnde finanzelle Mittel = Beschmierte East Side Gallery?!

Neben dem Ärger darüber, ist mir das als Berlinerin vor den Touristen und Gästen dieser Stadt auch schlicht und einfach peinlich. Da hat Berlin ein in der Welt einmaliges Denkmal und dann ist für jeden Gast ersichtlich, wie wenig Berlin in der Lage ist, die East Side Gallery zu bewahren.

Aber es gibt auch viele, die sich engagieren! Zu nennen ist hier die Künstlerinitiative East Side Gallery e.V., welche vom Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" den Sonderpreis "Gelebte Einheit" verliehen bekam. Ich freue mich für die Initiative, gratuliere und möchte ihr für ihre Arbeit danken!

Wenn Sie Lust und Zeit haben, können Sie sich hier über die Arbeit der Initiative informieren. Weiterhin ist der East Side Gallery e.V., genau wie das DDR Museum, auf Facebook vertreten.

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