Geschichte aus einer ungewöhnliches Perspektive: Honeckers Bodyguard

von Melanie Alperstaedt (05.12.2014)

Bernd Brückner erzählte gestern von seinen 13 Jahren an Honeckers Seite. Er war einer seiner persönlichen Leibwächter und begleitete ihn daher auf Dienstreisen, Staatsbesuchen oder Jagdausflügen. Als verantwortliche Person für die Sicherheit Honeckers kam er ihm daher sehr nah und war Teil seines Alltags. Allerdings ohne wirklich persönlich mit ihm verbunden zu sein, denn als Personenschützer muss man laut seiner Aussage eine professionelle Distanz bewahren und darf der beschützen Person oder Familie emotional nicht zu nahe stehen. So erzählte er zwar Anekdoten aus dem Alltag und ermöglichte unbekannte Einblicke, wurde dabei jedoch nicht zu persönlich und verletzte auch nicht die Privatsphäre Honeckers oder seiner Familie. Sogenannte „Schmutzwäsche“ war also kein Thema!

Herr Brückner erzählte von seinem eigenen Werdegang und erläuterte die Strukturen des Personenschutzes in der DDR. Er selbst war in der „Hauptabteilung Personenschutz“ (HA PS) im Ministerium für Staatssicherheit und somit  dienstrechtlich direkt dem Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke, unterstellt. Diesen traf er während seiner Tätigkeit als Personenschützer für Herrn Honecker daher ebenfalls sehr häufig.

Neben seiner eigenen Tätigkeit als Personenschützer war er auch als Ausbilder tätig und erzählte, wie er dem Nachwuchs beibrachte, Menschen effektiv vor Anschlägen zu schützen. So nahm er z.B. die Videoaufzeichnung vom Attentat auf Ronald Reagan zur Hilfe. Jedem im Team wurde eine Person auf dem Video zugeteilt und dann hieß es, sich alles zu merken. Wo schaute die Person hin, wie bewegte sie sich, wie verhielt sie sich in welchem Moment etc.. So prägten sich die Abläufe ein, die dann später nachgestellt und aus unterschiedlichen Perspektiven gefilmt wurden. Diese Methode wendete Brückner mit allen relevanten Attentaten an. Zusätzlich wurden Fahrzeuge getestet und ausprobiert, wie man am sichersten in Notsituationen andere Fahrzeuge rammt ohne sich zu verletzen oder den eigenen Wagen zu zerstören. So erzählte er am gestrigen Abend, dass man in solch einer Situation besser nicht krampfhaft das Lenkrad festhält, denn ein damaliger Kollege hatte sich dadurch bei solchen Tests beide Daumen gebrochen. Dies alles seien Erfahrungen, die man damals durch Ausprobieren machen musste.

Es kamen am Ende von Brückners Ausführungen aus dem Publikum viele Fragen zu seinem Berufsalltag, seiner beruflichen Situation nach 1989 und zu einzelnen Situationen mit Erich Honecker. Im Anschluss der Veranstaltung gab es dann auch die Möglichkeit, sich das Buch „An Honeckers Seite“ von Herrn Brückner signieren zu lassen.


 

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